{"id":520,"date":"2017-03-26T08:37:36","date_gmt":"2017-03-26T08:37:36","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=520"},"modified":"2017-03-26T08:56:38","modified_gmt":"2017-03-26T08:56:38","slug":"spiritualitaet-ist-ein-fragendes-fortschreiten-in-die-ungewissheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=520","title":{"rendered":"Spiritualit\u00e4t ist ein fragendes Fortschreiten in die Ungewissheit"},"content":{"rendered":"<p>Wo immer der Mensch an seinem In-Der-Welt-Sein arbeitet, also etwas zu regeln, zu ver\u00e4ndern, zu berichtigen oder zu erweitern sucht, wird er mit den Grundfragen des Lebens konfrontiert, und die hei\u00dfen erstens \u201ewozu\/warum\/wof\u00fcr das alles?\u201c und anderseits \u201ewas\/wer bin ich?\u201c. Diese Fragen, der sich jeder Mensch in seinem Leben irgendwann stellen m\u00fcsste, um befriedet alt werden zu k\u00f6nnen, sind so oft diskutiert und unterschiedlich beantwortet worden wie keine anderen Fragen, dreht sich doch die Philosophie, Theologie, Psychologie und Soziologie im Grunde um nichts anderes als um das.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sehr unterschiedlich sind die Perspektiven, Vorgehensweisen und Ausgangsbeschreibungen f\u00fcr die Behandlung dieser Fragen, und wir m\u00fcssen, wenn wir in der Reflektion erfolgreich bestehen wollen, uns immer wieder fragen, ob die Wahl, die wir zu Beginn daf\u00fcr getroffen haben, ausreichend und zielf\u00fchrend war. Meine Ansicht dazu ist die, das wir uns niemals richtig f\u00fcr einen Ausgangspunkt entscheiden k\u00f6nnen und daher aufgefordert sind, immer wieder neu zu beginnen, immer wieder neue Perspektiven zu suchen. Im Grunde f\u00fchrt erst das Scheitern und Neubeginnen zu Erfahrung und damit zu der Sicherheit, die durch stetige Wiederholung die Angst vor dem n\u00e4chsten Scheitern auf ein Minimum reduziert. Diese minimale Angst, man k\u00f6nnte sie auch Lampenfieber nennen, ist dann die Spannung, die ein erf\u00fclltes und gelassenes Leben erm\u00f6glicht und zu Freude f\u00fchrt, Freude am lebendig sein, Freude am Leben selbst.<\/p>\n<p>Philosophie und Theologie besch\u00e4ftigen sich seit 2500 Jahren und mehr mit diesen Fragen und haben sehr reichhaltige Antworten hervorgebracht, die letztlich immer, wenn sie von den M\u00e4chtigen der Welt vertreten wurden, zur Grundlage einer Gesellschaftsform weitergeformt wurden. Beherrschten in fr\u00fcheren Jahrhunderten \u00fcberwiegend Religionen diese Gestaltungsebene, so herrschen heute Wirtschaftsstrukturen und Weltanschauungen. Drei davon sind heute f\u00fcr unser Leben wichtig. Sie sind bekannt als Positivismus, Idealismus und Lebensphilosophie. Diese drei bilden den Kern der m\u00f6glichen Anschauungen in der westlich gepr\u00e4gten Welt.<\/p>\n<p>Der <strong>Positivismus<\/strong> ist eine Richtung in der Philosophie, die fordert, Erkenntnis auf die Interpretation von \u201epositiven\u201c Befunden, Mathematik oder Logik zu beschr\u00e4nken, also solchen, die im Experiment unter vorab definierten Bedingungen einen erwarteten Nachweis erbringen. [soweit ein Eintrag in Wikipedia.org\/wiki\/Positivismus]<\/p>\n<p><strong>Idealismus<\/strong> bezeichnet unterschiedliche Str\u00f6mungen und Einzelpositionen, die hervorheben, dass die Wirklichkeit in radikaler Weise durch Erkenntnis und Denken bestimmt ist bzw. dass Ideen bzw. Ideelles die Fundamente von Wirklichkeit, Wissen und Moral ausmachen. [soweit ein Eintrag in Wikipedia.org\/wiki\/Idealismus]<\/p>\n<p><strong>Lebensphilosophie<\/strong> ist eine Str\u00f6mung der Philosophie, die als Gegenentwurf zu einseitiger Betonung der Rationalit\u00e4t nach Art der Naturwissenschaften das Werden des Lebens, insbesondere seine Ganzheitlichkeit allein mit Begriffen und Logik nur unzureichend erfassen und beschreiben w\u00fcrden. Zu einem umgreifenden Leben geh\u00f6rten ebenso nicht rationale, kreative und dynamische Elemente. [soweit ein Eintrag in Wikipedia.org\/wiki\/Lebens-philosophie]<\/p>\n<p>Wenn wir uns diese drei Str\u00f6mungen genauer ansehen werden wir feststellen, dass alle drei in unserem Leben eine Rolle spielen, obwohl sie sich grundlegend widersprechen. Der Positivismus, der dem Materialismus nahesteht und beweisbare, belegbare Nachweise einfordert, bestimmt unsere praktische und wirtschaftliche Lebensweise mit einer Ausnahme, n\u00e4mlich einer Ausrichtung auf den freien Markt, der als Grundidee eine idealistische Vorstellung vertritt. Moralisch f\u00fchlen wir uns \u00fcberwiegend ebenfalls dem Idealismus verpflichtet, zu leben und anzuwenden pflegen wir aber eine mehr positivistische Sichtweise, was im Grunde einer L\u00fcge gleichkommt. Bei Gestaltung und Ausf\u00fcllung des pers\u00f6nlichen Lebensinhaltes greifen wir dann gerne auch auf lebensphilosophische Ansichten zur\u00fcck, weil die Befriedung der Triebe und die F\u00e4higkeit zur Intuition so attraktiv sind. In der Summe ist unser In-Der-Welt-Sein von einer subjektiven Auswahl aus diesen drei M\u00f6glichkeiten gepr\u00e4gt, wobei wir bei der Wahl im Grunde stets egozentrisch den eigenen Vorteil in den Mittelpunkt stellen. Wir w\u00e4hlen also einfach gesagt stets die Sichtweise, die uns am bequemsten erscheint.<\/p>\n<p>Mit <strong>Yoga und Meditation<\/strong> arbeiten wir neben der Herstellung von k\u00f6rperlicher Gesundheit und Kraft auch an den zwei Fragen, die eingangs so einfach in den Raum gestellt wurden. Um hier aber Perspektiven finden zu k\u00f6nnen, in denen ein \u00dcben (was immer auch ein Scheitern-K\u00f6nnen beinhaltet) stattfinden kann, m\u00fcssen wir uns unserer Position bewusst werden, aus der heraus wir jetzt beginnen. Wir m\u00fcssen sehen, dass wir uns in Denken und Handeln in Konstruktionen der Wirklichkeit bewegen, die von Ausstattung und Handhabung her nicht von uns selbst stammen k\u00f6nnen, sondern Produkte von wissenschaftlich arbeitenden Disziplinen sind. Diese als Denkstruktur zu verwenden verhindert eine realistische Positionserfahrung, denn Wissenschaft lebt von Verifikationen (einerseits belegbare, messbare und wiederholbaren Gesetze, andererseits Theorien, wo etwas belegbares nur begrenzt m\u00f6glich ist) Ohne eine Position k\u00f6nnen wir aber nicht beginnen, an uns selbst zu arbeiten. In der allt\u00e4glichen Lebensbew\u00e4ltigung m\u00f6gen allgemeine Gesetze und \u00fcberzeugende Theorien zwar angenehm und n\u00fctzlich erscheinen, f\u00fcr die Arbeit am Selbst allerdings bedarf es wesentlich mehr Klarheit und Ehrlichkeit. Man kann Bequemlichkeiten nicht abstellen, wenn man sie nicht wahrnimmt. Man kann Vorurteile nicht erkennen, wenn man sie nicht in Frage stellt. Man kann Praktiken und \u00dcbungen nicht beurteilen, wenn man sie nicht erprobt und durchlitten hat. Man kann Fragen nicht so beantworten, weil scheinbar alle sie so zu beantworten pflegen. Man kann nicht so handeln, weil alle so handeln. Man kann nicht zur Wahrheit vordringen, wenn man Anschauungen und Dogmen glaubt und sie unhinterfragt gew\u00e4hren l\u00e4sst. Was wir tun m\u00fcssen, um voranzukommen, ist selbst Fragen stellen. Nicht die Antworten, sondern die Fragen sind entscheidend, nicht das Wissen (das meist von anderen stammt), sondern die Erfahrung ist wichtig. Und daf\u00fcr m\u00fcssen wir zumindest uns selbst gegen\u00fcber ehrlich sein. Ehrlich sein bedeutet in diesem Sinne, unsere wahre Kondition zu erkennen, uns nicht weiter selbst zu bel\u00fcgen. Was wir k\u00f6nnen muss uns bewusst sein, was wir nicht k\u00f6nnen ebenfalls. Was wir k\u00f6nnen ist dauerhaft zu erhalten, was nicht gekonnt wird ist zu \u00fcben, um es verf\u00fcgbar zu machen. \u00dcben bedeutet auch immer ein Scheitern-K\u00f6nnen zu riskieren, und daf\u00fcr sind Mut und Selbstvertrauen wichtige Eigenschaften. Diese beiden Eigenschaften werden im Zirkelschluss genau durch stetes \u00dcben erarbeitet. Das erfordert Ausdauer\u00a0 und manchmal auch Leidensf\u00e4higkeit, vor allem aber erfordert es, gegen den inneren Widersacher anzuk\u00e4mpfen. In meiner Vorstellung kann man nicht zu einer Ver\u00e4nderung vordringen, ohne jetzt eine Position zu haben und diese mit Mut und Ausdauer auch wieder verlassen zu wollen. Spiritualit\u00e4t (das ist die immerw\u00e4hrende Suche nach der Antwort auf die beiden Fragen) ist daher ein Fortschreiten in die Ungewissheit.<\/p>\n<p>Fragen zu stellen erm\u00f6glicht sich zu entwickeln, sich weiter zu bewegen.\u00a0 Fertige Antworten zu haben erzeugt immer nur Stillstand.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F520&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F520&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D520&text=Spiritualit%C3%A4t%20ist%20ein%20fragendes%20Fortschreiten%20in%20die%20Ungewissheit\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D520\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo immer der Mensch an seinem In-Der-Welt-Sein arbeitet, also etwas zu regeln, zu ver\u00e4ndern, zu berichtigen oder zu erweitern sucht, wird er mit den Grundfragen des Lebens konfrontiert, und die hei\u00dfen erstens \u201ewozu\/warum\/wof\u00fcr das alles?\u201c und anderseits \u201ewas\/wer bin ich?\u201c. 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