{"id":68,"date":"2016-02-21T14:20:57","date_gmt":"2016-02-21T14:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hpsperzel.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=68"},"modified":"2019-01-11T12:29:14","modified_gmt":"2019-01-11T12:29:14","slug":"die-problemstellung-in-der-stillen-meditation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=68","title":{"rendered":"Die Problemstellung in der stillen Meditation"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4ufig werden in jedem Leben eines Menschen Problemstellungen auftreten, die nur in einer Entscheidung beantwortet werden k\u00f6nnen (einfachste Form: soll ich A oder B). Ich m\u00f6chte mich nachfolgend mit der h\u00e4ufig gestellten Frage besch\u00e4ftigen, ob es sinnvoll ist, Fragen unter Zuhilfenahme der Meditationsmethode aufzul\u00f6sen. Dazu werde ich ein stark verallgemeinertes Schema vorstellen, nach deren Abarbeitung ich diese Frage durchaus mit \u201eja\u201c beantworten w\u00fcrde.<!--more--><br \/>\nG\u00fcnstigstenfalls wird sich die Problemstellung auf eine Frage verdichten lassen, die meist innerhalb der zugeh\u00f6rigen Lebenswelt gestellt und damit auch gel\u00f6st werden kann. Will man eine Probleml\u00f6sung mit Meditation konzipieren, muss zun\u00e4chst die Fragestellung gut herausgearbeitet, dass hei\u00dft vorbereitet werden:<br \/>\n1. Welche Lebenswelt(en) sind betroffen? Im gesellschaftlichen Leben jedes modernen Menschen gibt es mehrere Lebenssph\u00e4ren, die ich allgemein wie folgt darstellen w\u00fcrde: Private pers\u00f6nliche Sph\u00e4re (Ich und Selbst); Familie oder Partnerschaft; Arbeitswelt; Berufung (Hobby und Passion)<br \/>\n2. Liegen Erfahrungen und pr\u00e4gende Befindlichkeiten vor, die das Ergebnis der Meditation (als probleml\u00f6sende Methode) vergiften k\u00f6nnen?<br \/>\n3. L\u00e4sst sich die Problemstellung soweit verdichten oder eingrenzen, so dass klare Alternativen hervortreten?<br \/>\n4. Stehen mir gen\u00fcgend Informationen zur Verf\u00fcgung oder sollte ich zuvor zus\u00e4tzliches Studienmaterial heranziehen, bevor ich mit der eigentlichen Entscheidungsarbeit beginnen kann?<br \/>\nMeist verdichtet sich in der Beantwortung der o.g. Vorbereitung die Fragestellung bereits auf eine ganz einfache und mit A oder B zu beantwortende Fragestellung. Diese kann dann in der Meditation gehalten, getragen und sp\u00e4ter entschieden werden.<br \/>\nDie Meditationsmethode verneint dabei alle unbewusst getroffenen Entscheidungen. Dazu dient die Einladung, sich all seiner M\u00f6glichkeiten bewusst zu sein und diese \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum unentschieden zu halten und mit Aufmerksamkeit zu verfolgen, wie das Unbewusste, das auf Konventionen beruht, n\u00f6rgelnd und dr\u00e4ngend zu einer L\u00f6sung kommen m\u00f6chte. Die Unentschiedenheit geht einher mit der strikten Verneinung jeder schnellen Antwort auf die aktuelle Fragestellung. In einer ersten Verweilzeit werden sich nach und nach alternative Antworten und Motive zu den konventionell \u00fcblichen dazugesellen. In einer weiteren Stufe wird sich dann eine der Varianten immer mehr in den Vordergrund stellen. Wird diese dann im erneuten Durcharbeiten mit einem Gef\u00fchl von Sicherheit und Zuversicht empfunden, kann die Problematik als aufgel\u00f6st gelten. Zusammengefasst erscheint diese Vorgehensweise meiner Anschauung nach ein guter Weg zu sein, von Konventionen befreit sich allt\u00e4glichen Fragen zu stellen. Nehmen wir als Beispiel eine einfache Frage, wie sie vielleicht allt\u00e4glich auftritt:<br \/>\n\u201eSoll ich, wenn der Entscheidungsfall eintritt, A oder B w\u00e4hlen; wenn ich schlie\u00dfe, dass auf A hoffentlich C eintreffen wird und ich D vermeiden kann, weil B zwar statt C immer D zur Folge haben w\u00fcrde, ich dann aber F zus\u00e4tzlich erreichen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p><em>Beispiel 1: \u201eSoll ich (als Dieb), wenn der Entscheidungsfall (Polizei fasst mich) eintritt, A (dichthalten) oder B (die Komplizen zu verraten) w\u00e4hlen; wenn ich schlie\u00dfe, dass auf A (dichthalten) hoffentlich C (sp\u00e4ter einen Anteil an der Beute zu bekommen) eintreffen wird und ich D (der Verlust der Freunde) vermeiden kann, weil B (die Komplizen verraten) zwar statt C (sp\u00e4ter einen Anteil an der Beute bekommen) immer D (der Verlust der Beute) zur Folge haben w\u00fcrde, ich daf\u00fcr aber F (eine Strafmilderung) zus\u00e4tzlich erreichen k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\nBeispiel 2: \u201eSoll ich, wenn der Entscheidungsfall (Partner bei Untreue erwischt) eintritt, A (Partnerschaft beenden) oder B (nach einer Karenzzeit verzeihen) w\u00e4hlen; wenn ich schlie\u00dfe, dass auf A (beenden) hoffentlich C (neue Partnerschaft) eintreffen wird und ich D (einen aufzehrenden Streit) vermeiden kann, weil B (verzeihen) zwar statt C (neue Partnerschaft) immer D (ich behalte das Bekannte mit etwas Vertrauensverlust) zur Folge haben w\u00fcrde, ich dann aber F (mehr Beinfreiheit, weil ich etwas gut habe) zus\u00e4tzlich erreichen k\u00f6nnte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Komplexe Sachverhalte mit vielen \u201ewenn und aber\u201c eignen sich nicht als Thema einer Meditation. Diese Fragen m\u00fcssen zun\u00e4chst gedanklich verdichtet werden, was so etwas wie einen wiederk\u00e4uenden Prozess darstellt. In vielen Beispielen geht letztlich um die einfache Frage, ob Festhalten am Gewohnten (weitermachen, verzeihen, bleiben) oder Aufbruch zum Neuen (loslassen, aufbrechen) einschlie\u00dflich aller Konsequenzen stattfinden sollte. Diese Fragestellung dann, so vereinfacht, ist zur Aufl\u00f6sung in Meditation durchaus geeignet.<br \/>\nSehr nahe verwandt ist diese Verfahrensweise mit der Philosophie Krishnamurtis, die in einem Satz zusammengefasst &#8230; \u201egepr\u00e4gt von einer radikalen Verneinung von Guruismus, Religion und Organisation und ebenso radikaler Bejahung von Freiheit, Lebendigkeit, Aufmerksamkeit\u201c (Wikipedia) &#8230; ausgedr\u00fcckt werden kann. In dieser Abschauung ist jede Entscheidung, ist jeder Moment und jede Lebenssituation grunds\u00e4tzlich neu. Im psychologischen Geflecht des Lebens gibt es danach kein Wissen, keine Vorgaben und keine Erfahrung. In der Meditation versuchen wir, genau an diesem Punkt anzukommen.<br \/>\nDas hei\u00dft aber nicht, das diese Entscheidung, A oder B in der Meditationszeit gef\u00e4llt wird. Nein, ganz und gar nicht, denn die Meditationszeit ist immer der zu bew\u00e4ltigenden Aufgabe gewidmet, n\u00e4mlich im Mantra, im Koan, in der Atem\u00fcbung oder einfach nur im stillen Sitzen zu sein. Nur wird die Fragestellung mich st\u00e4ndig bel\u00e4stigen, und das ist gut so, denn in der Meditation lernen wir, nicht vorschnell oder unbewusst zu entscheiden, sondern sich auf das Wesentliche, das Zur\u00fcckkehren zur Aufgabe, zu konzentrieren. Und was in der Meditation gelingt, gelingt mehr oder weniger gut auch in der allt\u00e4glichen Zeit. Die L\u00f6sung der Fragestellung wird sich in der Offenheit, der Unentschiedenheit sehr bald einstellen, denn die Meditationspraxis schafft kontinuierlich Raum f\u00fcr Neues; und darunter wird auch die L\u00f6sung f\u00fcr das aktuelle Problem sein.<br \/>\nIn meiner Vorstellung wird so ein Problem in der Meditation gel\u00f6st, ohne in der Meditation selbst pr\u00e4sent zu sein. Und mag es auch nach der Quadratur des Kreises klingen, f\u00fcr mich hat sich diese Vorgehensweise schon oft bew\u00e4hrt. Bitte genau lesen: Schon oft, nicht immer! Denn manchmal ist es gut und angebracht, seiner Spontanit\u00e4t freien Raum zu lassen. Aber das -wann Spontanit\u00e4t gut ist und wann besser nicht- ist ein ganz anderes Thema.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F68&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F68&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D68&text=Die%20Problemstellung%20in%20der%20stillen%20Meditation\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D68\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte mich nachfolgend mit der h\u00e4ufig gestellten Frage besch\u00e4ftigen, ob es sinnvoll ist, Fragen unter Zuhilfenahme der Meditationsmethode aufzul\u00f6sen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":692,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[19],"tags":[73,86],"class_list":["post-68","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-yoga-und-meditation","tag-meditation","tag-problemstellung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":378,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68\/revisions\/378"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}