{"id":770,"date":"2019-11-03T13:27:18","date_gmt":"2019-11-03T13:27:18","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=770"},"modified":"2019-11-03T13:35:08","modified_gmt":"2019-11-03T13:35:08","slug":"es-sind-interpretationen-die-den-fluss-zum-stehen-bringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=770","title":{"rendered":"Es sind Interpretationen, die den Fluss zum Stehen bringen\u2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im spirituellen\nUmfeld sind S\u00e4tze, die mit \u201eIch\u201c anfangen, oft verp\u00f6nt. Und\nmeist wird dieses \u201eIch\u201c dann nicht als Subjekt, sondern als\nObjekt betrachtet, wie zum Beispiel im Zen in der Frage: \u201eWas bin\nich?\u201c Was aber bedeutet das? F\u00fcr mich ist das eine der\nschwierigsten Fragen, die ich kenne. \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserer Sprache\nist die Trennung von Subjekt (Ich sehe\/denke\/bin\u2026) und Objekt (das\nGesehene\/Gedachte\/Seiende\u2026) selbstverst\u00e4ndlich. Daher beginnen\nviele S\u00e4tze mit \u201e<strong>Ich<\/strong>&#8230;\u201c und deuten von da auf ein\nObjekt. Subjekt und Objekt bewohnen so verwendet nicht die gleiche\nWelt. F\u00fcr das Subjekt ist alles, was nicht-Subjekt ist, Welt. Es\ngibt daher immer ein \u201eIch\u201c und eine \u201eWelt\u201c. Bin ich aber\nnicht auch in der Welt, bin ich nicht sogar ein Teil der Welt, geh\u00f6rt\nalso \u201eIch\u201c nicht zur Welt und die Welt nicht ebenso zum \u201eIch\u201c?\nImmanenz nennt die Wissenschaft dieses Ph\u00e4nomen, das wir aber aus\nmeist praktischen Gr\u00fcnden in unserer Sprache stets missachten. Man\nnennt das Dualismus. Und Dualismus ist eine Setzung, die uns das\nlogische Denken, dem wir folgen (wollen), auferlegt. Geht das nur so?\nDiese Frage besch\u00e4ftigt mich seit langem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach unserer Logik\nist <strong>Sein<\/strong> ein absoluter Begriff. Und Aristoteles hat\nfestgelegt, das \u201ezu sein\u201c nicht gleichzeitig \u201enicht zu sein\u201c\nbedeuten kann. Nehmen wir den Menschen als Ding, so ist er jetzt im\nAugenblick ganz sicher im Sein. In 200 Jahren allerdings wird er das\nwohl nicht mehr sein k\u00f6nnen. Der Zustand des \u201enicht-Seins\u201c wird\nalso mit gro\u00dfer Sicherheit entstehen. Wie geht das aber dann, vom\n\u201eSein\u201c ins \u201eNicht-Sein\u201c hin\u00fcberzuwechseln, wenn das nach\nunserer Logik gar nicht langsam und kontinuierlich geschehen kann,\ndenn f\u00fcr einen \u00dcbergang m\u00fcsste \u201eSein\u201c dann das \u201enicht-Sein\u201c\nja bereits enthalten, um hin\u00fcber wechseln zu k\u00f6nnen.  Nach\nAristoteles und auch nach heutiger Auffassung geht das nicht, ist das\nunlogisch. Nun sind solche Fragen philosophischer Natur und f\u00fcr\nOtto-Normal keine ernsthaft zu betreibenden Problemf\u00e4lle. Wir\nsterben einfach, basta. So ist das eben! Das \u201eWarum sterben wir?\u201c\nund auch die Frage nach dem \u201eDanach\u201c sind nicht so wichtig.\nTrotzdem, diese Frage liegt oft und ganz besonders in der Aktualit\u00e4t\nwie ein Stein im Rucksack der Seele, bringt die Unsicherheit und\nUngewissheit doch die allt\u00e4gliche Angst hervor, die allgemein \u00fcblich\nin unserem Kulturkreis mit dem Tod verbunden wird. \u201eSein\u201c kann\nnicht als absolut gesetzt werden. Trotzdem verwenden wir es genau so,\nwarum? Was fehlt? M\u00fcsste zwischen \u201eSein\u201c und \u201enicht-Sein\u201c\nnicht ein \u00dcbergang gesetzt werden, der so etwas wie Dauer besitzt?\nL\u00e4sst das unsere Sprache \u00fcberhaupt zu? \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine L\u00f6sung des\nProblems mit dem \u201eSein\u201c ist die Setzung einer \u201e<strong>Seele<\/strong>\u201c.\nDiese ist unsterblich, ewig, wird uns ins Paradies nach guten Taten\noder in die H\u00f6lle nach schlechten Taten eintreten lassen oder\nirgendwie wiedergeboren werden, um sich erneut zu bew\u00e4hren. Wenn ich\neinem Menschen die Seele abspreche oder behaupte, diese sei verloren,\nwerde ich gro\u00dfe Reaktionen heraufbeschw\u00f6ren. Die Seele, auch gerne\nMonade oder Atman genannt, obwohl weder jemals erkannt, gesehen noch\ngewogen ist ein heiliges Gut. Sie erl\u00f6st vor der Angst. Aber sie\nverhindert auch das Leben. 2000 Jahre christliche Geschichte <sup class='footnote'><a href='#fn-770-1' id='fnref-770-1' onclick='return fdfootnote_show(770)'>1<\/a><\/sup> zeigen mehr als deutlich auf, wie gro\u00df die Angst\nvor dem Seelenverlust sein kann und welche fatalen Wirkungen diese\nneue Angst zeugt. Diese sind in weiten Teilen der Welt auch heute\nnoch oft gr\u00f6\u00dfer als die Angst vor dem Tod. Haben wir mit der der\nSetzung der Seele also nur eine Angst gegen eine andere eingetauscht?\nWar die Setzung der Seele nur ein cleveres Machtinstrument, das\nWenigen die Macht \u00fcber viele gab? Diese Frage m\u00f6ge jeder selbst f\u00fcr\nsich beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mich weiterhin\nbesch\u00e4ftigt, sind Worte wie Selbst, Geist, Sch\u00f6pfung usw. Nun h\u00f6ren\nwir sehr oft in spirituellen Kreisen, das der\/die Eine oder Andere\nauf der Suche nach dem wahren <strong>Selbst<\/strong> sich befindet. Das zur\nZeit als aktiv empfundene Selbst wird folglich als unwahr aufgefasst,\ndas wahre Selbst aber ist im unwahren Selbst verborgen und wird durch\ndie Aus\u00fcbung von Techniken aufgedeckt. Das \u201ewahre Selbst\u201c also\nsteckt direkt im oder hinter dem \u201eunwahren Selbst\u201c. Was geschieht\ndann mit dem unwahren Selbst, wenn das wahre Selbst erscheint? Stirbt\nes? Wie dem auch sei. Wahr und Unwahr sind also bis zur L\u00e4uterung\ngemeinsam in einem Ding zu Hause. Nach Aristoteles ist das aber\ntrotzdem nicht m\u00f6glich. Sein und nicht-Sein, wahr und unwahr? Wo ist\nda der Unterschied? Wer hat sein wahres Selbst schon jemals gesehen?\nWer hat sein Selbst, ob unwahr oder wahr, schon jemals gesehen? Was\nmachen diese Setzungen aus? Sie sind reine Spekulation. Warum\nverwenden wir sie dann aber dauernd?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere\nwunderbare Bedeutung hat das Wort <strong>Geist<\/strong>. Es bezeichnet das\nmentale Konstrukt, das wir wie oben schon gesehen \u201eIch\u201c nennen\nund in eins gesetzt ist mit dem ebenfalls schon erw\u00e4hnten Selbst.\nEine besondere Rolle spielt das neben Geist verwendete Wort <strong>GEIST<\/strong>,\ndas den Individuellen Geist weit \u00fcberfl\u00fcgelt und ihn in eine\nkosmische Umgebung setzt und damit das ausdr\u00fcckt, was die Summe\naller geistigen Aktivit\u00e4ten von Leben darstellt, auch gerne als\nSpeicherbewusstsein <sup class='footnote'><a href='#fn-770-2' id='fnref-770-2' onclick='return fdfootnote_show(770)'>2<\/a><\/sup> und Schatz des Lebens\nbezeichnet. In vielen spirituellen Traditionen ist daher als\n\u00dcbungsweg angelegt, von Geist zu GEIST zu gelangen, teilweise als\nTranszendenz <sup class='footnote'><a href='#fn-770-3' id='fnref-770-3' onclick='return fdfootnote_show(770)'>3<\/a><\/sup> oder auch in\ndessen Gegenteil, als Immanenz <sup class='footnote'><a href='#fn-770-4' id='fnref-770-4' onclick='return fdfootnote_show(770)'>4<\/a><\/sup>\nbezeichnet. Mentale Zust\u00e4nde, in denen diese Barrieren \u00fcberwunden\nsind hei\u00dfen dann Meditation oder Versenkung, Trance oder Hypnose.\nAllerdings beschreiben trotzdem viele Lehren von\nBewusstseinstechniken diese Zust\u00e4nde als unvollkommen, ja sogar\ngef\u00e4hrlich und es wird davor gewarnt, sie dauerhaft zu erreichen und\nsozusagen in ihnen steckenzubleiben. Sie zeigen wie im Buddhismus\nbeschrieben nur an, welchen Fortschritt die \u00dcbenden gemacht haben\nund diese werden immer wieder aufgefordert, auch diese Ergebnisse zu\n\u00fcberwinden. Dar\u00fcber hinaus fortschreitende Zust\u00e4nde hei\u00dfen dann\nlichte Weite oder kosmisches Bewusstsein. Ich selbst kann dazu nichts\nsagen, denn diese beiden sind mir weder zug\u00e4nglich noch bekannt.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unseren Sprachen\nsprechen wir gerne, wenn wir die Welt und ihr Dasein positiv\n\u00fcberh\u00f6hen, von <strong>Sch\u00f6pfung<\/strong>, was nichts anderes bezeichnet als\nentweder von Gott gemacht oder aus sich selbst entstanden, je nachdem\nwelche Religion oder Weltanschauung der These zugrunde liegt. Im\nGegensatz zur Sch\u00f6pfung ist die Welt meist schlecht und\nunvollkommen, entweder durch den Menschen selbst gemacht <sup class='footnote'><a href='#fn-770-5' id='fnref-770-5' onclick='return fdfootnote_show(770)'>5<\/a><\/sup> oder durch den Einfluss von Stimmungen\nwie Habgier, Hass und Neid <sup class='footnote'><a href='#fn-770-6' id='fnref-770-6' onclick='return fdfootnote_show(770)'>6<\/a><\/sup>, die scheinbar aus dem\nNichts pl\u00f6tzlich auftauchen und die Welt vergiften. Die Sch\u00f6pfung\nselbst ist meist vollkommen und wird nur durch falsches Denken,\nfalsches Benehmen, durch falsche Geschichten oder Erz\u00e4hlungen\nverdunkelt und muss daher nur befreit werden, um wieder ein Paradies\nzu sein. Besonders gro\u00dfe Organisationen berufen sich gerne auch die\nSch\u00f6pfung und geben vor, Verwalter und Befreier derselben zu sein.\nIn der Historie erleben wir diese meist so in Szene gesetzt, das sie\ndurch den Glauben an diesen Anspruch gro\u00dfe Macht gewonnen hatten und\nhaben und diese stets zu missbrauchen verstanden. Ich selbst halte es\ndaher mit Krishnamurti, der eine Organisation als Tr\u00e4ger von\nWeisheit als nicht vereinbar\/machbar verstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann m\u00fcssen wir\nnoch \u00fcber unser Verst\u00e4ndnis von <strong>Zeit<\/strong> reden. Zeit, das sind\nsich sogar die Wissenschaft und die Esoterik einig, gibt es nicht.\nZeit ist ein Konstrukt des Menschen, eine Erfindung des Menschen.\nNicht umsonst hat die Wissenschaft die Zeit erst an der Bewegung und\ndann an dem Raum festgezurrt. Die Natur kennt nur einen Wechsel der\nJahreszeiten, die durch den Abstand zur Sonne und durch dies daraus\nresultierenden Klimaver\u00e4nderungen und Lebensbedingungen\ngekennzeichnet sind. Weiterhin entsteht unterschiedlich in der uns\nzug\u00e4nglichen Welt ein Wechsel der Hell-Dunkel-Zeiten. Die Zeit, die\nwir meinen zu kennen und die 24 Stunden und 3600 Minuten pro Tag in\neinem 365 Tage usw. dauernden Jahr enth\u00e4lt ist ein k\u00fcnstliches,\nnicht am Leben orientierten Produkt der Technik. Wir erinnern uns an\ndie Vergangenheit. Diese erstellt Regeln und Handlungsweisen, die\nsich bew\u00e4hrt haben und die uns eine Fortsetzung eines Lebens\nerm\u00f6glichen. Diese Vergangenheit wird st\u00e4ndig gef\u00fcllt mit einem\nkontinuierlichen Strom von Erlebnissen aus der Gegenwart. Aus diesen\nerinnerten Erlebnissen konstruiert und erschlie\u00dft sich der Mensch\neine Idee der Zukunft, in dere er sich Fortschritt erhofft und die\neine m\u00f6glichst angenehme Fortsetzung des Lebens erm\u00f6glicht. Ein\neigentlich genialer Schachzug, der das eben sichert, aber auch mit\nRisiken behaftet. Denn die m\u00f6gliche Zukunft, so sie denn nicht die\nerhoffte Qualit\u00e4t besitzt, erzeugt auch Angst und Negativit\u00e4t,\nerzeugt \u00fcber den Wunsch nach Sicherheit auch Gier, Hass und Neid.\nUnd hier entstehen auch die Leiden, die das menschliche Leben so\nreichhaltig ausf\u00fcllten und die eigentlich unsinnig und unerw\u00fcnscht\nsind. Was f\u00fcr diese Lage wichtig w\u00e4re und was mir im europ\u00e4ischen\nDenken oft fehlt sind daher Begriffe, die eine Dauer in der Gegenwart\nauszudr\u00fccken imstande sind und die eine Neigung beschreiben k\u00f6nnen,\neine Neigung, die positive und negative Motive in Bewegung zu bringen\nimstande ist. Nun ist in meiner Anschauung Negativit\u00e4t nicht\ngrunds\u00e4tzlich schlecht, aber sie sollte mit der Freude, die ich\njetzt mal Positivit\u00e4t nennen m\u00f6chte, zumindest in einer\nausgeglichen Balance stehen. Meiner Ansicht nach sind Freude und Leid\ndie W\u00fcrze des Lebens. Beide in Balance zu halten ist Lebenskunst,\nsie durch Erfahrung ineinander zu verweben aber ist Weisheit. Angst\nund Leid zu \u00fcberwinden geschieht durch das Bewusstsein ihrer\nBeschaffenheiten, die Kenntnis \u00fcber die Ursachen und die unendliche\nNeuausrichtung der Neigungen, die einen Ausgleich, eine Balance\nerm\u00f6glichen. So wird im Thema Freude und Leid f\u00fcr mich ein Schuh\ndaraus. \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt viele\nweitere Worte und Redewendungen die in diesem Rahmen gerne und oft\nVerwendung finden und gebraucht werden, um etwas zu beschreiben, was\nnahezu unbeschreiblich erscheint. Die hohe Anziehungskraft dieser\nBeschreibungen dr\u00fcckt die Sehnsucht der Menschen aus, zur\u00fcck in\neinen wie immer auch geartetes paradiesischen Zustand zur\u00fcckzukehren,\nwo das Leben und das Sein vollkommen und leicht und jeglicher\nGefahren enthoben ist. Daf\u00fcr dann sind Menschen bereit, zu \u00fcben, zu\nsitzen, zu singen, zu tanzen, zu praktizieren oder zu k\u00e4mpfen, um\nnur einige Techniken zu nennen, und sie wenden viel Zeit und Energie\nauf, um dabei sein zu d\u00fcrfen bei der gro\u00dfen Befreiung. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Nun k\u00f6nnte\nman aus meiner Wortwahl schlie\u00dfen, das ich das alles ganz\nentsetzlich finde und empfehlen w\u00fcrde, dass man das dringend\nabstellen m\u00fcsse. Nun, das oder zu Gegenteil ist der Fall. Ich\nsch\u00e4tze Menschen sehr, die sich um ihr Seelenheil bem\u00fchen und\nbereit sind, daf\u00fcr Opfer zu bringen. Und ich w\u00fcnschte mir, das es\nmehr und mehr werden.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ich mit meinen\nZeilen erreichen m\u00f6chte ist aber die Einsicht, das es nicht die\nWortbedeutungen sind, die in der Spiritualit\u00e4t eine Rolle spielen.\nEs sind auch nicht die unz\u00e4hligen Aktivit\u00e4ten und Bem\u00fchungen, die\nf\u00fcr Ver\u00e4nderungen aufgewendet werden, die ich hier beschreiben\nm\u00f6chte. Was mir am Herzen liegt ist die Ansicht, das es vor allem\nnicht allein darum geht, andere Menschen zu \u00fcberzeugen, einen von\nmir favorisierten Weg zu gehen, sondern das jeder einzelne Mensch\nselbst und f\u00fcr sich zu der \u00dcberzeugung gelangen muss, seinen\neigenen spirituellen Weg zu gehen. Und daf\u00fcr k\u00f6nnen gerne\nGleichgesinnte helfen, k\u00f6nnen unterst\u00fctzen, k\u00f6nnen sozusagen\nhelfen, bei der Sache zu bleiben, aber letztlich ist jeder f\u00fcr sich\nauf dem spirituellen Weg allein unterwegs. Seinen Weg erst einmal f\u00fcr\nsich selbst zu gehen ist die Bedingung, in der Entwicklung \u00fcberhaupt\nm\u00f6glich ist. Und dabei sind die Worte und Beschreibungen anderer, so\ngut sie auch gemeint sein k\u00f6nnen, eher hinderlich als f\u00f6rderlich.\nDer eigene Weg ist immer ganz neu, wird an jedem Tag neu sein, und\nist immer verschieden vom Weg der anderen. Das ist meine \u00dcberzeugung.\nUnd daher ist es auch sehr schwer und sehr verwegen, gro\u00dfe\nOrganisationen zu gr\u00fcnden, die die Lehre einer wie immer gearteten\nFreiheit in die Welt hinaustragen. Die Freiheit kann immer nur die\nFreiheit des Einzelnen sein. Es geht einfach nicht anders. Und jeder,\nder dar\u00fcber lange genug nachgedacht hat, wird wie ich irgendwann zu\ndiesem Punkt kommen m\u00fcssen. Ob dieser danach noch \u00fcberwunden werden\nkann, ist f\u00fcr mich ungewiss. \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen\nspirituellen Texten wird mit den Bedeutungen von ich, sein, selbst,\nGeist und Seele dialektisch gespielt. Ihr Verwendung bezieht sich auf\nBedeutungen und Schlussfolgerungen, die genau betrachtet einen in\nsich geschlossenen Kreis bilden. In unz\u00e4hligen Verkettungen werden\ndiese Begriffe ineinander verwoben, werden zu Argumentationsketten\nverbaut, die letztlich immer wieder zu dem gleichen Ergebnis f\u00fchren.\nDieses Ergebnis kann wie folgt beschrieben werden: \u201eDu tust nicht\ngenug, daher&#8230;\u201c. \u201eDu musst mehr tun, damit\u2026\u201c ist auch ein\nsch\u00f6nes Ergebnis dieser Ketten. Gemeint ist damit aber nur, das du\netwas tun musst f\u00fcr andere, f\u00fcr die Organisation zum Beispiel, f\u00fcr\nden Guru, den Meister, f\u00fcr die Gemeinschaft und, und, und. Mehr tun,\ngr\u00f6\u00dfer wirken, mehr investieren, ist das Ziel dieser Dialektik.\nDabei sprechen alle Traditionen und besonders der Buddhismus davon,\ndas unser Leiden daher kommt, das wir eben immer mehr wollen. In\nmeiner Anschauung ist Freiheit nur in sich selbst verwirklichbar. Nur\nich selbst kann f\u00fcr mich und damit auch f\u00fcr meine Umwelt frei sein.\nMein einziges Wirken besteht dann darin, f\u00fcr andere ein Vorbild zu\nsein. Viele gro\u00dfe Meister waren unscheinbar, wurden oft verkannt\noder zogen sich in die Einsamkeit zur\u00fcck, da sie ihr\n\u201enicht-wie-alle-anderen-zu-denken\u201c f\u00fcr sich und andere als\nGefahr empfanden. Sokrates wurde gezwungen, den Giftbecher zu leeren,\nLaotse zog sich in seiner bekannten Geschichte in die Einsamkeit der\nBerge zur\u00fcck und ward nie mehr gesehen, und unz\u00e4hlige Andere werden\nebenso gehandelt haben, von denen daher nie etwas bekannt werden\nkonnte. Anders zu sein war und ist immer noch gef\u00e4hrlich, und der\nWeise erkennt das auch und handelt entsprechend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kann ich mich\nalso verhalten, meiner Meinung nach, gegen\u00fcber den oben\nbeschriebenen Wortsch\u00f6pfungen und Gefahren, die darauf basieren?\nUnsere Sprache verwendet nun einmal ich und sein, verwendet Selbst\nund Seele, und die Sch\u00f6pfung ist auch, wie im letzten Satz zu sehen,\nnicht gerade selten. Ich helfe mir so, das ich Sprache generell als\nunvollkommen empfinde, ich Kommunikation insgesamt als unvollkommen\nempfinde, und das schlie\u00dft so vielf\u00e4ltige Dinge mit ein wie\nRituale, Gesten, Zeichen, Musik, Kunst, Literatur, Offenbarungen und\ndie vielen anderen wortlosen Ausdrucksformen ebenso. Wir Menschen\nk\u00f6nnen eben nicht nur ausdr\u00fccken, was in uns vorhanden ist, sondern\nauch das, was wir geh\u00f6rt haben und nur vermuten, was uns suggeriert\nwurde, was uns Angst zu machen droht oder sich durch geschickte\nManipulation in uns verfestigt hat. Und da wir zur Zeit erleben, das\nKommunikation \u00fcberhand nimmt und wir sozusagen fast erschlagen\nwerden von der Vielfalt und dem Reichtum an Bedeutungen, empfehle ich\neinem alten Sprichwort gem\u00e4\u00df: \u201eFragen zu stellen ist wichtiger\nals Antworten zu finden!\u201c. Ich frage mich zum Beispiel immer\nh\u00e4ufiger, was ich meine oder gemeint habe, wenn ich einen Satz im\nGespr\u00e4ch oder im Artikel wieder mal mit \u201eIch\u201c begonnen habe,\nfrage mich, was f\u00fcr mich das Wort \u201eselbst\u201c bedeutet, wenn es bei\nmir Verwendung fand, und vermeide Worte wie Sch\u00f6pfung oder Seele in\nmeinen Beschreibungen, da sie alles und auch nichts bedeuten k\u00f6nnen.\nDas Verb \u201esein\u201c allerdings und das Verst\u00e4ndnis von Zeit sind in\nunserer Sprache unverzichtbar, und ich muss mir sehr bewusst dar\u00fcber\nsein, was genau sie bedeuten und wie ich sie entsprechend verwenden\nsollte. \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gerne w\u00fcrde ich empfehlen, in eine Sprache zu wechseln, in der diese dialektischen Verfahren nicht bekannt sind und keine Bedeutung gewinnen konnten. Neben einigen Sprachen von Naturv\u00f6lkern ist heute allerdings die Wahl dazu sehr beschnitten. Es gibt nur eine alte, nicht dialektisch vergorene Kultursprache, die diesem Anspruch meiner Meinung nach gerecht wird, und diese kommt auch heute schon im eigenen Volk immer seltener zum Tragen. Gemeint ist das klassische Chinesisch, die Sprache Chinas aus der Zeit von Laotse und Konfuzius. Und daher m\u00f6chte ich gerne eine kleine Kostprobe anh\u00e4ngen, wie diese Sprache aussah, die ohne Verkettung in Dialektik auskam, und die doch eine Hochkultur begr\u00fcndet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Himmel, Erde,\ntief-dunkel, gelb<br>\nWelt, Zeit, fluten, brach-liegen<br>\nSonne,\nMond, anf\u00fcllen, Abendstrahlen<br>\nGestirne, Sternbilder, aufreihen,\nausbreiten<br>\nK\u00e4lte, kommen, Hitze, gehen<br>\nHerbst, ernten,\nWinter, horten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Unter dem) unergr\u00fcndlichen (tief-dunkeln) Himmel (die) gelbe Erde,<br>(in der) Welt (die) Zeit, (das eine) flutend, (das andere) brach(liegend),<br> Sonne (und) Mond f\u00fcllen an (die) Strahlen des Abends,<br>Gestirne (und) Sternbilder reihen (sich auf und) breiten (sich) aus,<br>(Die) K\u00e4lte (des Winters) kommt, (die) Hitze (des Sommers) geht,<br>(Im) Herbst (wird) geerntet, (im) Winter gehortet.<br> <br> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der aus den\nTausend-Zeichen-Klassiker stammende Text, den jeder Gebildete seiner\nZeit auswendig zu lernen hatte, dr\u00fcckt aus, was wichtig ist zu einer\nbestimmten Zeit zu tun im ewigen Wechsel der Jahreszeiten: \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sonne und Mond\nam unergr\u00fcndlichen Himmel (tief-dunkel) den Abend \u00fcber der gelben\nErde bestrahlen, wenn die neue Jahreszeit sich wandelnd (flutend)\n\u00fcber die unber\u00fchrte (brachliegende) Welt ergie\u00dft, wenn die\nGestirne und Sterne sich aufreihen, wenn die Hitze des Sommers sich\nin die K\u00e4lte des Winters zu wandeln ank\u00fcndigt, ist Herbst und die\nrechte Zeit zu ernten und die Nahrung f\u00fcr den Winter zu horten. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In beginnenden Herbst erscheinen Sonne und Mond am Abend gemeinsam am Himmel in wunderbaren Sonnenunterg\u00e4ngen. Die meist klaren Herbstn\u00e4chte erlauben erstmals wieder den Sternen, anders als in den warmen Jahreszeiten, sich am Himmel zu zeigen. Die Jahreszeit erlebt erneut einen Wandel, aus Hitze wird K\u00e4lte werden und die Menschen sind angehalten, zu ernten und Nahrung f\u00fcr den Winter zur\u00fcckzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Wie klar und ausdrucksvoll wird hier beobachtet, wie ein Jahreszeitenwechsel sich ank\u00fcndigt. Und ganz klar wird den Menschen ans Herz gelegt, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Keine Pflicht und kein Sollen erf\u00fcllt die Zeilen. Alle Worte erscheinen wie selbstverst\u00e4ndlich. Und niemand wird sich widersprechend gegen diese Zeilen erheben wollen. K\u00f6nnten doch unsere europ\u00e4ischen Sprachen sich auch so klar ausdr\u00fccken\u2026, der Fluss w\u00fcrde dann wieder flie\u00dfen.<\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-770'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='fn-770-1'>\nEmpfehlung: Schatten \u00fcber Europa, Rolf Bergmeier, ISBN\n978-3-86569-075-3 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-770-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-770-2'> Alaya vijnana <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-770-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-770-3'>  Gott, etwas au\u00dferhalb der Welt stehendes, der\nGrund, das der sinnlichen Wahrnehmung verschlossene. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-770-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-770-4'> Das in allen Dingen enthaltene. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-770-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-770-5'>\nS\u00fcndenfall im Christentum <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-770-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-770-6'> Buddhismus <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-770-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div><div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F770&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F770&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D770&text=Es%20sind%20Interpretationen%2C%20die%20den%20Fluss%20zum%20Stehen%20bringen%E2%80%A6\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D770\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im spirituellen Umfeld sind S\u00e4tze, die mit \u201eIch\u201c anfangen, oft verp\u00f6nt. 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