{"id":567,"date":"2017-07-16T12:04:34","date_gmt":"2017-07-16T12:04:34","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=567"},"modified":"2017-07-16T12:04:34","modified_gmt":"2017-07-16T12:04:34","slug":"der-karma-gedanke-in-der-verdraengung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=567","title":{"rendered":"Der Karma-Gedanke in der Verdr\u00e4ngung"},"content":{"rendered":"<p>Die Idee vom Karma, wie sie allgemein \u00fcblich vertreten wird, ist etwa folgende: Wenn du im Leben gutes tust, dann wirst du daf\u00fcr belohnt, wenn du b\u00f6ses tust, dann wirst du daf\u00fcr bestraft. Und damit all das auch in aller Gerechtigkeit von statten geht, sitzt da irgendwo ein allm\u00e4chtiger Buchhalter und macht Kreuze und Stiche, f\u00fchrt also ein Konto \u00fcber seine Sch\u00e4fchen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Nun ist das ja alles sch\u00f6n und gut, aber &#8230; ich bin ein Vedantin, das hei\u00dft, ich glaube nicht an einen von mir getrennten Gott irgendwo, sondern&#8230; und da f\u00e4ngt es schon an, schwierig zu werden. Und bei aller Suche im Innen und Au\u00dfen habe ich den Buchhalter noch immer nicht gefunden. Irgendetwas an dieser einfachen Sichtweise ist falsch, und ich m\u00f6chte in ein paar Beispielen zu begr\u00fcnden versuchen, warum das so nicht stimmen kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Wenn es einen allm\u00e4chtigen Gott gibt, warum degradiert er\/sie\/es sich zu einem Buchhalter. Warum f\u00fchrt er Buch \u00fcber Gut und Schlecht, wo er doch bestimmen k\u00f6nnte, was geschieht. Warum gestattet er seinen Sch\u00e4fchen S\u00fcnden, um sie dann zu bestrafen. Ist er vielleicht doch ein Sadist?<\/li>\n<li>Warum darf Arjuna in der Gita morden, ohne schlechtes Karma aufzubauen, w\u00e4hrend seine Gegner in der gleichen Schlacht verdammt werden? Warum macht der allm\u00e4chtige Krishna dem grausamen Spiel nicht gleich ein Ende?<\/li>\n<li>Wie kommt es, das Gut und Schlecht sich im Laufe der letzten tausend Jahren immer wieder wandeln konnten. Was heute Gut ist, kann morgen schlecht sein und der Erfolg: heute gutes Karma, morgen schlechtes? Und das soll ein kosmisches Gesetz sein?<\/li>\n<li>Wie wir aus den Yoga-Sutren lesen k\u00f6nnen, sind Zuneigung und Abneigung gleicherma\u00dfen zu meiden. Sind wir also dem Guten zugeneigt, ist das Schlecht, sind wir dem Schlechten zugeneigt, ist das auch schlecht. Was nun?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste dieser Fragestellungen k\u00f6nnte noch viele Seiten f\u00fcllen. Aber es sollte klar geworden sein, das sich etwas in dieser Denke einfach nicht zusammen reimt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier einen anderen Ansatz vorstellen. Dieser Ansatz ist ein bisschen weniger einfach, aber doch etwas weniger mit Fragen behaftet. Zun\u00e4chst sind ein paar Leitgedanken festzuhalten, die mittlerweile, wo die Kulturen sich vermischen und ber\u00fchren, allgemein anerkannt sind:<\/p>\n<p><strong>Gut und schlecht sind festgef\u00fcgte Formen der Konvention.<\/strong><\/p>\n<p>Das bedeutet, das in der einer Konvention (Kultur) etwas gut sein kann, was in einer anderen als schlecht betrachtet wird. Und Konventionen sind \u00fcberwiegend unbewusste Steuerungsmechanismen, Bedingtheiten, \u00fcber die wir selten reflektieren.<\/p>\n<p><strong>Der Mensch ist ein psychologisch bedingtes Wesen<\/strong><\/p>\n<p>Der Mensch unserer Zeit ist viel mehr als bedingt anzusehen, als dies je in einer Zeit zu Bewusstsein gekommen sein kann. Und Bewusstsein, so wie wir es \u00fcblicherweise verstehen, ist nur ein kleiner Teil unseres Wesens, der \u00fcber einem riesigen unbewussten Eisberg herausragt. Regiert wird der Mensch aber vom Ganzen, und so wei\u00df er nur wenig \u00fcber seine wahren Motive und Hintergr\u00fcnde.<\/p>\n<p><strong>Der Mensch ist eine Einheit aus K\u00f6rper, Geist und Seele<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen es nicht wahrhaben, aber der Mensch ist Mensch nur als Ganzes. Wir essen nicht mit dem K\u00f6rper, denken mit dem Geist und lieben aus unserer Seele heraus, sondern alle drei, die niemals getrennt waren, essen, denken und lieben gleicherma\u00dfen. Sie sind eins, nicht drei!<\/p>\n<p><strong>Alles ist Energie und gehorcht daher energetischen Prinzipien<\/strong><\/p>\n<p>Gleichg\u00fcltig, ob Gedanke, Handlung, Gef\u00fchl, Wahrnehmung oder Stimmung, alles das ist Energie und gehorcht daher auch den Prinzipien, die f\u00fcr Energie allgemein gefunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn wir diese vier S\u00e4tze akzeptieren, und das sollte uns nicht schwer fallen, dann kann ein Karma-Gedanken geformt werden, der sehr viel klarer und genauer beschreibt, wie Karma wirkt und existiert.<\/p>\n<p>Mit einem Beispiel l\u00e4sst sich dies sehr anschaulich beschreiben:<\/p>\n<p>Einem Bekannten geschieht ein Missgeschick, und durch dieses werde ich verletzt, gekr\u00e4nkt oder beleidigt und in mir baut sich eine Energie auf, die wir als Wut bezeichnen und die gegen den vermeintlichen Verursacher der Kr\u00e4nkung gerichtet ist, der damit in mir diese Wut provoziert hat. Er tr\u00e4gt damit Schuld und baut schlechtes Karma f\u00fcr sich auf. Aber auch ich baue schlechtes Karma auf, denn ich fr\u00f6ne einer Wut, die gesellschaftlich verp\u00f6nt ist. Dumm gelaufen, sagt man dann dazu. Aber dieser allgemein anerkannte Gedanke ist falsch! Nachfolgend will ich versuchen, dies zu erl\u00e4utern:<\/p>\n<p><u>Das Missgeschick<\/u>: Missgeschicke durchziehen unser t\u00e4gliches Leben wie die Luft, die wir zum Atmen brauchen. Aus ihnen entsteht Kummer und Leid ebenso wie manche Freude und Gl\u00fcck. Es ist eine Frage des Bewusstseins, dies zu erkennen und zu akzeptieren. Es h\u00e4tte besser laufen k\u00f6nnen, ja, ist es aber nicht. Ist der, dem daher ein Missgeschick geschieht, schuldig? In aller Regel kennt die Konvention daf\u00fcr eine einfache Regelung: Man entschuldigt sich und gut ist es!<\/p>\n<p><u>Die Kr\u00e4nkung: <\/u>Eine Kr\u00e4nkung wird uns nicht von au\u00dfen zugef\u00fchrt, sondern sie entsteht in uns selbst. Sie ist damit eine Energie, die aus uns selbst entsteht, in uns wirkt und in uns vergeht. Sie ist also salopp gesagt etwas \u201ewas uns geh\u00f6rt\u201c, von uns gebildet wird, gelebt wird und auch wieder abgetragen wird. Kein Au\u00dfenstehender vermag uns dieses an zu tun, wenn wir es nicht selbst wollten oder unbewusst vollziehen. Eine wahrgenommene Kr\u00e4nkung, einmal genauer betrachtet, ist eine Differenz zwischen unserem Selbstbild und einer Wahrnehmung, die diesem widerspricht. Sie ist damit etwas eigenes. F\u00fcgt mir also jemand eine Kr\u00e4nkung zu, so ist der Ausdruck oder Handlung des Anderen mit unserem Selbstbild nicht vereinbar. Das k\u00f6nnte uns kalt lassen, nicht bewegen oder aber zu Erl\u00e4uterung und \u00d6ffnung einladen, aber kr\u00e4nken?<\/p>\n<p><u>Die Wut:<\/u> Mit der Wut verh\u00e4lt es sich wie mit der Kr\u00e4nkung, sie ist eine eigene Energie und dies sogar vollkommen. Und sie nur ist eine der m\u00f6glichen Ausdrucksformen einer Kr\u00e4nkung (ist etwas, was krank macht!). Auch Trauer, Depression oder Zorn k\u00f6nnte Kr\u00e4nkung ausdr\u00fccken. Sie ist eine Energie, die Raum braucht und gelebt werden will. Sie muss nicht zwangsl\u00e4ufig ausgedr\u00fcckt werden oder in Handlung m\u00fcnden. Ob und wie dies geschieht, ist eine Frage der Bewusstheit und Selbstanschauung!<\/p>\n<p>Setzt ich diese Beschreibungen klar und pr\u00e4zise um, so entsteht aus der kr\u00e4nkenden Situation folgendes reales Bild:<\/p>\n<p>Da gibt es einen Menschen, der mich anders sieht, als ich dies w\u00fcnsche, und ich sollte mich jetzt fragen, welches dieser beiden Bilder denn der Wirklichkeit n\u00e4her steht. Um dies heraus zu finden, bedarf es der Kommunikation mit dem Anderen. Geschieht dieses, so kann die Situation nicht nur gerettet werden, sondern durch die Auseinandersetzung erreiche ich einen Zuwachs an Erkenntnis.<\/p>\n<p>Ist dies allerdings nicht m\u00f6glich (auch andere Menschen sind manchmal gekr\u00e4nkt!) und Wut steigt in mir auf, erkenne ich diese Energie als meine eigene und gebe ihr Raum, ohne sie mehr als notwendig auszudr\u00fccken oder in Handlung flie\u00dfen zu lassen. Die dazu notwendige Aufmerksamkeit muss ich einbringen. Sie ist notwendig, um den Automatismus des \u201ein Handlung fliesen\u201c zu steuern. Alles weitere regelt sich! So baue ich auch kein schlechtes Karma auf, denn die Energie lebt und verwandelt sich durch unsere Aufmerksamkeit in Lebensenergie, die uns eher bereichert als beengt! Unterdr\u00fcckte Energie jedoch w\u00fcrde im Geheimen ihre Kraft entfalten, die nur durch weitere Energie (Lebensenergie) gebunden werden kann. Ich habe nicht nur den schlechten Einfluss zu kompensieren, sondern muss auch noch einen zus\u00e4tzlichen Bedarf decken. Schlechtes Karma baut sich ebenfalls auf, wenn in dieser Situation projiziert wird (der Andere ist schuld&#8230;), die Situation eskaliert und ich mir einen neuen Feind schaffe, der sich revanchieren wird. So fiele die Aggression meinerseits auch wieder auf mich zur\u00fcck!<\/p>\n<h3>Der Versuch einer allgemein g\u00fcltigen Formulierung?<\/h3>\n<p>Karma ist nicht die sehr einfache und logische Funktion des \u201ewenn&#8230;, dann&#8230;\u201c, sondern ein lebendiger Begriff von tiefer psychologischer Bedeutung. Es ist nicht etwas, was von au\u00dfen mir aufgezwungen ist und damit unabwendbar erscheint, sondern eine tief in mir wurzelnde und mit meinem \u201ein der Welt sein\u201c verbundene lebendige F\u00e4higkeit des eigenen Wesens. Von daher ist es beeinflussbar, steuerbar und folglich auch vermeidbar. Einzige Bedingungen daf\u00fcr ist sind Verstehen ihres Wirkens, der Einblick in die Natur ihrer Vernetzungseigenschaften und die F\u00e4higkeiten, bewusst mit all diesem umzugehen. Das h\u00f6rt sich einfach an, ist es aber nicht wirklich!<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcsselbegriff der F\u00e4higkeit, mit Karma umzugehen, ist <u>Bewusstheit<\/u>! Dieses bedeutet zu wissen, was in mir vorgeht, warum dies geschieht und wie ich das Geschehen beeinflussen kann oder zumindest k\u00f6nnte. Dazu geh\u00f6rt weiterhin, meine Grenzen zu kennen und diese zu beachten. Bewusst zu sein ist keine dem Willensakt unterworfene F\u00e4higkeit, sondern ein lebendiger und vitaler Wesenszug, der gepflegt und zugelassen sein muss. Das hei\u00dft zur\u00fcckzugehen zu den Wurzeln des Lebensbaumes, ohne die frischen Triebe in der Baumspitze zu verlieren, also ein Spagat der besonderen Art.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schl\u00fcssel zum Karma ist die Kenntnis <u>um die Art und Weise seines Wirkens<\/u>. Dies ist umso wichtiger, als das Karma nicht diesen gradlinigen, linearen Denkweisen folgt, die wir ihm gew\u00f6hnlich zugrunde legen. Legen wir eine energetische Auffassung als Grund unter die Begrifflichkeit, so ist Karma der Ausdruck eines inneren Prozesses, der je nach Verfassung des tragenden Menschen bewusst oder unbewusst abl\u00e4uft und der wie ein Energieanstieg betrachtet werden kann. Energie ist die sowohl die F\u00e4higkeit zu handeln als auch die F\u00e4higkeit wahrzunehmen. Sie ist unspezifisch und nicht vorgepr\u00e4gt als Wut, Trauer oder Zorn, sondern ist neutral und weder gut noch schlecht, sondern kann einfach als Ausdruck des Lebendigen betrachtet werden. Wie eine sich aufbauende Energie sich ausdr\u00fcckt, ist abh\u00e4ngig von der Art unserer Konditionierung, also Konvention, Erfahrung und Kultur. Diese drei sind gegen\u00fcber der aktiven Willens\u00e4u\u00dferung eines bewussten Menschen formbar und daher auch ver\u00e4nderbar.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F567&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F567&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D567&text=Der%20Karma-Gedanke%20in%20der%20Verdr%C3%A4ngung\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D567\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Idee vom Karma, wie sie allgemein \u00fcblich vertreten wird, ist etwa folgende: Wenn du im Leben gutes tust, dann wirst du daf\u00fcr belohnt, wenn du b\u00f6ses tust, dann wirst du daf\u00fcr bestraft. 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