{"id":460,"date":"2017-01-03T20:18:07","date_gmt":"2017-01-03T20:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.eu\/?p=460"},"modified":"2017-03-26T08:43:17","modified_gmt":"2017-03-26T08:43:17","slug":"selbstoptimierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=460","title":{"rendered":"Selbstoptimierung"},"content":{"rendered":"<p>Wann immer und wo immer heute Yoga, Meditation und andere Praktiken der Bewusstseinsbildung ge\u00fcbt und verfolgt werden, spielen immer gesellschaftliche und kulturelle Grundeinstellungen des \u00dcbenden eine tragende Rolle und gestalten mit, ohne dass dieses beabsichtigt, erw\u00fcnscht oder gewollt werden konnte. Wenn wir Yoga und Meditation heute aus mitteleurop\u00e4ischer Perspektive wahrnehmen, kommen wir unvermittelt auf einen Begriff, der eine sehr gro\u00dfe Rolle spielen muss: Selbstoptimierung.<\/p>\n<p><!--more-->Was versteht man darunter? Selbstoptimierung ist eine grundlegende Eigenschaft jedes Lebewesens, das \u00fcber eine besondere Art des Lernens sich optimal an eine Umwelt anzupassen sucht, da diese durch die Anwesenheit anderer ebenfalls lernender Wesen sich best\u00e4ndig \u00e4ndert. In der Soziologie kommt dazu noch ein weiterer entscheidender Punkt hinzu, n\u00e4mlich das Menschen nicht nur in einer nat\u00fcrlichen, sondern auch in sozialen und kulturell bestimmten Welten leben und auch hier Anpassungen stattfinden, die aber meist vom Einzelnen nicht immer direkt wahrgenommen werden. Sie sind da und wirken, ob bewusst oder unbewusst erlebt.<br \/>\nDas heute g\u00e4ngigste und auch pr\u00e4senteste Optimierungstool nennt sich Smartphone und ist nicht nur in der Handtasche, sondern meist bereits permanent in der Hand oder griffbereit in Hosentasche oder auf dem Tisch wahrzunehmen. Es verbindet Menschen miteinander, was an und f\u00fcr sich gut ist, aber es fordert auch. Nehmen wir die sozialen Netzwerke und ihr permanenter Zwang zur Pr\u00e4senz. Um mithalten zu k\u00f6nnen, muss gelikt, gepostet und dargestellt werden, muss in Whatsapp gelesen und geantwortet werden, m\u00fcssen Bilder, Beobachtungen und Sp\u00e4\u00dfe erfunden, gesucht oder aufgenommen werden, um diese dann weiter zu verbreiten. Wird dem nicht gefolgt, erfolgt schnell Ausgrenzung und Kontaktverlust. Diese Kommunikationsform ersetzt in weiten Z\u00fcgen mittlerweile das klassische Gespr\u00e4ch oder f\u00fcllt selbiges zu weiten Teilen. Weitere Komponenten geben Inforationen dar\u00fcber zur\u00fcck, wieviel ich mich schon bewegt habe und folgerichtig mich noch bewegen muss, wieviel zu essen ist und welche Nahrungsmittel mir im Ern\u00e4hrungsplan noch fehlen, welche Termine und Events anstehen und was ich sonst noch so alles zu tun habe, um gesellschaftlich, beruflich, gesundheitlich (sportlich) und kulturell mitspielen und mithalten zu k\u00f6nnen. Ich glaube, was gemeint ist wird klar und ich muss das nicht weiter ausmalen. Zus\u00e4tzlich treten Formen im beruflichen Umfeld auf, die eine permanente \u00dcberforderung darstellen, weil auch hier Abl\u00e4ufe, Anforderungen und zu erbringende Arbeitsleitungen durchoptimiert sind, was im Grunde nichts anderes bedeutet als mit &#8222;wenig Personal m\u00f6glichst maximale Auslastung&#8220; zu erzielen. Die Auswirkungen dieser Multibelastung sind \u00dcberforderung, M\u00fcdigkeit, Stress, fehlende Erholungszeiten und folglich Ausbrennen, es treten Konzentrationsst\u00f6rungen und k\u00f6rperliche Angespanntheit auf, Erkrankungen h\u00e4ufen sich und erschweren so die Bew\u00e4ltigung der Anforderungen und so weiter. Wir alle kennen das.<\/p>\n<p>Nun wird sehr h\u00e4ufig die Praxis des Yoga verwendet, um die negativen Auswirkungen der genannten Belastungen abzumildern oder auszugleichen. Das ist durchaus ein begehbarer Weg, aber man muss verstehen, wie weit diese Praxis, die ja auch einen zus\u00e4tzlichen Zeitaufwand fordert, helfen kann und wo das Ma\u00df der M\u00f6glichkeiten \u00fcberschritten wird. Yoga dient unter Anderem auch zur Wahrnehmung und Abmilderung von Belastungen, richtig, aber es kann diese auf hohem Niveau nicht dauerhaft kompensieren. Zur Yogapraxis geh\u00f6rt auch die Ver\u00e4nderung der Lebensgewohnheiten, die Belastungen entstehen lassen. Es geht also nicht, immer weiter zu machen in der gewohnt belastenden Weise und durch regelm\u00e4\u00dfiges Yoga einen Ausgleich erzielen zu wollen. Was in einer solchen Beschreibung fehlt ist die Funktion des Lernens.<br \/>\nUm das ganze Problem in einem Bild nachzustellen, w\u00e4re das so, wie wenn im Keller ein Wasserrohr undicht und der Kellerboden daher dauernd mit Wasser geflutet wird. Man kann nat\u00fcrlich regelm\u00e4\u00dfig sich mit Eimer und Putzlappen bewaffnen und den Boden vom Wasser befreien. Das gelingt \u00fcber einen Zeitraum hinweg durchaus gut, aber der Keller bleibt nass und feucht und wird langfristig immer mehr sowohl dem Haus als auch seinen Bewohnern schaden. Besser w\u00e4re es, das defekte Wasserrohr auszutauschen oder abzudichten, so dass kein weiterer Schaden entstehen kann und der Keller langsam wieder trocken wird.<\/p>\n<p>Es geht im Yoga vor allem Anderen darum, Bewusstsein f\u00fcr das Lebendige zu schaffen. Das hei\u00dft Belastungen ebenso wie Vorz\u00fcge zu erkennen und diese auch konsequent abzubauen und umzusetzen. Besonders \u00fcberfordernde Belastungen m\u00fcssen aus langfristiger Sicht konsequent entfernt werden. In der Phase eines \u00dcbergangs kann Yoga ausgleichen und helfen, richtig, aber es ist keine Praxis, die dauerhalt kompensieren kann. Schon ein gesundes, geordnetes und durchaus stressfreies Leben enth\u00e4lt genug H\u00fcrden, die eine geregelte Yogapraxis erfordern. Nur sind die Motive hier unbedeutender, kleiner und subtiler. Eine aufkeimende Erk\u00e4ltung wird gestoppt, die nahende Pr\u00fcfung erfordert f\u00fcr kurze Zeit mehr Einsatz, kleine Probleme in Familie (mit Kindern, Eltern) und im Beruf treten auf und sind zu bew\u00e4ltigen. Belastungen sind allgegenw\u00e4rtig auch bei sehr gesunder Lebensf\u00fchrung. Hier hilft Yoga, aufrecht und best\u00e4ndig zu bleiben.<\/p>\n<p>So muss die Praxis der Selbstoptimierung aus der Yogaperspektive beschrieben werden und daher sollte sie auch eingebettet sein in das jeweilige Gesundheitssystem (in Indien: Ayurveda). Yoga ist nicht daf\u00fcr gemacht, sich immer weiter schinden und somit immer mehr aus K\u00f6rper und Geist herauspressen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F460&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F460&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D460&text=Selbstoptimierung\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D460\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann immer und wo immer heute Yoga, Meditation und andere Praktiken der Bewusstseinsbildung ge\u00fcbt und verfolgt werden, spielen immer gesellschaftliche und kulturelle Grundeinstellungen des \u00dcbenden eine tragende Rolle und gestalten mit, ohne dass dieses beabsichtigt, erw\u00fcnscht oder gewollt werden konnte. 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