{"id":592,"date":"2017-12-15T18:44:00","date_gmt":"2017-12-15T18:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=592"},"modified":"2017-12-15T18:48:48","modified_gmt":"2017-12-15T18:48:48","slug":"einsamkeit-allein-sein-und-kommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=592","title":{"rendered":"Einsamkeit, Allein-sein und Kommunikation"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber Einsam-Sein und Allein-Sein-Wollen zu schreiben\u00a0 wird oft so verstanden wie eine Sitzung beim Psychotherapeuten, weil in einer Informations- und Eventgesellschaft der Wunsch, hier und da einmal allein zu sein, einsam zu sein schon als Krankheit (Depression) oder zumindest als St\u00f6rung (Sonderling) verstanden wird. Das mag auch aus der Sichtweise eines gesellschaftlich-aktiven Menschen auch so erscheinen, aber aus der Sicht eines Menschen, der es gewohnt ist, oftmals allein zu sein, erscheint das wie eine Beleidigung und motiviert mehr dazu, sich weit mehr als gewollt zur\u00fcckzuziehen.<!--more--><\/p>\n<p>Die Sichtweise, etwas als normal anzusehen, was die gro\u00dfe Mehrheit der Menschen zeigt, kann ein Abweichler auch als Diktatur der Mehrheit betrachten. Zwar gilt es als allgemein g\u00fcltig und auch als wissenschaftlich belegbar, das Menschen als Individualwesen anzusehen sind, also sehr unterschiedlich sein k\u00f6nnen, aber wenn die Norm \u00fcber ein bestimmtes Ma\u00df hinaus verlassen wird, wird das auch schnell mal als Krankheit diagnostiziert. Und weil dann der \u201eKranke\u201c wie ein Kranker behandelt wird, f\u00fchlt der sich auch krank und setzt Verfahren in Gang, die ihn aus der Krankheit zur\u00fcck ins gesunde, sprich normale, f\u00fchren sollen. Dass der Patient aber gesund ist, niemals krank war, nur eben etwas anders als die gro\u00dfe Mehrheit denkt und f\u00fchlt, sich dabei mehr als verbiegen muss und das der nach jahrelangem Training erreichte Zustand, der als normal angesehen wird, aber in Wirklichkeit f\u00fcr den Patienten selbst Krankheit bedeutet, wird leider oft \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Viele der gr\u00f6\u00dften Denker und Erfinder der Weltgeschichte waren einsame Menschen, also Menschen, die gerne und oft mit sich selbst allein sein wollten, Kant, Tolstoi, Nietzsche, Mozart und Schubert seien als Beispiel genannt. Dass das Einsam-sein, Allein-sein eine sch\u00f6pferische Komponente hat, das auch Menschen, die in einer Arbeit oder einem Studium aufgehen, dazu allein-sein m\u00fcssen und m\u00f6glichst wenig Ablenkung gebrauchen k\u00f6nnen, ist jedem verst\u00e4ndlich. Warum also wird diese Form des Lebens so verkl\u00e4rt? Bei Philosophen,\u00a0 Komponisten und Schriftstellern, die Erfolge vorzuweisen haben, mag man diese Neigung ja noch akzeptiert werden, aber nicht alle geistig aktiven Menschen k\u00f6nnen oder wollen mit Erfolgen im Rampenlicht stehen. Das zum Denken, zum Nachsinnen oder geistig forschen Ablenkungsfreiheit erforderlich ist, ist doch verst\u00e4ndlich. Wo liegt also das Problem damit?<\/p>\n<p>Ich sehe das Problem schlicht und einfach darin, das Kommunikationsbereitschaft und Allein-sein-wollen eben nicht kompatibel sind und sich zu widersprechen scheinen. Das ist so, weil beiden extremen Seiten gew\u00f6hnlich das Mitgef\u00fchl f\u00fcr den anderen fehlt. Der Allein-sein-Wollende muss diese Absicht den anderen Menschen mitteilen und erkl\u00e4ren. Und der gesellschaftlich aktive Mensch sollte sich dem Einsamen, so er ihn als solcher erkannt hat, ebenfalls erkl\u00e4ren. Beide m\u00fcssen also, der eine redend, der andere schweigend, miteinander kommunizieren lernen, und dazu geh\u00f6rt als Beginn die Einsicht in das Anders-Sein-Wollens des Gegen\u00fcbers. Als zweiten Gedanken w\u00e4re zu erw\u00e4hnen, dass das Anders-Sein-Wollen des einen vom anderen auch als Angriff verstanden werden kann. Auch hier\u00fcber sollten beide sprechen und sich erkl\u00e4ren lernen. Nahezu alle gro\u00dfen Konflikte beginnen mit einer Kommunikationsst\u00f6rung, beginnen damit, dass es an Mitgef\u00fchl f\u00fcr das Gegen\u00fcber, f\u00fcr das Andere fehlt. Es ist ja nicht gel\u00e4ufig!<\/p>\n<p>Daher m\u00fcssen Menschen, denen ihr Anders-Sein auff\u00e4llt, sich mit der eigenen Kondition und der des Anderen besch\u00e4ftigen. Die gro\u00dfe Masse der Menschen wird sich aber oftmals nicht mit der Kondition einer Minderheit besch\u00e4ftigen. Zumindest ist das in der Geschichte unserer Kulturen nicht zu ersehen. Gew\u00f6hnlich wird seit Menschengedenken wie schon gesagt Anders-Sein als normalerweise krank oder verd\u00e4chtig angesehen und auch entsprechend behandelt. Es liegt daher immer an den Minderheiten, sich zu erkl\u00e4ren und Einsicht einzufordern. Das ist nicht gerecht, wird aber weitestgehend als \u00fcblich, als normal angesehen. Also sollte man sich ganz und gar nicht scheuen, anders zu sein, aber darin die Notwendigkeit erkennen, sich zu erkl\u00e4ren und die Andersdenkenden zu der Akzeptanz zu f\u00fchren, die man f\u00fcr Anders-Sein-K\u00f6nnen braucht.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F592&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F592&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D592&text=Einsamkeit%2C%20Allein-sein%20und%20Kommunikation\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D592\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Einsam-Sein und Allein-Sein-Wollen zu schreiben  wird oft so verstanden wie eine Sitzung beim Psychotherapeuten, weil in einer Informations- und Eventgesellschaft der Wunsch, hier und da einmal allein zu sein, einsam zu sein schon als Krankheit (Depression) oder zumindest als St\u00f6rung (Sonderling) verstanden wird. 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