{"id":28,"date":"2016-01-23T11:44:17","date_gmt":"2016-01-23T11:44:17","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.eu\/?p=28"},"modified":"2019-01-11T12:32:09","modified_gmt":"2019-01-11T12:32:09","slug":"yoga-und-meditation-in-hochheim-und-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=28","title":{"rendered":"Die negative Emotion und Yoga"},"content":{"rendered":"<p>Wenn sich Menschen heute \u00fcber Yoga unterhalten, spielen Emotionen entweder keine oder eine ausschlie\u00dflich positive Rolle. Das ist bemerkenswert, werden Emotionen doch weitestgehend unbewusst abgestrahlt und bilden ein Gef\u00fcge, dass sich auf Erfahrungen, Ansichten und Erlebnisse vergangener Lebensjahre bezieht und k\u00f6nnen daher selten ausschlie\u00dflich positiv besetzt sein. Ich m\u00f6chte mir daher die Frage stellen, woher einerseits dieser Ausschluss kommt und andererseits, ob diese Ansicht richtig ist und nach welchem Prinzip dabei die negativen Motive ausgeblendet werden k\u00f6nnen. Dem Klischee zufolge d\u00e4mpft Yoga die Emotionalit\u00e4t der negativen Form und f\u00f6rdert positive Motive. Wie kann es aber sein, dass in der gleichen Lebenswirklichkeit Yoga\u00fcbende sich \u00fcberwiegend positiv angesprochen f\u00fchlen, w\u00e4hrend die gro\u00dfe Zahl der Nicht\u00fcbenden durchwachsene Erfahrungen machen m\u00fcssen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNun k\u00f6nnte eine Ursache f\u00fcr diese Grundhaltung in einem religi\u00f6s gepr\u00e4gten Weltbild zu suchen sein, in dem wie zum Beispiel im Katholizismus der ketzerische Gedanke eine S\u00fcnde ist und darum tabuisiert wird. Dann w\u00e4ren Aussagen, die negativ zu werten sind, eine Verfehlung und w\u00fcrden unter ein Selbstverbot fallen. Bei religi\u00f6s motivierten Menschen m\u00fcssten neben Tabuisierungen dieser Art noch andere Motive auftreten. So sind hier ritualisierte Handlungen (Gottesdienst, Gesang und Anrufung von Gottheiten) zu nennen, Ge- und Verbote (Essvorschriften, Alkoholverbot usw.), Kleidungsvorschriften (nur indische Kleidung) oder Zugeh\u00f6rigkeitssymbole (Om-Anh\u00e4nger, Mala) und \u00e4hnliches. Wo ein oder mehrere Motive dieser Aufz\u00e4hlung regelm\u00e4\u00dfig praktiziert oder angetroffen werden, k\u00f6nnten ein religi\u00f6ser Hintergrund im Yoga und darum ein Denkverbot bez\u00fcglich Negativit\u00e4t durchaus eine Rolle spielen.<br \/>\nEine weitere M\u00f6glichkeit der \u00dcberbewertung positiver Motive und damit verbunden ein Ausschluss oder eine \u00c4chtung negativ besetzter Emotionen kann in der gesellschaftlichen Grundausrichtung liegen, die heute als ma\u00dfgebliche Norm zunehmend angetroffen wird. So beschreibt zum Beispiel der deutsche Philosoph Han in seinen B\u00fcchern, das Positivit\u00e4t als alleiniges Merkmal des Mainstream eine Gleichschaltung innerhalb der Gesellschaft bewirkt, weil die fehlende Negativit\u00e4t ihre ausgleichende Kraft nicht mehr wahrnehmen kann. Der\/das Andere verliert damit sein Anders-Sein. Anders-Sein-K\u00f6nnen aber ist eine der Grundlagen f\u00fcr Liebe und Mitgef\u00fchl. So lie\u00dfe sich auch die zunehmende Entsolidarisierung innerhalb der modernen Gesellschaften und der Werteverfall erkl\u00e4ren, der mehr und mehr um sich zu greifen scheint. Die Ablehnung von Negativit\u00e4t bei Yoga\u00fcbenden w\u00e4re dann damit zu erkl\u00e4ren, dass Yoga\u00fcbende als Anh\u00e4nger multikultureller Praktiken sozusagen die Speerspitze des Mainstream darstellen.<br \/>\nEin m\u00f6gliches drittes Motiv f\u00fcr die fehlende Negativit\u00e4t im Yogabereich w\u00e4re in der psychologischen Tatsache begr\u00fcndet, dass Yoga ein \u00dcbungsweg ist, durch den negative Denkmuster in positive umgewandelt werden sollen oder k\u00f6nnen. Gelingt dieses nicht, so war die \u00dcbungspraxis nicht ausreichend ausgeformt und m\u00fcsste erweitert oder verbessert werden. Auftretende Negativit\u00e4t w\u00e4re damit pers\u00f6nliches Versagen, das entweder versteckt oder sogar verdr\u00e4ngt werden m\u00fcsste, sollte das Selbstwertgef\u00fchl nicht Schaden nehmen.&nbsp; Verst\u00e4rkt wird dieses&nbsp; Motiv durch die weit verbreitete Auslegung der Yogalehre (Bhakti), das negative Gedanken dem \u00dcbungsweg abtr\u00e4glich seien und daher vermieden werden m\u00fcssen. Sie w\u00fcrde faktisch die schlechte&nbsp; Welt erzeugen durch ihr blo\u00dfes Vorhandensein.<br \/>\nDrei Motive, drei Muster, warum der negative Gedanke in der westlichen Yogawelt so selten vertreten ist. Nun gibt es in den Schriften des Yoga durchaus Negativit\u00e4t. H\u00e4ufig zu finden ist zum Beispiel eine Beschreibung, die sich mit den Worten \u201enicht dieses, nicht jenes\u201c verallgemeinern lie\u00dfe. Der Yogi wird darin angehalten, durch Ausschluss des Falschen letztlich das Eine (Richtige) und damit das Gute (Erleuchtung) zu finden. Besonders in der Meditation ist dies nahezu die einzige Methode einer \u00dcbungspraxis. Durch Verbrennen des Karma, also der Vernichtung der negativen Motive in Erinnerung, Erfahrung und Erziehung (Indoktrination, Dressur, Schleier) wird die Seele gereinigt, gel\u00e4utert und befreit.<br \/>\nIn meiner Vorstellung ist die Ablehnung von Negativit\u00e4t weder m\u00f6glich noch sinnvoll. Und diese Ansicht gilt nicht nur f\u00fcr die Zeit mit Yoga, sondern f\u00fcr alle Bereiche des Lebens einschlie\u00dflich Partnerschaft, Familie und Arbeitswelt. Das Negative ist das andere, das nicht ich ist, das ebenso leben m\u00f6chte wie ich, t\u00e4tig sein m\u00f6chte wie ich und frei sein m\u00f6chte wie ich. Und meine Reaktion darauf kann sich nur in zwei Motiven ausdr\u00fccken: Liebe und Toleranz. Geliebt werden kann nur das Andere, und was ich nicht lieben kann muss ich zwangsl\u00e4ufig tolerieren. \u201eTolerare\u201c hei\u00dft ertragen, erdulden, und das sind negativ besetzte Begriffe. Lieben kann ich nur dann, wenn ich den Anderen in mir trage, mich selbst aufgegeben habe und mich durch ihn wiederfinde. Alles andere muss erduldet werden, muss ertragen werden, und so komme ich doch um die Einsicht nicht herum, dass das Negative wie das Positive zu dieser Welt geh\u00f6ren wie Wasser und Luft. Weder die \u00dcbermacht des Einen noch die des Anderen kann das Gleichgewicht bewahren, dass notwendig ist, um auf dieser Welt mit seinen unz\u00e4hligen Bewohnern zu bestehen. Ich selbst stelle mir das vor wie Yin und Yang. Es sind zwei Motive, die eine Polarit\u00e4t bilden, wo das Eine nicht ohne das Andere sein kann. Ohne Negativit\u00e4t ist Positivit\u00e4t nicht m\u00f6glich. Die Forderung, nur noch positiv zu denken und Negatives auszuschlie\u00dfen ist genau so absurd wie ein bisschen leben. Du lebst oder du bist tot? Dazwischen gibt es keinen Raum? Ohne Leben gibt es keinen Tod und ohne den Tod gibt es kein Leben.<br \/>\nWir sollten die Negativit\u00e4t und damit auch die negativ besetzte Emotion nicht ablehnen. Ein erf\u00fclltes Leben braucht beide Seiten. Und auch dann, wenn die Emotion im negativen Gewand erscheint, aggressiv erscheint, k\u00f6nnen wir immer noch&nbsp; \u201etolerare\u201c anwenden, es einfach ertragen. Wer ohne Fehl ist werfe den ersten Stein. Ich f\u00fcrchte, wenn es ehrlich zuginge, werden sich nur einige wenige Werfer einfinden, und die werden bestimmt keine Steine werfen wollen, denn sie sind frei und haben den Weg bereits bew\u00e4ltigt, den viele Andere gerade erst begonnen haben zu gehen. Frei sein hie\u00dfe Steine zu haben, sie aber (\u00fcberwiegend zumindest) liegenlassen zu k\u00f6nnen, anstatt mit ihnen nach Anderen zu werfen. Steine aber g\u00e4nzlich abschaffen zu wollen ist kein gangbarer Weg! Ohne das Spannungsfeld zwischen positiv und negativ gibt es kein Gef\u00e4lle (das Energie erzeugt), keine Emotion und damit auch kein Leben.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F28&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F28&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D28&text=Die%20negative%20Emotion%20und%20Yoga\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D28\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich Menschen heute \u00fcber Yoga unterhalten, spielen Emotionen entweder keine oder eine ausschlie\u00dflich positive Rolle.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":696,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[8],"tags":[9],"class_list":["post-28","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-yoga-und-gesellschaft","tag-negativitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":697,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28\/revisions\/697"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}