{"id":47,"date":"2016-08-26T16:43:04","date_gmt":"2016-08-26T16:43:04","guid":{"rendered":"http:\/\/hpsperzel.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=43"},"modified":"2018-04-14T16:01:36","modified_gmt":"2018-04-14T16:01:36","slug":"yama-und-niyama-im-wandel-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=47","title":{"rendered":"Yama und Niyama im Wandel der Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Wann immer heute mit Yoga und seinen Techniken begonnen und umgegangen wird, kommt man automatisch mit den Grundlagen dieser Lehre in Ber\u00fchrung und wird mit den Begriffen Yama und Niyama konfrontiert, die einen Verhaltenskodex f\u00fcr \u00dcbende beschreiben: <!--more--><\/p>\n<p>Yama (Kodex gegen\u00fcber der Au\u00dfenwelt):<br \/>\n1. Ahimsa (Nicht-Gewalt) oder die Abwesenheit von Gewalt und Grausamkeit<br \/>\n2. Satya oder Wahrhaftigkeit und Wahrheit<br \/>\n3. Asteya (Nicht-Diebstahl) oder das Verbot zu stehlen<br \/>\n4. Bramacharya (F\u00fchrung zu Gott) oder das Gebot, sich auf das Wesentliche hin zu bewegen<br \/>\n5. Aparigraha (Nicht-Zugreifen) oder das Gebot, sich nicht Bestechen zu lassen.<\/p>\n<p>Niyama (Kodex gegen\u00fcber sich selbst):<br \/>\n1. Shauca (das Gekl\u00e4rte) oder Sauberkeit, Reinheit<br \/>\n2. Santosha oder Gen\u00fcgsamkeit<br \/>\n3. Tapas (Erhitzen) oder den K\u00f6rper funktional zu halten<br \/>\n4. Svathyaya oder die Selbsterforschung<br \/>\n5. Ishvarapranidhara oder die vertrauensvolle Hingabe an Gott.<\/p>\n<p>Beim genauen hinein lesen in die Gebote des Yama wird man feststellen, das diese Gebote f\u00fcr alle Teilnehmer an unserer westlichen Gesellschaft in Gesetzen geregelt und damit f\u00fcr alle bindend sind. Lediglich Wahrhaftigkeit und das Gebot, sich auf das Wesentliche hinzubewegen sind nicht unter Strafe gestellt, werden aber allgemein als Standard angesehen. Auch die Gebote des Niyama k\u00f6nnen allgemein als Verhaltensstandard oder zumindest als w\u00fcnschenswert angesehen und werden, vielleicht mit anderer Begrifflichkeit, auch so von einer Mehrheit gelebt. Weiterhin gibt es vielf\u00e4ltige Versuche, diesen eher als archaisch empfundenen Begriffen neues, aktuelleres Leben einzuhauchen. Diese Versuche, die ich grundlegend durchaus begr\u00fc\u00dfe, scheitern aber in aller Regel, weil die Umformungen und Auslegungen nur Teilbereiche der zu kl\u00e4renden gesellschaftlichen Verhaltensweisen darstellen k\u00f6nnen und zus\u00e4tzlich noch von dogmatischen Lehrmeinungen durchdrungen bleiben. Eindr\u00fcckliche Beispiele daf\u00fcr sind der Vegetarismus (Ahimsa) und die oft gepredigte sexuelle Enthaltsamkeit (Bramacharya), die selbst in Wikipedia Einzug gefunden haben.<\/p>\n<p>Betrachten wir mit ungetr\u00fcbtem Blick die oben genannten Gebote und ber\u00fccksichtigen den Lebensstandard, der in unserem Kulturkreis als allgemein vorausgesetzt gelten kann, ber\u00fccksichtigen wir die religi\u00f6se Freiheit, die unsere Gesetze vorschreiben, so verbleiben unter \u00dcbungsgesichtspunkten:<br \/>\n1. Bramacharya mit dem Gebot, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren<br \/>\n2. Santosha oder die Gen\u00fcgsamkeit<br \/>\n3. Tapas oder das Gebot den K\u00f6rper funktional zu halten<br \/>\n4. Svathyaya als das Gebot der Selbsterforschung<\/p>\n<p>Kurz und in einem Satz zusammengefasst w\u00e4re das eine gen\u00fcgsame, sich auf das Wesentliche auszurichtende Selbsterforschung und Gesunderhaltung (Pr\u00e4vention). Das ist keine allzu au\u00dfergew\u00f6hnliche Aussage, trifft aber im Kern die Voraussetzungen, unter denen die \u00dcbung des Yoga begonnen werden kann. Allerdings stehen heute der Zielsetzung einer Yogapraxis andere Hindernisse im Wege wie den Menschen vor 1000 Jahren. In der nachfolgenden Aufz\u00e4hlung seien solche beispielhaft aufgereiht und verarbeitet:<br \/>\n1. Da ist zun\u00e4chst einmal die Zeitfrage. Eine Yogapraxis verbraucht mind. 2 Stunden an zwei bis drei Tagen einer Woche, wenn alle Module (Asana, Pranayama, Meditation, Selbststudium, Ruhe- und Wirkungszeiten) sinnvoll eingesetzt werden sollen.<br \/>\n2. Da ist die Fragestellung des gro\u00dfen Angebots an Studios, Kursen und Lehrern, die nahezu unz\u00e4hlige Variationen, Arten und Traditionen der Yogalehre (Praxis) anbieten. Nicht jede Form ist f\u00fcr jeden geeignet und oftmals sind es die weniger beliebten Formen, die wirklichen Zugewinn erm\u00f6glichen.<br \/>\n3. Dann ist zu nennen die Gewohnheit des Konsumierens, die auch vor Yoga nicht halt macht. Yoga an sich ist Selbsterforschung oder Arbeit an sich selbst. Mit ein paar \u00dcbungseinheiten unter Anleitung ist es oftmals nicht getan, sondern das Erlernte muss in den Alltag integriert werden.<br \/>\n4. Als gro\u00dfes Hindernis ist der Erkenntnisgewinn zu nennen, der stets Ver\u00e4nderungen des Gewohnten zur Folge hat. Weder das eigene Selbst noch die unmittelbaren Beziehungspersonen m\u00f6gen Ver\u00e4nderungen und der sich Ver\u00e4ndernde steht st\u00e4ndig unter Rechtfertigungszwang sowohl positiver (Ich geben die Gewohnheit auf, weil &#8230;) als auch negativer Art (Ich m\u00f6chte die Gewohnheit aufgeben, aber scheue die Schwierigkeiten, die dieses nach sich ziehen w\u00fcrde, weil &#8230;).<br \/>\n5. Dann w\u00e4ren bei sich einstellender positiver Wirkungen der Stolz und die Missionsneigung zu nennen, die so manchen \u00dcbenden allzu schnell ergreift und die sich oft negativ auf das soziale Umfeld auswirken.<br \/>\n6. Weiterhin ist die Versuchung gro\u00df, sich selbst als Lehrer zu etablieren und vergisst dabei gerne und schnell, das auch das \u00dcben an sich selbst nicht vernachl\u00e4ssigt werden darf.<\/p>\n<p>Somit h\u00e4tte eine zeitgem\u00e4\u00dfe Grundlagenzusammenstellung im Sinne von Yama\/Niyama so etwa nachfolgende Struktur und Umfang:<\/p>\n<p>Yama (Kodex gegen\u00fcber der Au\u00dfenwelt):<br \/>\n1. Konzentriere dich in der Lebensgestaltung auf das Wesentliche. Nicht alles was als modern und hipp gilt f\u00f6rdert dein Leben. Vieles davon ist Selbstbelohnung oder Zerstreuung.<br \/>\n2. Schlie\u00dfe dich nur einer Gruppe an, wenn diese dich auch f\u00f6rdern kann. Findest du keine Gruppe dieser Art, ziehe aus einem wahrgenommenen Unterricht das f\u00fcr dich Richtige heraus und wahre Distanz.<br \/>\n3. Rechtfertige dich nicht f\u00fcr Dinge, die deine Praxis fordert. Es ist dein Leben, deine Zeit und deine Entscheidung.<br \/>\n4. Missioniere nicht und zwinge niemand zur Rechtfertigung. So wie es deine Entscheidung ist, ist es auch die Entscheidung anderer.<br \/>\n5. Nur wenn du auf dich selbst achtest, kannst du anderen helfen.<\/p>\n<p>Niyama (Kodex gegen\u00fcber sich selbst):<br \/>\n1. Mache Gen\u00fcgsamkeit zu einer deiner Grundstimmungen. Esse soviel wie dir gut tut, arbeite soviel wie notwendig und \u00fcbe wenn \u00dcbung gebraucht wird. Ansonsten halte Frieden mit deiner Seele (frei nach einem Sprichwort!).<br \/>\n2. Erhalte deinen K\u00f6rper gesund und verwechsele gesund nicht mit sch\u00f6n! Selten ist ein Sch\u00f6nheitsideal auch gesund. Besonders die Molligkeit ist hier als Beispiel gut geeignet, ist sie doch f\u00fcr viele Menschen nachweislich die ges\u00fcndeste Erscheinungsform. Nicht BMI, sondern \u201esich wohl f\u00fchlen\u201c ist das Ma\u00df der Dinge!<br \/>\n3. Die Selbsterforschung ist die Grundhaltung des \u00dcbens. Nicht jede \u00dcbung gereicht auch jedem zu Wohlbefinden und Gesundheit. W\u00e4hle das f\u00fcr dich Richtige auf der Basis von Selbsterfahrung.<br \/>\n4. Stelle gen\u00fcgend Zeit und Mu\u00dfe zur \u00dcbung und Erholung bereit. Zeit ist Geld, aber Geld ist nicht Gesundheit und nicht Wohlbefinden. Und \u201eErholung\/Yoga to go\u201c ist ein Widerspruch in sich.<br \/>\n5. Konsumiere Yoga nicht! Es kann geschehen, dass du von Zeit zu Zeit eine Pause vom \u00dcben brauchst, denn Neues muss sich auch setzen k\u00f6nnen. Nimm dir diese Zeit. Nicht immer, wenn der Fortschritt ausbleibt, ist mehr desselben die richtige Wahl. Oftmals ist auch weniger mehr.<\/p>\n<p>So in etwa stelle ich mir einen modern gefassten \u00dcbungskodex im Sinne von Yama\/Niyama vor. Die Aufz\u00e4hlung ist bestimmt nicht vollz\u00e4hlig und so mancher mag auch dieses Neugefasste als allgemein selbstverst\u00e4ndlich betrachten. So wie Gesetze einer Gesellschaft tausende Seiten f\u00fcllen, passt die Grundlage eines \u00dcbungswegs auch nicht in zehn Gebote. Allerdings sollte man sich immer mal wieder an die Gegebenheiten seiner Zeit erinnern. Alte, nicht mehr gebr\u00e4uchliche Formen und Gebote sollten \u00fcber Bord geworfen und neue Probleme oder Schwierigkeiten sollten benannt werden. Entwicklung ist eine Eigenart des Lebens als auch seiner Systeme (Yoga).<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F47&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F47&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D47&text=Yama%20und%20Niyama%20im%20Wandel%20der%20Zeit\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D47\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann immer heute mit Yoga und seinen Techniken begonnen und umgegangen wird, kommt man automatisch mit den Grundlagen dieser Lehre in Ber\u00fchrung<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":649,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[7,15,17],"tags":[118,79,119,117],"class_list":["post-47","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erlaeuterungen","category-philosophie-und-spiritualitat","category-schlagworte","tag-niyama","tag-patanjali","tag-yama","tag-yoga"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":404,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47\/revisions\/404"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}