{"id":775,"date":"2019-12-30T10:42:55","date_gmt":"2019-12-30T10:42:55","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=775"},"modified":"2019-12-30T10:42:59","modified_gmt":"2019-12-30T10:42:59","slug":"spirituelle-suche-und-weisheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=775","title":{"rendered":"Spirituelle Suche und Weisheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der spirituellen\nSuche sprechen wir gerne, ausgel\u00f6st durch eine gro\u00dfe wahrgenommene\nSehnsucht, von der Suche nach Einheit, Befreiung, Erl\u00f6sung,\nErleuchtung, um durch deren Verwirklichung ins Wahre, Sch\u00f6ne, Gute\noder auch nur in eine friedvolle Stimmung und Lebensf\u00fchrung zu\nkommen, die die Angst vor dem Tod oder dem Vergehen endg\u00fcltig zu\nbesiegen und so der Welt, dem Lebendigen und uns selbst das wie immer\ngestaltete Paradies zur\u00fcckzuerobern verspricht. Das ist die Vision\nnahezu aller Befreiungs-Theorien, die die Welt und deren umfangreiche\nLiteratur zu bieten hat. Ich m\u00f6chte nachfolgend einmal versuchen,\netwas Struktur in diese Formen zu bringen und werde mich dann trauen,\neinige Begriffe und Annahmen kritisch zu hinterfragen. \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst bedeutet\nspirituell zun\u00e4chst einmal \u201eGeistigkeit\u201c, also eine\nLebenshaltung, die der geistigen und fein-stofflichen den Vorzug vor\nder materiellen Welt einr\u00e4umt. Diese Ausrichtung erfolgt in dem\nfesten Glauben, eine Sehnsucht zu versp\u00fcren, die nach dieser als\nPriorit\u00e4t angesehenen F\u00e4higkeit Ausschau halten l\u00e4sst. Nun ist\neine Sehnsucht in normalen F\u00e4llen ein Gef\u00fchl, das uns uns nach\neinem bekannten und als wohlf\u00fchlend erkannten Umfeld zur\u00fccksehnen\nl\u00e4sst, also einer Umgebung oder Ausrichtung, die uns gewohnt war und\ndie wir verloren haben. Die Sehnsucht nach dem Zuhause oder auch\neiner bestimmten Menschengruppe, nach bestimmten Orten oder\nklimatischen Verh\u00e4ltnissen, nach bestimmten Essen oder einer\nT\u00e4tigkeit ist nahezu jedem hinl\u00e4nglich bekannt und auch\nverst\u00e4ndlich. Die Sehnsucht nach Befreiung allerdings w\u00fcrde, im\nselben sprachlichen Kontext gebraucht, bedeuten, das wir einmal frei\nwaren, diese Freiheit verloren haben und uns dahin zur\u00fccksehnen. Ein\nverst\u00e4ndliches Gef\u00fchl. Wie aber w\u00fcrde es sein, wenn wir vollkommen\nsicher sein m\u00fcssten, das wir die so ersehnte Freiheit noch niemals\nhaben genie\u00dfen k\u00f6nnen, zumindest nicht in diesem unserem Leben seit\nunserer Geburt? \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00fcrde bedeuten,\ndas wir diese Sehnsucht nicht aus uns heraus, also aufgrund einer\neigenen erlebten Erfahrung, sondern auch einem anderen Grunde in uns\naufleuchten sehend erkennen m\u00fcssten. Diese anderen Gr\u00fcnde k\u00f6nnte\ndie Geschichten sein, die uns Religionen, deren Br\u00e4uche und\n\u00dcberlieferungen, also Erz\u00e4hlungen vermitteln. Das Paradies zum\nBeispiel ist so eine Geschichte, die uns den Verlust der perfekten\nWelt vermittelt und uns anh\u00e4lt, ja nur alles so zu tun, wie es\nverlangt wird, um den Einzug in diese sch\u00f6ne Welt nicht zu verpassen\noder zu verspielen. Andere Geschichten erz\u00e4hlen von einem Raum des\nendlosen Lebens, in dem es weder Not noch Angst gibt und in der alle\nWesen in Gl\u00fcckseligkeit verharren. Das Nirvana des Hinduismus ist so\nein Raum, der \u00fcber die Realisierung von Atman\/Brahman gewonnen und\ndie leidensreichen Wiedergeburten ein f\u00fcr allemal beenden w\u00fcrde.\nAndere Wege der Sehnsucht-weckenden Geschichten sprechen davon, das\nes Mittel und Wege gibt, uns vom Leiden in der Welt zu befreien und\nwas uns erm\u00f6glicht, ein gl\u00fcckliches und einfachen eben zu f\u00fchren\nim Einklang mit der Natur und seinen Sch\u00f6nheiten. Viele sogenannte\nAussteiger und sogar eine ganze Generation der westlich-zivilisierten\nWelt in den 70er Jahren sind diesen Rufen gefolgt. Diese Geschichten\nsind bekannt, verbreitet und heute jedem zug\u00e4nglich. Die moderne\nGeisteswissenschaft nennt sie Narrative, Kultur-begr\u00fcndende\nErz\u00e4hlungen, die unser Denken und Streben zu begr\u00fcnden verm\u00f6gen.\nWas w\u00e4re also, wenn sich die wahrgenommene spirituelle Sehnsucht auf\ndiesen Narrativen begr\u00fcnden w\u00fcrde? W\u00fcrden wir einen oder den\nwichtigen Unterschied bemerken?<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen wir in der\nEingangsbeschreibung einen Schritt weiter und besch\u00e4ftigen wir uns\nmit den Zielen, denen unser Aufbruch zugrunde liegen k\u00f6nnte. Ich\nmeine die Suche nach Einheit, Befreiung, Erl\u00f6sung, Erleuchtung, oder\num eine Verwirklichung ins Wahre, Sch\u00f6ne, Gute oder auch nur in eine\nfriedvolle Stimmung und Lebensf\u00fchrung. Wie kann ich mir das\nvorstellen? In den meisten Theorien um Befreiung \u00fcberhaupt geht es\ndoch um die Erringung einer Haltung, die als Einheit, Das Eine, Das\nAll-Eine oder Gott, Atman, oder Monade beschrieben wird. Auch die\naltbekannte Seele, die es stets und immerzu zu retten gilt in\nchristlichen Religionen, geh\u00f6rt hier in die Sammlung hinein. Keines\ndieser Begriffe, alle als Substantiv angelegt, liegt in irgend einer\nForm eine materiell oder wissenschaftlich zu begr\u00fcndende Substanz\nzugrunde. Substantive beschreiben Lebewesen, Gegenst\u00e4nde und\nBegriffe, so will es deren Definition. Begriffe wiederum beruhen auf\nhierarchischen Systemen, die sich aus Einzelbegriffen zusammensetzen\nund so komplizierte Vorg\u00e4nge in einem Wort zu beschreiben verm\u00f6gen.\nEin sch\u00f6nes Beispiel hierf\u00fcr ist Kants \u201eKategorischer Imperativ\u201c,\ndessen Verst\u00e4ndnis-Voraussetzungen ganze B\u00fccher zu f\u00fcllen vermag.\nAuch die Eingangs genannten Begriffe Einheit, Atman und so fort sind\nsolche Begriffsb\u00fcndel, die so leicht und einfach nicht zu verstehen\nsind. Erschwerend kommt hinzu, das verschiedene spirituelle\nTraditionen in Bezug auf den Inhalt dieser Begriffe sehr\nunterschiedliche B\u00fcndel ben\u00fctzen und diese als Begriff dann auch\nanders definiert sehen wollen. Die Befreiungen des Hinduismus, des\nBuddhismus und des Christentums haben, h\u00f6rt man in deren Erz\u00e4hlungen\ngenau hinein, nicht viel miteinander gemein. Was allerdings w\u00e4re mit\nall diesen Begriffen, die ja auch alle auf eine absolute Einheit\nzielen, wenn Platon recht h\u00e4tte und seine Behauptung sich als\nrichtig erweisen w\u00fcrde, das der Mensch als Wesen und mithilfe der\nSprache, die er pflegt, Einheit gar nicht denken kann. Was w\u00e4re\nalso, wenn es Einheit zwar g\u00e4be, aber der Mensch sie nicht erfassen\nk\u00f6nnte? W\u00fcrde er sie trotzdem weiter anstreben wollen, anstreben\nk\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sich dann etwa\nintensiver mit dem Thema besch\u00e4ftigt, findet heraus, das sich sei\nnahezu 2500 Jahren unz\u00e4hlige Menschen mit diesem Problem besch\u00e4ftigt\nhaben und daraus eine unendlich Vielfalt an Zug\u00e4ngen geschaffen\nwurde, mit denen das Undenkbare denkbar gemacht werden kann, soll\noder sollte. Jeder Religionsgr\u00fcnder, jeder Philosoph, jeder Weise,\nsie alle sind sogar in verschiedenen Weltgegenden und Kulturgeb\u00e4uden\nzu Hause, beschreibt im Grunde seinen Zugang zu dieser\nProblemstellung. Es gibt Streit dar\u00fcber, Disput genannt, es gibt\nverschiedenen Grundstrukturen, in denen diese Abhandlungen\nbeschritten werden und fast ein jeder glaubte sich selbst mit seinen\nAusf\u00fchrungen im Zenit des Universums angesiedelt zu haben.\nGrunds\u00e4tzlich aber gibt es zwei gro\u00dfe Str\u00f6mungen, zwei Wege der\nL\u00f6sung. Die eine und am weitesten verbreitete L\u00f6sung erkennt einen\nBereich des Begrifflichen als gegeben an, den der Mensch weder\nbegreifen, denken noch erkennen kann, der damit transzendental ist\nund als gegeben, gesetzt verstanden werden muss. Transzendentalien\nsind Begriffe wie Gott, das Wahre, das Sch\u00f6ne, das Gute, die\nVernunft, die Idee usw, die allem Seienden als Modus zukommen. Sie\nsind nicht jenseits des Begriffes, sondern sozusagen als Grundlage,\nFont im Begriff als Voraussetzung enthalten. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Grundlage\nbaut auf der Begrifflichkeit der Immanenz auf. Diese bezieht sich\nnicht auf Begriffe, sondern auf den Gegenstand, den der Begriff\nbeschreibt und weist diesem eine innewohnende Eigenschaft zu, die\nweder durch Folgerung noch durch Interpretation abgeleitet oder\nbegr\u00fcndet werden kann. Spinoza zum Beispiel beschreibt Gott als die\neine Ursache aller Wirkungen, die allerdings auch andere Ursachen\nzwangsl\u00e4ufig mit einschlie\u00dft. Immanenz bedeutet immer einen\nEinschluss aller Gegenst\u00e4nde und Bedingungen, die Leben und Welt\nhervorbringen. Eines der sch\u00f6nsten und weitreichendsten Beispiele\nf\u00fcr Immanenz-Denken und dies bez\u00fcglich allen Seins zeigt sich im\nTaoismus, in dem das \u201eTao des Himmels\u201c die rechte Beschreibung\ndes Wegs benennt, der zum Heil und zum Gelingen f\u00fchrt. Immanenz wird\nallerdings in der heute federf\u00fchrenden westlich-orientierten\nPhilosophie immer nur als Unterkategorie gesehen, wird mit\nNaturalismus oder als Einschluss ins Absolute angesehen,\ngleichgesetzt und wie eine Vorbedingung behandelt, die dann doch\nletztlich ins Gegenteil, also ins Transzendente hin\u00fcber f\u00fchrt.\nSchelling ist hierf\u00fcr ein leuchtendes Beispiel. \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle bisher\ngenannten spirituellen Begriffe und Erscheinungen beruhen letztlich\nauf der Suche nach dem Einen, das alles andere einschlie\u00dft und somit\ndem Fragen ein Ende bereitet in der Hoffnung, damit das Leiden zu\nbeenden und in Gl\u00fcck und Frieden leben zu k\u00f6nnen. Was aber, wenn\nwir damit einer T\u00e4uschung aufgesessen sind und einsehen m\u00fcssten,\ndas diese ganzen dialektischen Geb\u00e4ude sich schon mit einer einzigen\nFrage zum Einsturz bringen lie\u00dfen? Wenn wir das Gute, das Gl\u00fcck und\nden Frieden, die Freiheit und die Erl\u00f6sung anstreben und dieses\nalles auch erreichen, wo blieben das Schlechte, das Ungl\u00fcck und der\nUnfrieden, die doch mit ihrem Gegenteil auch in die Welt gesetzt\nwurden und die es es nun zur\u00fcckzulassen gilt? Was ist dann mit\ndenen? Verschwinden die einfach? Wenn sie verschwinden, gibt es\nGl\u00fcck, Frieden und das Gute dann \u00fcberhaupt noch und was haben wir\ndann letztlich erreicht? Der Positivist w\u00fcrde es wahrscheinlich\nGl\u00fcckseligkeit nennen, der Pessimist w\u00fcrde wohl Langeweile dazu\nsagen, und was sagt der Weise dazu? W\u00fcrde der Weise nicht sagen, das\nsowohl ein Nachdenken als auch ein Ignorieren dieser Fragen nicht zu\neinem Ergebnis kommen kann? Der Weise sagt dazu, das Suchen nicht zum\nFinden f\u00fchrt, und meint damit, das die ganze M\u00fche niemals zum Ziel\nf\u00fchren kann, weil&#8230; Und auch hier gibt es wieder viele\nBegr\u00fcndungen, aber diese gelten entweder nur f\u00fcr jetzt oder nur f\u00fcr\ndich oder beides oder keines von beiden. Was aber meint der Weise\naber damit?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weisheit ganz\nallgemein gesagt, das sich der Mensch am Lauf der Welt, die sich in\nImmanenz (Tao, Gott) \u00e4u\u00dfert, orientieren m\u00fcsse. Da alles\n\u201evon-selbst-so-ist, wie es ist\u201c ist, alles st\u00e4ndig im Wandel\ngegriffen ist, sind Nat\u00fcrlichkeit, Spontanit\u00e4t und\nWandlungsbereitschaft die Grundlage f\u00fcr rechtes Handeln und Denken.\nIn dem wir Harmonie bevorzugen und zur\u00fccktreten, bescheiden sind und\nohne ein Ziel zu verfolgen unser Leben leben, kommt alles zu einem\nguten Ende. F\u00fcr den Taoismus, der diese Grunds\u00e4tze pflegt, gibt es\ndie Unterscheidungen und Begriffspaare wie Gut und Schlecht, Gl\u00fcck\nund Ungl\u00fcck, Frieden und Unfrieden nicht, sondern diese treten im\nbest\u00e4ndigen Wandel stets gemeinsam auf, werden in der Schrift auch\noftmals zusammen in einem Zeichen verbunden und es gilt, diese\nGegens\u00e4tze zu \u00fcberwinden, oder anders gesagt nicht in diesen\nGegens\u00e4tzen zu denken. Und der Weise begr\u00fcndet das damit, das diese\nPaare zwar zun\u00e4chst kurzfristig zwecks Unterscheidung als hilfreich\nansehen werden k\u00f6nnen, aber durch den Wandel keinem Wesen oder Ding\ndauerhaft zugeschrieben werden k\u00f6nnen. Damit wird eine Zuweisung\ngrunds\u00e4tzlich verhindert. Nichts ist daher von Dauer und so wird\nauch nichts als grundlegend betrachtet. Es kann auf diesem Grund\nkeine Lehre aufgebaut und gesichert werden. Was bedeutet diese\nSichtweise aber f\u00fcr ein Leben in einem westlichen Industriestaat, in\nArbeitsteilung, Sozialverbund und einem kapitalistisch organisierten\nWirtschaftssystem? Das ist eine sehr berechtigte Frage, und darauf\ngibt es bis heute wenige Antworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst einmal ist\nzu entscheiden, was wir definitiv erfahren haben und somit als Wissen\naus eigenem Erleben zur Verf\u00fcgung haben und Wissen, das wir nur\ngeh\u00f6rt und erlesen oder uns nur vermittelt wurde. So ist zum\nBeispiel das Gros des Erlebens der Kindheit in der Regel erz\u00e4hltes\nWissen. Meine erste klare Erinnerung verweist auf das vierte\nLebensjahr und besteht nur aus ein paar Bildern, die als Video nur\nSekunden lang w\u00e4re. Die n\u00e4chsten Erinnerungen verweisen bereits auf\nden Schulhof der Grundschule, weitere Erinnerungen gehen meist auf\nsehr einschneidende Erlebnisse (Beerdigung, Streit, Strafe) zur\u00fcck.\nDer ganze Rest ist eher dunkel, unscharf und kaum zu einer Geschichte\nzusammensetzbar. Mit anderen Worten ausgedr\u00fcckt ist meine\nKindheitserinnerung entweder mir erz\u00e4hlt worden oder besteht aus\nsehr dezenten Fragmenten. Mit dieser Erkenntnis im Gep\u00e4ck kann ich\naus heutiger Sicht eigentlich nur sagen, das ich irgendwann mit 12\noder 13 Jahren wie aus einem Traum aufgewacht bin. Im Grunde war zu\ndiesem Zeitpunkt bereits alles fertig, der Status in der Familie, die\nAusbildungsrichtung und auch die Freundes- und Bekanntenkreise sowie\ndas Gros der Interessen. Selbst die Schule samt meiner Leistungen\ndarin entzog sich demnach so vollkommen meiner Einwirkung. Ich wurde\nin ein Leben geworfen, das seine Bestimmung bereits erhalten hatte.\nDie erste wirkliche Freie Gestaltung meinerseits bestand aus der Wahl\nmeines Ausbildungsplatzes, der gegen den Willen meiner Eltern\nerfolgte und daher meine erste freie Entscheidung darstellte. Nur,\ndie Wahl dazu bestand nicht etwa aus der unendlich gro\u00dfen Zahl an\nBerufen,  sie bestand im meinem Fall aus genau zwei Alternativen, es\nging also nur noch um ein so oder so. Weder die eine noch die andere\nkonnte ich damals in voller Klarheit sehen. Ich entschied faktisch\nnur nach dem Kriterium, was ich nicht wollte.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Exkurs:\n<br>\nGrunds\u00e4tzlich gibt es f\u00fcr jede Form des Lebens Phasen, die\nallgemein als g\u00fcltig angesehen werden k\u00f6nnen. Die Phase der\nKindheit und der fr\u00fchen Jugend erfolgt in Abh\u00e4ngigkeit von den\nErwachsenen (Phase 1), die die Betreuung von jungen Menschen\n\u00fcbernommen haben. Dann erfolgt in noch sehr jungen Jahren die Phase\nder Abnabelung von den ersten G\u00f6ttern, die praktisch die Eltern\ndarstellen und Pubert\u00e4t (Phase 2) genannt wird. Mit etwas Gl\u00fcck\ntrifft man, wie oben beschrieben, hier erstmals eine eigene\nEntscheidung. Dann geht die Ausbildung in die zweite Phase, Beruf,\nPassion, Orientierung genannt (Phase 3), in der Regel kombiniert mit\nder beginnenden Aufgabe als Eltern, dann erfolgt eine\nStagnationsphase in einer beruflichen Routine, begleitet von der\nAbnabelung der eigenen Kinder (Phase 4), dann kommt der Eintritt in\nden Ruhestand (Phase 5), der dann von Stagnation begleitet (Phase 6)\nmit dem Tod endet, entweder mit Krankheit und Pflege begleitet,\nunterschiedlich lang oder auch kurz und \u00fcberraschend. Was wir aber\nimmer sehen k\u00f6nnen, meiner Meinung auch m\u00fcssen, ist die Tatsache,\ndas sich hier im Leben eines Menschen nur ein einziger\nAbnabelungsprozess ausgebildet hat. Zumindest wird in unserer Kultur\nund Wissenschaft in der allgemeinen Anschauung und kulturellen\nBeschreibung nur ein einziger dieser Prozesse beschrieben und\nbehandelt, und das ist die Pubert\u00e4t. Das ist meiner Ansicht nach\nfalsch. Warum sehe ich das so? Ab Phase drei gibt es in unserer\nwestlichen Kultur keine wirklich Wahl mehr. Es muss ja ein Einkommen\naufrecht erhalten werden. Jeder Bissen und jeder Schluck kostet. Der\nerlernte Beruf, die gegr\u00fcndete Familie erlaubt maximal noch eine\nberufliche Fortbildung, die zwar mehr Geld bringt, aber daf\u00fcr \u00fcber\nJahre hinweg die komplette freie Zeit bindet. Bleibt man einfach im\nBeruf, erfolgen automatisch Stagnationsphasen. Nur wenige Berufe\nerfordern lebenslanges Lernen, und so wird die Routine Tagesgesch\u00e4ft.\nDas nervt, erst sich selbst, dann die Umgebung, und f\u00fchrt nicht\ngerade zu einer ausgeglichenen Stimmungsstabilit\u00e4t. Viele Ehen gehen\nin dieser Zeit einfach zugrunde. Dann wird das Rentenalter erreicht.\nDie Kinder sind selbstst\u00e4ndig, die Routine erlischt und pl\u00f6tzlich\nsteht die gro\u00dfe Freiheit vor der T\u00fcre. Ein leistungsloses\nEinkommen, viel freie Zeit und 52 Wochen Urlaub. Nicht jeder\nverkraftet das. Wohl dem, der jetzt \u00fcber ein Hobby, einen\nBekanntenkreis in der gleichen Altersgruppe und\/oder eine Passion\nverf\u00fcgt, die ein sinnvolles sich besch\u00e4ftigen erlaubt. Vorbereiten\nkonnten sich nur wenige auf all diese Br\u00fcche. Die meisten Wendungen\nund Wandlungen kommen unverhofft und ungeplant. Muss das aber so\nsein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist daraus\nabzulesen? Warum schreibe ich das auf? Und nat\u00fcrlich habe ich mich\ngefragt, wie viel davon ist autobiographisch. Und auch die Frage habe\nich gestellt, ob man dieses alles als eine allgemein g\u00fcltigen Ablauf\nbezeichnen kann. Was mir pers\u00f6nlich immer mehr auff\u00e4llt und zur\nKlarheit kommt, ist die Tatsache, das wir in unserer zivilisierten\nWelt zwar immer mehr Wahrheiten erkennen und Erscheinungen aufdecken,\ndas daraus aber nahezu immer keinerlei Reaktionen erfolgen.\nAnscheinend, zumindest ist dies ein erster Erkl\u00e4rungsansatz, erkennt\ndie gro\u00dfe Mehrheit der Menschen zwar die Aussagen im Einzelnen, aber\nverf\u00fcgt nicht mehr \u00fcber die F\u00e4higkeit, diese einzelnen\nErkenntnisse zu einem Ganzen zusammen zu f\u00fcgen. Ich f\u00fcr meinen Teil\nhabe mir einige Traditionen spirituellen Arbeitens angesehen, und\nobwohl ich mich letztlich f\u00fcr zwei dieser \u00dcbungsweisen entschieden\nhabe, halte ich alle anderen M\u00f6glichkeiten nicht f\u00fcr falsch oder\nunbrauchbar. Und um in Zen-Sprech diese Erkenntnis auszudr\u00fccken, all\ndiese oftmals auch seltsam anmutenden Wege f\u00fchren zu ein und\ndemselben Ziel. Sie sind nur unterschiedliche Pfade im gleichen\nGel\u00e4nde, denn: Der Weg liegt vor unseren F\u00fc\u00dfen, ist unendlich\nbreit und ist so offensichtlich, dass er wie der Wald vor lauter\nB\u00e4umen nicht wahrgenommen wird. Das Problem dabei ist, das ein\nAbstand zwar hilfreich w\u00e4re, um wahrnehmen zu k\u00f6nnen, aber nicht\nm\u00f6glich erscheint. Denn von Allem als Einem kann es keinen Abstand\ngeben. Es m\u00fcsste also mindestens zwei geben, um eines davon\nwahrnehmen zu k\u00f6nnen. Und aus Zweien entsteht dann ein Drittes und\ndaraus, wie es im Zen hei\u00dft, die Welt. Aber die Welt ist trotzdem\nnur Eines, und dieses Wissen im Hintergrund zu halten und doch in\nTeilungen zu denken ist das gro\u00dfe Problem der spirituellen Suche\n\u00fcberhaupt. \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun sind\nTranszendenz und Immanenz ja Gegens\u00e4tze, die beide bis zum Einen hin\ngedacht, aber nicht denkend realisiert werden k\u00f6nnen. Daher\nversuchen beide Richtungen, das Denken auf die eine oder andere Art\nauszugrenzen, auszuschlie\u00dfen. Aber im Einen geht ausschlie\u00dfen ja\neigentlich ebenfalls nicht. Daher versucht der Weise auch nicht, das\nDenken auszuschlie\u00dfen, sondern zu vereinen. Und die Mittel zu diesem\nzun\u00e4chst als unm\u00f6glich zu bezeichneten Sehen ist der Versuch, das\nDenken in Gegens\u00e4tzen und Wertungen, die ja ebenfalls immer etwas\nausschlie\u00dfen, zu meiden, soweit das eben m\u00f6glich ist. Dies gelingt\nin der Annahmen der Wandlung, die immanent gedacht, sowohl das eine\nwie das andere als vorhanden betrachtet, aber durch den Abstand der\nWandlung jeweils immer nur eines von beiden zur Existenz kommen\nl\u00e4sst, das andere aber denkend als immanent mit einbezieht. So kann\neine Aussage heute richtig, aber morgen bereits falsch sein, kann ein\nRat f\u00fcr den einen richtig, f\u00fcr einen anderen aber falsch sein. Da\nnichts von Bestand angenommen wird, ist nichts als Gesetz, Regel oder\nSein festgelegt. Alles besteht in Abh\u00e4ngigkeit zu anderen. Daher\nkann es f\u00fcr Weisheit auch keine Regeln, keine Festlegungen, keine\nGrunds\u00e4tzlichkeit geben. Alles steht zu etwas in Abh\u00e4ngigkeit, um\nexistent zu sein. Die Fachwelt nennt das relativierend denken. Es\ngibt nur endlose Relationen, keine feste Substanz. Daher auch die\nAussage, das im Grunde genommen alles leer ist, da nichts, was\nexistiert, ewig andauern kann. Alles ist im Fluss, oder besser gesagt\nim Wandel. Niemand kann sagen, wann dieser Wandel einsetzt und wie\nlange er andauert. Und da nichts ewig ist, was vergehen kann, kann\ndas alles auch leer genannt werden. Und so ist auch der Satz zu\nverstehen, das \u201enur die Leere existiert\u201c, denn ewig ist nur das,\nwas nicht vergehen kann. \u201eSein an sich\u201c, das ist die Lehre der\nWeisheit, gibt es nicht und kann es sogar gar nicht geben. Kein Gott,\nkein Selbst, kein Atman und keine Monade wird ewig andauern, kein\nVerstand, keine Vernunft und kein Sein kann als ewig g\u00fcltig\nangenommen werden. Sein kann nur etwas in Bezug zu anderen. Dazu aber\nkann es nicht auf Das Eine reduziert werden. Es kann nur in Relation\ngedacht werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir uns in\nSpiritualit\u00e4t bewegen, muss und sollte uns dieser Konflikt in jedem\nFall klar vor Augen stehen. Das Eine ist und bleibt im Hintergrund,\nimmer, ist nicht fassbar und nicht vermittelbar. Und ab zwei erst ist\nDialektik, also Denken \u00fcberhaupt m\u00f6glich. Wir k\u00f6nnen uns daher der\nWirklichkeit, der Wahrheit denkend nur ann\u00e4hern, aber das Ziel nie\nerreichen. Und nur, wer bereit ist, das auch zu verstehen, kann weise\ngenannt werden. Die spirituelle Suche bleibt daher immer ohne Ziel.\nEs ist der Weg, um den es geht, es ist das Fortschreiten auf einem\nWeg (&#8230;der kein Ziel haben kann, weil ein Ziel den Weg am Ende\nverl\u00f6schen lie\u00dfe&#8230;), auf dem spirituelle Suche stattfindet. \n<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F775&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F775&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D775&text=Spirituelle%20Suche%20und%20Weisheit\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D775\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der spirituellen Suche sprechen wir gerne, ausgel\u00f6st durch eine gro\u00dfe wahrgenommene Sehnsucht, von der Suche nach Einheit, Befreiung, Erl\u00f6sung, Erleuchtung, um durch deren Verwirklichung ins Wahre, Sch\u00f6ne, Gute oder auch nur in eine friedvolle Stimmung und Lebensf\u00fchrung zu kommen, die die Angst vor dem Tod oder dem Vergehen endg\u00fcltig zu besiegen und so der Welt, dem Lebendigen und uns selbst das wie immer gestaltete Paradies zur\u00fcckzuerobern verspricht. Das ist die Vision nahezu aller Befreiungs-Theorien, die die Welt und deren umfangreiche Literatur zu bieten hat. Ich m\u00f6chte nachfolgend einmal versuchen, etwas Struktur in diese Formen zu bringen und werde mich dann trauen, einige Begriffe und Annahmen kritisch zu hinterfragen. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":776,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[265,15],"tags":[273,275,274,266,272,271,267,270],"class_list":["post-775","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-denkreisen","category-philosophie-und-spiritualitat","tag-das-eine","tag-geistigkeit","tag-gott","tag-immanenz","tag-spirituell","tag-suche","tag-transzendenz","tag-weisheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=775"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/775\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":777,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/775\/revisions\/777"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/776"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}