{"id":26,"date":"2016-01-22T17:35:54","date_gmt":"2016-01-22T17:35:54","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.eu\/?p=26"},"modified":"2019-01-11T12:32:53","modified_gmt":"2019-01-11T12:32:53","slug":"meditation-und-die-schwierigkeit-der-uebertragung-von-literatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=26","title":{"rendered":"Meditation und die Schwierigkeit der \u00dcbertragung von Literatur"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Problem der \u00dcbersetzung an sich<\/strong><br \/>\nViele Meditationsweisen, die heute im Westen modern und beliebt sind, entstammen einem \u00f6stlichen Kulturkreis. Nur wenige Europ\u00e4er haben aber das Gl\u00fcck, bei oder mit einem Meister zu \u00fcben. Die meisten sehen ihren oder einen Meister nur ein- oder zweimal im Jahr, und dann auch nur als Mitglied einer sehr gro\u00dfen Gruppe. H\u00e4ufigstes Lehrmittel ist und bleibt daher die Schrift oder das Buch, und genau hier beginnen die Schwierigkeiten der \u00dcbertragung von einem Kulturkreis zum anderen. <!--more-->Weiterhin entstammen viele Schriften nicht nur diesem anderen Kulturkreis, sondern stammen zus\u00e4tzlich noch aus einer anderen Epoche und sind meist mehrfach aus nicht mehr gesprochenen Sprachen \u00fcbersetzt. So entstammt zB. die Bhagavat Gita dem brahmanischen Kulturkreis Indiens aus einer Epoche vor dem Buddhismus, als also die Brahmanen noch nicht \u00fcber die Machtf\u00fclle verf\u00fcgten, die sie in sp\u00e4teren Jahrhunderten besa\u00dfen. Die Kriegerkaste herrschte in dieser Zeit, und der Brahmane war nur Priester und der Armut verpflichtet. Die Originalsprache ist Sanskrit, und zwar das Sanskrit der damaligen Zeit. Jeder indische Philosoph oder Meister von Bedeutung hat diese Schrift in eine lebende Sprache \u00fcbertragen und schreibt zu diesem Originaltext Kommentare oder Interpretationen, die nat\u00fcrlich von seiner Pers\u00f6nlichkeit gef\u00e4rbt sind. F\u00fcr einen heute lebenden Deutschen ist diese Schrift dann in der \u00dcbersetzung aus dem englischen erh\u00e4ltlich. Als m\u00f6gliche Hauptfehlerquellen schleichen sich ein:<\/p>\n<ul>\u00dcbersetzung aus Sanskrit ins Englische<\/ul>\n<ul>\u00dcbersetzung aus dem Englischen ins Deutsche<\/ul>\n<ul>Das Problem des kulturellen Hintergrundes<\/ul>\n<ul>Verst\u00e4ndnis einer nicht gesprochenen, nicht lebenden Sprache<\/ul>\n<ul>Verst\u00e4ndnis einer l\u00e4ngst vergangenen Epoche<\/ul>\n<ul>Interpretationen jedes an der \u00dcbersetzung beteiligten Autors<\/ul>\n<p>Doch damit nicht genug. Die \u00dcbertragung aus der indischen in die europ\u00e4ische Kultur bietet eine F\u00fclle von weiterf\u00fchrenden Schwierigkeiten. Auch hier m\u00f6gen ein paar Beispiele zur Verdeutlichung beitragen:<\/p>\n<ul>Jede Kultur pflegt ihre eigenen Tabuzonen. Wurde ein Buch oder Text zB. f\u00fcr den hinduistisch gepr\u00e4gten Menschen geschrieben, kann eine wortgetreue \u00dcbersetzung durchaus Tabuzonen eines Europ\u00e4ers verletzen.<\/ul>\n<ul>Sprachliche Wendungen wie zB. \u201ddie \u00dcbertreibung\u201d oder \u201ddas auf die Spitze treiben\u201d werden in anderen Kulturkreisen nicht als Wendung betrachtet, sondern werden w\u00f6rtlich verstanden.<\/ul>\n<ul>Jeder Autor setzt in der Regel (Ausnahme: Philosophen) sein Weltbild als selbstverst\u00e4ndlich voraus und schreibt in diesem Sinne. So flie\u00dft im indischen Sprachgebrauch die unendliche Vielzahl der G\u00f6tterwelt nahezu selbstverst\u00e4ndlich in die Alltagssprache ein. Kennt der Leser die Bedeutung (Symbolisierung) der verwendeten Gottheit nicht, kann er mit dem Satz nichts anfangen oder versteht ihn falsch.<\/ul>\n<ul>Verwendet ein Autor oder ein verehrter Meister die direkte Sprache im Sinne \u201ddu sollst&#8230;\u201d, so wird dies im \u00f6stlichen Kreis eine dem Vater oder Guru erlaubte und geachtete Form zuerkannt. Im westlichen Sprachgebrauch klingen solche S\u00e4tze \u201dpathetisch\u201d und werden bereits vom Gef\u00fchl her abgelehnt.<\/ul>\n<ul>W\u00e4hrend der \u00f6stliche Kreis die bildhafte Sprache besonders sch\u00e4tzt, pflegt der Europ\u00e4er eher die abstrahierende Sprachform. Viele bildhafte Darstellungen aus Japan, China oder Indien kann ein Europ\u00e4er einfach nicht nachvollziehen oder verstehen und sie verpassen dann den Sinn, denen diese Bilder dienen sollen.<\/ul>\n<p><strong>Das zweite Problem mit der Sprache<\/strong><br \/>\nAlle Sprachen dr\u00fccken sich aus auf dem Hintergrund der Kultur, die der Sprache zugrunde liegt. Wortw\u00f6rtliche \u00dcbersetzungen (zB: von indischen ins deutsche) k\u00f6nnen niemals die enthaltenen Aussagen in ihrer vollkommenen Inhaltlichkeit wiedergeben. Dies ist die bereits beschriebene erste Problematik. Eine weitere stellt sich aus der beschr\u00e4nkten Sichtweise und Erkenntnis unseres Seins. Auch ein \u00fcberbewusster Mensch (Meditationsmeister, Gurus oder Erleruchtete) stehen vor dem Problem, ihren Sch\u00fclern Weisheit in einer ungeeigneten Sprache vermitteln zu m\u00fcssen, in der f\u00fcr Erleuchtungserfahrungen weder Worte, Symbole noch Grammatik zur Verf\u00fcgung steht<\/p>\n<p><strong>PD Ouspensky, Tertium Organum, \u00fcber das Wesen der Zeit<\/strong><br \/>\nOuspensky, der in seinem Buch die Zeit als das undefinierbare des Raumes einer vierten Dimension betrachtet und beschreibt, sieht als Schlussfolgerung dieser Sachlage nachfolgende Zeilen als wesentlich an:<\/p>\n<p>Neue Teile der Sprache sind notwendig, eine unendliche Anzahl neuer W\u00f6rter. Gegenw\u00e4rtig k\u00f6nnen wir in unserer menschlichen Sprache \u00fcber die Zeit nur durch Hinweise sprechen. Ihr wahres Wesen ist f\u00fcr uns unausdr\u00fcckbar. Die Unausdr\u00fcckbarkeit sollten wir niemals vergessen. Diese ist das Zeichen der Wahrheit, das Zeichen der Wirklichkeit. Was man ausdr\u00fccken kann, kann nicht wahr sein.<\/p>\n<p>Alle Systeme, die die Beziehung der menschlichen Seele zur Zeit behandeln \u2013 alle Ideen der Existenz nach dem Tode, die Theorie der Wiederverk\u00f6rperung, jener der Seelenwanderung, des Karmas \u2013 sind Symbole, die Beziehungen vermitteln versuchen, die nicht direkt ausgedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen wegen der Armut und der Schw\u00e4che unserer Sprache. Man sollte sie genauso wenig w\u00f6rtlich verstehen, wie es m\u00f6glich ist, die Symbole und Allegorien der Kunst w\u00f6rtlich zu verstehen. Es ist n\u00f6tig, nach ihren verborgenen Bedeutungen zu suchen, nach dem, was nicht in Worten ausgedr\u00fcckt werden kann.<\/p>\n<p>Das w\u00f6rtliche Verst\u00e4ndnis&#8230;entstellt den inneren Gehalt dieser Formen vollst\u00e4ndig und beraubt sie ihres Wertes und ihrer Bedeutsamkeit.<\/p>\n<p>Wenn bereits die Zeit, eine f\u00fcr uns doch relativ klare Erscheinung (?) eine solche Beurteilung notwendig erscheinen l\u00e4sst, um wieviel schwieriger stellt sich dann die Beschreibung der Wahrheit dar, mit ihren Funktionen \u201dUnendlichkeit\u201d und \u201dZeitlosigkeit\u201d und anderen, die wir nicht kennen.<\/p>\n<p><strong>Was kann ein europ\u00e4ischer Leser tun?<\/strong><br \/>\nSich bewusst zu sein, dass es solche Schwierigkeiten gibt, bietet die eigentliche L\u00f6sung an. Der Leser muss sich mit Geschichte, Kultur und Zeitepochen der Entstehung intensiv besch\u00e4ftigen, um Originaltexte zu verstehen. Der Leser kann auch versuchen, auf Autoren zur\u00fcckzugreifen, die speziell f\u00fcr den europ\u00e4isch gepr\u00e4gten Kulturkreis ihre Werke verfassten. Radhakrishnan (Hinduismus) und Vivekananda (Yoga) sind solche Autoren aus Indien, Suzuki (Zen) ist ein solcher aus Japan. Eine weitere M\u00f6glichkeit besteht darin, Autoren europ\u00e4ischer Abstammung zu w\u00e4hlen, die diese fremden Kulturen studiert und gelebt haben wie Brunton, Sacharov (Yoga) oder Enomiyo Lassalle (Zen), und diese als Basis f\u00fcr weitere Studien zu verwenden. Dieser Ratschlag klingt aufwendig und er ist es auch. Aber wenn wir zB Yoga oder Zen praktizieren, damit die Grundlagen unseres Lebens und Denkens ber\u00fchren und ver\u00e4ndern, sollte uns auch dieser Aufwand nicht schrecken.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F26&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F26&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D26&text=Meditation%20und%20die%20Schwierigkeit%20der%20%C3%9Cbertragung%20von%20Literatur\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D26\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Meditationsweisen, die heute im Westen modern und beliebt sind, entstammen einem \u00f6stlichen Kulturkreis. 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