{"id":548,"date":"2017-05-19T12:52:52","date_gmt":"2017-05-19T12:52:52","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=548"},"modified":"2017-05-19T12:52:52","modified_gmt":"2017-05-19T12:52:52","slug":"die-segmentierte-lebenswelt-als-werkzeug-der-praxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=548","title":{"rendered":"Die segmentierte Lebenswelt als Werkzeug der Praxis"},"content":{"rendered":"<p>In den modernen Wissenschaften werden Menschenbilder, was so viel hei\u00dft wie sich der Mensch als Wesen in der Welt (Planet), in einer Gesellschaft (Kultur) und in seiner Selbstansicht (Selbstkonzept, Ideal, Weltanschauung) einordnet oder von au\u00dfen betrachtet eingeordnet wird, in verschiedenen Disziplinen oder Unterdisziplinen behandelt und somit in Bruchst\u00fccken, sowohl in den Beschreibungen als auch in den g\u00fcltigen Paradigmen, beschrieben. Trotzdem sind sowohl subjektive und objektive Sichtweisen als auch die animalischen (k\u00f6rperlichen) Befindlichkeiten und Bed\u00fcrfnisse nicht einwandfrei zu trennen, sind \u00dcberschneidungen sichtbar, die wiederum in Unterdisziplinen (zB. Sozialpsychologie, Arbeitspsychologie, Organisationspsychologie, Betriebspsychologie, P\u00e4dagogische Psychologie, Erziehung, Gesundheitspsychologie und Psychotherapie) behandelt werden und daher ein weiteres System der Erkl\u00e4rungen produzieren. Mit den Einzelformen entstehen jeweils Wordings, die dann auch noch kunterbunt durchmischt fremdverwendet werden. Diese ganze Systematik, vereinzelt und in Schubladen organisiert, ist unscharf und daher f\u00fcr den allgemeinen Gebrauch vollkommen unbrauchbar. So taugt das Freud\u2018sche Konzept von \u00dcberich, Ich und Es zwar als Bild innerhalb einer Therapie, aber leider nicht mehr f\u00fcr eine Beschreibung der Grundlagen einer gesellschaftlichen Sichtweise oder gar einer Motivationsanalyse. Wir brauchen aber in einer immer komplizierteren Welt eine Matrix, um Beschreibungen und Erkl\u00e4rungen kommunizieren zu k\u00f6nnen.<!--more--><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte daher ein relativ einfaches Modell vorschlagen, das den Menschen in seiner Lebenswirklichkeit beschreibt, R\u00fcckschl\u00fcsse erlaubt und die F\u00e4higkeit besitzt, ohne gro\u00dfen Aufwand eine beschreibungsf\u00e4hige Ansicht zu konstruieren, mit dem gesellschaftliche Ph\u00e4nomene ins Bild gesetzt werden k\u00f6nnen, ohne ein langj\u00e4hriges Psychologiestudium vorauszusetzen. Ich m\u00f6chte daf\u00fcr die Lebenswelt des allgemeinen Menschen in drei ineinander verzahnte Segmente aufteilen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Zur animalischen Welt<\/strong> geh\u00f6ren alle Bed\u00fcrfnisse und Voraussetzungen, die ein Leben auf diesem Planeten sicherstellen. Dazu geh\u00f6ren die Aspekte Nahrung, Atmung, Fortpflanzung und Sicherheit.<\/li>\n<li><strong>Zur kulturellen Einbettung<\/strong> geh\u00f6ren alle Aspekte, die im Zusammenwirken zwischen Menschen untereinander und die zwischen Mensch und Umwelt notwendig und sinnvoll sind und die, sofern sie beachtet w\u00fcrden, vor einer Bedrohung der animalischen Erf\u00fcllung bewahren k\u00f6nnten.<\/li>\n<li><strong>Selbstkonzepte:<\/strong> Hierzu geh\u00f6ren Ideale, Werte und Selbstbilder, die ein Mensch f\u00fcr sich selbst entscheidet und verfolgt. Als Beispiele k\u00f6nnen dienen das Aus\u00fcben-Wollen von Macht, das sich Einordnen- und Unterordnen-Wollen in Konzepte des Zusammenlebens oder auch einfach nur das Bild, das jeder von sich selbst hat.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Jeder Mensch befindet sich mehr oder weniger in jedem der Segmente wieder. Diese bilden zusammen ein Geflecht, das im Idealfall auf einem individuellen Gleichgewichtszustand aus Motiven dieser Segmente beruht. Wird das Gleichgewicht gest\u00f6rt, versucht die Lebenswelt aus den noch vorhandenen Inhalten einen neuen Gleichgewichtszustand zu formen. Dieses gelingt im allt\u00e4glichen kleinen Bereich normalerweise recht gut, bei Superst\u00f6rungen wie Pubert\u00e4t, Trennung oder Jobver\u00e4nderungen kann es aber zu Zeiten kommen, in denen das Gleichgewicht erheblich ver\u00e4ndert wird und nur noch unter offensichtlichen Einschr\u00e4nkungen getragen werden kann. Krankheit (animalisch), Depression (selbst) und Aggression (Kultur) sind Beispiele solcher Einschr\u00e4nkungen, die ganz \u00fcberwiegend einem der gro\u00dfen Segmente zugeordnet werden k\u00f6nnen. Neben Einschr\u00e4nkungen treten auch \u00dcbersteigerungen auf, wie sie vom Narzissmus (selbst), k\u00f6rperlicher Selbstoptimierung (animalisch) oder blinder Fankultur bekannt sind. Des Weiteren gibt es Mischformen, die wesentlich schwieriger und meist nur beispielhaft zu beschreiben sind. Und es gibt auch noch das Motiv der Beschr\u00e4nkung des gesamten Lebensgef\u00fcges, weil Segmentanteile nur noch in der Verkleinerung aller zu einem Gleichgewicht gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nun sehe ich es nicht als Aufgabe an, hier eine Katalogisierung zu versuchen und alle m\u00f6glichen Krankheiten in Segmenten, Unter-, Teil- und Mischsegmenten unterzubringen. Viel wichtiger erscheint mir die Fragestellung, wie aus einer erkannten St\u00f6rung \u00fcber die Zuordnung von Einschr\u00e4nkung und \u00dcbersteigerung ein Ausgangspunkt gefunden werden kann, von dem aus Patient und Arzt, Patient und Analytiker oder Teilnehmer und Lehrer gemeinsam in eine vermeintlich stabilere Konfiguration aufbrechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da ich weder Arzt noch Analytiker, sondern nur als Yogalehrer t\u00e4tig bin, kann ich nur aus dieser Sicht fortfahren. Im Yoga steht mir mit Asana, Pranayama und Meditation eine \u00dcbungspraxis zur Verf\u00fcgung, die f\u00fcr die Ausbildung eines neuen und dauerhaft stabilen Gleichgewichtszustandes hilfreich sein kann. Erg\u00e4nzend dazu bekomme ich mit philosophisch begr\u00fcndeten Fragestellungen einen guten Zugang zum kulturellen Segment, so dass alle Bereiche zumindest mit Arbeitsformen abgedeckt sind. Den Rahmen zu einer gemeinsamen Arbeit bilden Einzelstunden und\/oder -gespr\u00e4che vor oder nach Gruppenstunden. Darin entscheidet sich, ob und in welcher Form Hilfestellungen meinerseits erfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So ist offensichtlich, dass unfallbedingte Einschr\u00e4nkungen, stressbedingte St\u00f6rungen und Selbstwertst\u00f6rungen nicht in ein und derselben Weise angegangen werden k\u00f6nnen. Auch fordern Einschr\u00e4nkungen fast immer Aufbauarbeit, \u00dcbersteigerungen aber in der Mehrzahl Abbauarbeit. H\u00e4ufig spielt Angst eine Rolle, spielen die gesellschaftliche Position und\u00a0 Zugeh\u00f6rigkeit mit in ein Selbstbild hinein oder ist der Wille die entscheidende Kraft, die gest\u00e4rkt oder gebremst werden muss. Immer aber ist wichtig, einen stabilen Ausgangspunkt zu finden und von dort eine Richtung und Intension zu bestimmen, die zu einer Ver\u00e4nderung f\u00fchren kann. Dazu sind die Segmente der Lebenswelt in der vorliegenden Form eine gro\u00dfe Hilfe.<\/p>\n<p>Exkurs: Ganz neu ist das Konzept ja auch nicht, da im Yoga mit Asana, Pranayama und Meditation die \u00dcbungsformen und mit Yama und Niyama ein kulturelles Segment, sprich eine philosophische Einbindung schon gegeben ist, nur das die zugrunde gelegte Kultur nicht der unsrigen entspricht.<br \/>\nIn einer pluralistischen Welt mit unz\u00e4hligen Erscheinungen gen\u00fcgt die Beschreibung von vereinzelten \u00dcbungsformen aus meiner Sichtweise allein nicht. Es muss auch differenziert werden, in welcher Weise welche \u00dcbung zu wirken in der Lage ist. Und es muss die M\u00f6glichkeit geben, \u00dcbungsformen und \u00dcbungen so zu kombinieren, das eine zielf\u00fchrende Praxis erreicht wird. Die Mittel dazu sind Erfahrung, Selbsterfahrung, eigene Praxis und Reflektion und die Umsetzung in \u00dcbungsabfolgen und -abl\u00e4ufen f\u00fcr sich und andere.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F548&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F548&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D548&text=Die%20segmentierte%20Lebenswelt%20als%20Werkzeug%20der%20Praxis\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D548\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese ganze Systematik, vereinzelt und in Schubladen organisiert, ist unscharf und daher f\u00fcr den allgemeinen Gebrauch vollkommen unbrauchbar. 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