{"id":849,"date":"2022-08-14T10:49:54","date_gmt":"2022-08-14T10:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=849"},"modified":"2026-10-17T14:28:50","modified_gmt":"2026-10-17T14:28:50","slug":"angst-sorge-macht-moderation-und-spiritualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=849","title":{"rendered":"Angst, Sorge, Macht, Moderation und Spiritualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Versuch einer Standortbestimmung\u2026 und ein Studienvorschlag ist der Kern dieses Artikels. Er besch\u00e4ftigt sich mit den Grundlagen unserer europ\u00e4isch-gep\u00e4gten Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir unsere Gewohnheiten genau betrachten, suchen wir bei Schwierigkeiten verallgemeinernd geschrieben immer nach dem einen Stein, der den Fluss unseres in-der-Welt-Seins in die Richtung gelenkt hat, in der er jetzt flie\u00dft. Wir nennen das gerne Kausalit\u00e4t, oder einfach ausgedr\u00fcckt: \u201eDer eine Fehler, die eine F\u00fcgung, das eine Gl\u00fcck und der eine Umstand, der den Ausschlag gab, die gerade jetzt wahrgenommene Richtung einzuschlagen\u201c und so unseren Standort zu definieren und zu gestalten. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weniger verbreitet, aber immer noch allgemein verf\u00fcgbar ist die Ansicht, das es auch mehrere Faktoren der oben genannten Art gewesen sein k\u00f6nnten, die diese Richtung ma\u00dfgeblich erzeugt hat. Und dann werden die einzelnen Motive aufgez\u00e4hlt, in eine zeitlich eingrenzende Reihenfolge gebracht und zu einem Gesamtbild geformt, das dann dazu verwendet werden kann, um diese Ereignisse entweder wieder und wieder zu wiederholen oder aber diese Ereignisreihe nicht weiter entstehen und wirken zu lassen. Das Gef\u00fcge, das so entsteht, ist die Grundlage des menschlichen Erfolges. Darauf beruht jede Zivilisation, jede Gesellschaft und alle Organisationsformen, zu der sich Menschen zusammenschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachten wir das an einem einfachen Beispiel. Eine Gruppe von Menschen wohnt\/haust irgendwo auf dieser Welt, sammelt, jagt und lebt ansonsten so in den Tag hinein. Die erbeutete Nahrung wird dann bei Bedarf in einen essbaren Zustand gebracht und vertilgt. Nach einer gewissen Zeit ergibt sich die Situation, das man einem der Mitglieder sein Essen wegnimmt, vielleicht weil er der Einzige war, der noch \u00fcber einen Vorrat verf\u00fcgte, und die Diebe stellen dann erstaunt fest, das dieses Essen ganz anders oder genauer gesagt viel besser schmeckt als das, was sie sonst zu verzehren pflegen. Also beschlie\u00dfen sie, das der Bestohlene k\u00fcnftig f\u00fcr alle kochen und zubereiten muss und entbinden ihn (vielleicht) daf\u00fcr von anderen T\u00e4tigkeiten. Er wird zum Koch der Gruppe, und zwar deshalb, weil er das besonders gut kann. Jedes Mal, wenn sich in der Folge dann eine andere Begabung eines Mitglieds herausstellt, handeln sie ebenso, und so entstand das Prinzip der Arbeitsteilung, das heute alle Gesellschaften auszeichnet. Die vielen Vorteile, die dieses Prinzip mit sich bringt, sind offensichtlich. Aber es birgt auch einige Nachteile, die sich mehr verborgen als offensichtlich allein schon durch M\u00f6glichkeiten der Vorteilsnahmen herausbilden. Stirbt der Koch, der J\u00e4ger, der Werkzeugmacher oder B\u00e4cker, dann muss diese T\u00e4tigkeit von anderen \u00fcbernommen werden. Das kann dazu f\u00fchren, das dann eine Zeit lang weniger Fleisch auf dem Speiseplan vorkommt, das Essen eine Zeitlang nicht mehr so gut schmeckt oder die Werkzeuge nicht mehr so brauchbar hergestellt werden k\u00f6nnen. Das sorgt f\u00fcr Unmut und schlechte Stimmung. Steht mal eine Zeitlang nur noch ein Spezialist zu Verf\u00fcgung, ist die Gefahr gro\u00df, das sich die St\u00e4rkeren der Gruppe seine Dienste sichern und die anderen weiter darben lassen. Es sch\u00e4lt sich eine Hackordnung heraus, die sich immer mehr festigt. Erst sind es die Starken, die sich die Vorteile sichern, dann kommen mit der Gr\u00f6\u00dfe der Gesellschaft wachsend die Begehrten hinzu, Beliebte, Witzige, Clevere, Schlaue, R\u00fccksichtslose und nicht zu Vergessen die Hinterlistigen, und die Liste der Begabungen, die zur Vorteilsnahme einladen, k\u00f6nnte seitenlang fortgesetzt werden. Aus der Hackordnung aus teilnehmenden Menschen entstehen Hackordnungen der Funktionen, die sich dann immer weiter auspr\u00e4gen in neue Wertigkeiten und Ordnungen. So entsteht aus einer Gesellschaft der Arbeitsteilung immer mehr ein Machtgef\u00fcge, das sich an den Begehrlichkeiten der Macht-Aus\u00fcbenden ausrichtet. Heutige Gesellschaften sind alle auf solchen Strukturen aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Mitglieder einer Gesellschaft heute verstehen m\u00fcssen\/sollten ist die permanente Anwesenheit dieser Struktur. Sie ist der Faden, der das Wollkn\u00e4uel entstehen l\u00e4sst, das wir heute so selbstverst\u00e4ndlich voraussetzen und das uns (scheinbar) nicht offenbar wird. Sie ist ja nicht falsch, diese Ordnung, denn die Menschheit als Ganzes w\u00e4re heute nicht das, was sie ist ohne diese h\u00e4tte erreichen k\u00f6nnen. Aber das Erkennen ist auch die Voraussetzung daf\u00fcr, diese Struktur immer wieder den Notwendigkeiten anzupassen, die ein Leben zwangsl\u00e4ufig mit sich bringt. Strukturen wie diese erfordern einen st\u00e4ndigen Anpassungsprozess. Sie sind, das zeigt die Geschichte der Menschheit mehr als deutlich, niemals fest und endg\u00fcltig. Mehr sogar, Gesellschaften sind dieser Prozess der st\u00e4ndigen Anpassung an die jeweilige Situation. Viele Gesellschaftsversuche der Vergangenheit sind doch gerade daran gescheitert, das sie nicht f\u00e4hig und in der Lage waren, diesen st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungsprozess in Gang zu halten. Griechen, R\u00f6mer, \u00c4gypter sind f\u00fcr das Europa der Mittelmehrregion die Eindrucksvollsten und Bekanntesten davon, wohl weil sie Zeichen und Schriften hinterlassen haben, die ihre Struktur f\u00fcr die Nachwelt nachvollziehbar machten. Andere V\u00f6lker haben nur wenig dauerhafte Spuren hinterlassen, waren aber nicht weniger erfolgreich. Und weitere V\u00f6lker haben Spuren hinterlassen, die wir hier in Europa nicht verstehen oder deuten k\u00f6nnen und die so f\u00fcr Europa wenig Einfluss haben konnten. Ich denke dabei an China und weitere V\u00f6lker Asiens, Afrikas und Amerikas und der eher als unbewohnbar erscheinen Gebiete der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir zur\u00fcck zur entscheidenden Aussage der letzten Abschnitts: Das Verstehen-M\u00fcssen der Strukturen, in denen wir Menschen leben. Daran hapert es nach meiner Auffassung in der heutigen Zeit in nahezu allen Gesellschaften auf der Weltkugel. Das ist so, weil Europa und seine Menschen seit Jahrhunderten ihr Verst\u00e4ndnis ihrer Struktur\/Kultur erfolgreich in die Welt hinaustragen und dabei nur wenige bis gar keine Anstrengungen unternahmen, fremde Kulturen zu verstehen, sondern sich damit begn\u00fcgten, diese lediglich zu erobern und in ihrem Sinne zu formen. Das Motiv war und ist es auch heute noch Ausbeutung, ein Prinzip, das die Eroberer im Verh\u00e4ltnis Mensch-Natur erfolgreich angewandt hatten und das mit der Seefahrt auf Menschen anderer Weltregionen ausgedehnt wurde. Was sie dabei angerichtet haben, was sie zerst\u00f6rt haben und was dabei verlorenging, ist unsch\u00e4tzbar gro\u00df. Auch andere V\u00f6lker, denken wir nur einmal an die Bewohner der Osterinseln, haben wie Europa ihre Lebensgrundlage geschm\u00e4lert und sogar vernichtet. Das ist wahr. Aber niemand davon war so gro\u00dffl\u00e4chig \u201eerfolgreich\u201c wie die europ\u00e4ischen Eroberer. Wir finden die Ans\u00e4tze und Grundlagen europ\u00e4ischer Pr\u00e4gung in nahezu allen Regionen der Welt. Betrachten wir das heutige Europa, ehemals eine gr\u00fcne, von Wald \u00fcbers\u00e4te Weltregion mit optimalen Lebensbedingungen, m\u00fcssen wir erkennen, das Rodung, Rohstoffausbeutung und Umweltgestaltung den Kontinent f\u00fcr das Leben insgesamt betrachtet in eine monotone und feindliche Welt verformt haben. So war Spanien fr\u00fcher eine gr\u00fcne und dicht bewaldete Halbinsel. Gleiches gilt mehr oder weniger f\u00fcr die ganze Mittelmeerregion. Die Zahl der ausgestorbenen Arten geht in die Millionen, und mittlerweile m\u00fcssen Menschen immer mehr Aufgaben erledigen, die fr\u00fcher ganz von selbst geschahen. Bl\u00fcten best\u00e4uben, Boden d\u00fcngen, H\u00e4nge befestigen, Wassermassen b\u00e4ndigen, die klimatischen Bedingungen erhalten, die Fl\u00fcsse, Seen und Meere sch\u00fctzen und viele andere Erfordernisse der heutigen Zeit sind verursacht durch Unverst\u00e4ndnis und nicht einfach so entstanden. Die Ausrede, das wir es nicht besser wussten oder verstanden ist zwar im Kern richtig, aber ich lasse sie nicht mehr gelten, seit wir wissen k\u00f6nnen\/m\u00fcssen, das es so ist wie es ist. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir verstehen wollen, warum die europ\u00e4ische Kultur und Wirtschaftsweise so fatale Folgen f\u00fcr die Welt verursacht, m\u00fcssen wir auf die Grundlagen, besser gesagt auf die Setzungen zur\u00fcckgehen, die diese Kultur begr\u00fcnden. Viele unserem Denken zugrunde gelegten Motive stammen aus der griechischen Antike, wurden im Weltreich der R\u00f6mer weiter ausgeformt und dann durch die christliche Lehre weiter verdichtet. Sie beruhen nahezu vollst\u00e4ndig auf der Bereitschaft, einen Seins-Grund anzunehmen und \u00fcber diesem ein System zu errichten, das auf Kausalit\u00e4t beruht. Vom Feuer \u00fcber das Wasser gingen diese m\u00f6glichen Urgr\u00fcnde \u00fcber in Ideen und Monaden <sup class='footnote'><a href='#fn-849-1' id='fnref-849-1' onclick='return fdfootnote_show(849)'>1<\/a><\/sup>, Archetypen <sup class='footnote'><a href='#fn-849-2' id='fnref-849-2' onclick='return fdfootnote_show(849)'>2<\/a><\/sup> und Existenzialien <sup class='footnote'><a href='#fn-849-3' id='fnref-849-3' onclick='return fdfootnote_show(849)'>3<\/a><\/sup> und enden im Religi\u00f6sen mit dem Gef\u00fcge eines transzendenten Gottes, der \u00fcber die Welt wacht und der den eine Seele tragenden Menschen als H\u00fcter seiner Sch\u00f6pfung eingesetzt habe. Soweit eine mehr als grobe Aufz\u00e4hlung der europ\u00e4isch-geistigen Entwicklungsgeschichte. Fundamental daran ist die Annahme eines Urgrundes, der das Denken in die Lage versetzt, die Kausalit\u00e4tsreihe, die stets als gegeben angenommen wird, zu einem Ende zu bringen, die sonst als unendlich gesetzt werden m\u00fcsste. Daf\u00fcr wird dann jeweils ein gesetzter Urbegriff als eine Wirkung begriffen, die sich selbst als Ursache zugrunde gelegt sieht. Das kann ein Gott sein, die Seele, das Selbst, das Sein oder einfach auch der nur Urgrund. Dieses Postulat ist sozusagen \u201eder Fixpunkt im All, der das Universum aus den Angeln zu heben versteht\u201c, den Archimedes immer wieder ironisch betonte und zu finden oder zu erkl\u00e4ren versuchte. Er war sich aber klar dar\u00fcber, das dieser Fixpunkt nicht existiert, ja sogar, niemals existieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir auf die Grundlagen westlich-europ\u00e4ischen Denkens zur\u00fcck. Die S\u00e4tze dazu stammen aus der Feder von Aristoteles. Es sind deren vier, die alles bestimmen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Den Satz von einem Grund, der ausreichend fest sein muss (Fixpunkt).<\/li><li>Den Satz vom ausgeschlossenen Dritten (Es gibt nur Seiend oder Nicht-Seiend).<\/li><li>Den Satz vom der zwingenden Widerspruchsfreiheit (Seiend kann nicht Nicht-Seiend sein).<\/li><li>Den Satz der Identit\u00e4t (Jedes Seiende ist sich selbst).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Satz von Grund wurde bereits beschrieben. Wenn wir Kausalit\u00e4t beibehalten, m\u00fcssen wir irgendwo und irgendwann den Punkt finden, in dem alles endet. Das muss dann eine Wirkung sein, die sich selbst Ursache ist. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten sagt aus, das man nicht gleichzeitig etwas sein und etwas nicht-sein kann. Das Glas ist entweder gef\u00fcllt oder leer? Da wird es schon schwierig. Was ist mit halb-gef\u00fcllt oder halb-leer? Oder es hei\u00dft, der W\u00fcrfel ist rot. Aber es gibt Lichtverh\u00e4ltnisse, wo bestimmtes Licht einen sonst roten Gegenstand andersfarbig aussehen l\u00e4sst. Oder nehmen wir den Gegensatz Mann-Frau. Da sind wir heute bereits weiter. Der Satz der Identit\u00e4t sagt aus, das sich zwei materialisierte Gegenst\u00e4nde oder Wesen sich mindestens in einer Eigenschaft oder einem Bezug unterscheiden m\u00fcssen. Zwei vollkommen gleiche Dinge k\u00f6nnen nicht auf exakt dem gleichen Punkt im Raum stehen, sonst w\u00e4ren sie nicht Zwei. Das soll zun\u00e4chst einmal gen\u00fcgen, um zu beschreiben, worum es bei der Betrachtung geht. Schon Klaus Heinrich <sup class='footnote'><a href='#fn-849-4' id='fnref-849-4' onclick='return fdfootnote_show(849)'>4<\/a><\/sup> fragte nach, wof\u00fcr diese Formeln eigentlich stehen sollen, wogegen sie sich eigentlich wehren. Warum sei das Gegenteil nicht zul\u00e4ssig, warum muss das Dritte ausgeschlossen sein und was k\u00f6nne dieses Dritte eigentlich sein. Warum muss\/soll ich Widerspruch vermeiden und was w\u00e4re, wenn ich das zulie\u00dfe? Und warum man Identit\u00e4t behaupten m\u00fcsse, erschloss sich ihm wie mir auch nicht. Diese vier S\u00e4tze sind gesetzt, wie der Name schon sagt. Was bedeutet \u201esetzen\u201c in diesem Sinne?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen wir kurz in die Mathematik. Bei einer Iteration, die zur Aufl\u00f6sung von Gleichungen mit drei Unbekannten herangezogen werden kann, wird stets eine Unbekannte gesetzt. So werden aus drei Unbekannten zwei und die Aufl\u00f6sung kann erfolgen. Der gesetzte Wert stimmt aber nicht. Aus dem Ergebnis der Aufl\u00f6sung mit zwei Unbekannten aber kann ersehen werden, wohin sich der gesetzte Wert bewegen muss, um zu einem m\u00f6glichen Wert zu kommen. Durch st\u00e4ndige Wiederholung und Korrektur des Setzwertes kann dann eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Ann\u00e4herung an das \u201erichtige\u201c Ergebnis erzielt werden. Wie gesagt war das eine Setzung und zwei verbleibende Unbekannte. In der Welt der Dinge aber gibt es zumindest schon vier Setzungen (s.o.), die unsere Logik begr\u00fcnden, und der Dinge gibt es Unz\u00e4hlige. Sind Dinge feste Gegenst\u00e4nde mit einer Erscheinungsdauer, bleibt es noch einfach. Wenn wir aber in die Philosophie eintauchen und uns mit Erscheinungen des Lebensgef\u00fcge von Menschen auseinandersetzen (Zu beachten ist das Setzen in der Auseinandersetzung\u2026), werden die zu befragenden Dinge und mehr noch die Setzungen mehr und mehr ungreifbar (Niemand kann sie ergreifen\u2026) Zu diesen geh\u00f6ren Gott, Vernunft, Sein, Seele, Unbewusstes, u.s.w. Nun ist doch erst mal die Frage zu kl\u00e4ren: Stimmen diese Setzungen?\u201c Nehmen wir den christlichen Glauben. G\u00e4be es keinen Gott in der Transzendenz <sup class='footnote'><a href='#fn-849-5' id='fnref-849-5' onclick='return fdfootnote_show(849)'>5<\/a><\/sup>, br\u00e4che das ganze christlich-theologische Ger\u00fcst zusammen. Um das Ger\u00fcst zu erhalten, m\u00fcssen wir glauben, d\u00fcrfen wir nicht zweifeln, ist es nicht erlaubt zu hinterfragen. Ist das aber mit dem Begriff der Freiheit der Menschen und seiner W\u00fcrde vereinbar? Und was beschreiben <strong>Freiheit und W\u00fcrde<\/strong> eigentlich? Auch hier werden wir von Definition zu Definition gelangen, werden Setzungen die Basis des Befragen-K\u00f6nnens bilden. Was w\u00fcrde denn erscheinen, wenn wir alle Setzungen in Frage stellen oder sie im Nachdenken sogar weglassen? K\u00f6nnten wir dann noch unsere Sprache beibehalten? G\u00e4be es Sprache noch? G\u00e4be es weiterhin Ortungsprinzipien, nach denen wir uns richten k\u00f6nnen? G\u00e4be es Schutz vor Gewalt, Verbrechen, Macht? Ist Gewalt und Verbrechen nicht auch Machtaus\u00fcbung, und weiter gefragt, kann Machtaus\u00fcbung vor Macht sch\u00fctzen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht halten Sie jetzt inne und kommen zu der Frage, ober der Schreibende hier nicht einfach nur frech, kindlich oder sogar zersetzend unterwegs ist. Wo bliebe die Sicherheit, die Ordnung, die Orientierung, wenn wir dieses alles aufgeben? Die Antwort darauf ist sehr einfach und stellte sich schon oben in den Fragen ein: Etwas \u201ein Frage stellen\u201c und \u201eim Nachdenken etwas aufgeben\u201c hei\u00dft doch nicht, eine Revolution einzuleiten, alles umzusto\u00dfen und das Neue sogleich in die Realit\u00e4t umzusetzen. Nehmen wir die Gewalt im Alltag, die sich in vielen Formen h\u00f6chstwahrscheinlich einstellen w\u00fcrde, wenn es keine Polizeigewalt g\u00e4be, die das zu verhindern versteht. Wir setzen also Gewalt gegen Gewalt ein. Aber Gewalt\/Macht auf der einen Seite erzeugt immer Ohnmacht auf der anderen Seite. Wie viel Ordnungsmacht ist also wirklich notwendig? <sup class='footnote'><a href='#fn-849-6' id='fnref-849-6' onclick='return fdfootnote_show(849)'>6<\/a><\/sup> Macht aber wird nicht nur durch Polizei ausge\u00fcbt. Auch Vorgesetzte haben Macht, Amtstr\u00e4ger verf\u00fcgen \u00fcber Macht, Geldbesitz erzeugt Macht, Wissenschaft verf\u00fcgt \u00fcber Macht und die meisten Menschen weichen einer auf sie gerichteten Machtaus\u00fcbung gerne aus, auch wenn sie als gerechtfertigt daher kommt. Ich behaupte, sie f\u00fchlen ihre Ohnmacht, und das erzeugt Angst. Oder nehmen wir die Stra\u00dfenverkehrsordnung. Ohne diese w\u00fcrde Chaos und Willk\u00fcr auf den Stra\u00dfen herrschen? Ein Ort in Deutschland hat den Versuch gemacht, in der Innenstadt alle \u201eRegeln durch Schilder und Ampeln\u201c abzuschaffen <sup class='footnote'><a href='#fn-849-7' id='fnref-849-7' onclick='return fdfootnote_show(849)'>7<\/a><\/sup>, und siehe da, es wurde langsamer gefahren, es kam zu weniger Unf\u00e4llen und der Verkehr lief trotzdem fl\u00fcssiger, weil weniger Wartezeiten auftraten. Sogar Fu\u00dfg\u00e4nger f\u00fchlten sich sicherer. Das hat eine Untersuchung der Hochschule dort sogar wissenschaftlich belegt. Wir m\u00fcssen erfragen oder hinterfragen, ob unsere Ordnungsprinzipien wirklich sinnvoll sind oder nicht. Schauen sie in Bilder einer indische Gro\u00dfstadt. Der Verkehr dort ist unertr\u00e4glich dicht, es bestehen wenige Regeln und es funktioniert irgendwie doch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun kann dieses Thema immer weiter ausgef\u00fchrt werden und wir k\u00e4men auch in der Gr\u00f6\u00dfe einer Enzyklop\u00e4die nicht zu einer L\u00f6sung, die Grundlage der Umgestaltung einer Gesellschaft werden k\u00f6nnte. Nun beabsichtige ich das auch gar nicht. Ich frage eher nach dem was falsch ist in den Grundz\u00fcgen unseres Denkens. Die Frage ist doch nicht zuerst: Was macht uns Angst? Die Frage ist doch eher so zu stellen: Was ist Angst? Und eine andere Frage ist nicht: Was will ich (f\u00fcr ein Leben f\u00fchren)? Die Frage ist zun\u00e4chst: Was ist Leben? Die Frage ist auch nicht: Wer bin ich? Die Frage ist: Wer stellt diese Fragen? Damit muss ich mich besch\u00e4ftigen, bevor ich nach L\u00f6sungen suche. Nun k\u00f6nnte ich einfach sagen, diese Fragen stellt mein Selbst, meine Vernunft, meine Seele oder die Monade, und sie richtet sich an Gott, den Sch\u00f6pfer oder das Universum. Und ich harre der Dinge und warte auf die Antwort, die sich mir irgendwie und irgendwann erschlie\u00dft. Ich h\u00f6re eine Predigt, lese ein Buch, h\u00f6re eine Anleitung, habe eines Geistesblitz (Intuition, F\u00fchrung) und die Antwort erscheint. Wirklich? Wie viele Setzungen waren in der Antwort enthalten? Sind diese Setzungen richtig? Und ich stelle meine Fragen erneut und bekomme andere Antworten, die wiederum Setzungen enthalten. Und so dreht sich die Scheibe immerzu und nach Monaten und Jahren habe ich mich nicht von der Stelle zu bewegen vermocht. Bei mir zu Hause stehen hunderte m\u00f6glicher Antworten auf ebenso viele Fragen in Billy-Regalen und die B\u00fccher dazu f\u00fcllen Listen, die ich mittlerweile elektronisch verwalten muss, da mir l\u00e4ngst der \u00dcberblick verlorengegangen ist. Haben sie mich weitergebracht? Ich f\u00fcrchte: Nein. Aber ich bin zu der \u00dcberzeugung gelangt, das sie mir halfen, Fragen zu stellen, besser, konkreter, genauer, die an mich selbst gerichtet Setzungen aufsp\u00fcren und sodann hinterfragen. Ich fand unz\u00e4hlige davon, und ich f\u00fcrchte, ebenso viele oder mehr stehen mir noch bevor. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein paar Antworten, die zu Ergebnisse gef\u00fchrt haben, m\u00f6chte ich kurz ausf\u00fchren, da deren Inhalte sich bew\u00e4hrt haben. Beginnen wir mit der <strong>Angst<\/strong>. Die Angst ist ebenso wie der Schmerz eine Grundmotiv menschlichen Lebens. Wir wissen doch nach wie vor nicht, was im oder nach dem n\u00e4chsten Atemzug geschieht, k\u00f6nnen es nicht wissen, da unser Leben endlich ist und der Zeitpunkt des Endes des Andauerns sich uns nicht erschlie\u00dft. Alle m\u00f6glichen Antworten darauf erwiesen sich bisher als von Setzungen gegr\u00fcndet. Angst zeigt sich in vielen Situationen, und das scheint gut zu sein, weil sie erst das Fragen, vom dem ich sprach, m\u00f6glich macht. Ich stehe hier zu einer Aussage Heideggers, das Angst zu empfinden und auszuhalten die T\u00fcre \u00f6ffnen kann, die entbergt, das sie hinter dem Seienden das Sein zu entdecken vermag, das sich gew\u00f6hnlich dort verbirgt. Und das, sollte es eintreffen, so hoffe ich oftmals, wird mir die eine oder andere Frage zus\u00e4tzlich beantworten, wird sie in die richtige Form bringen oder mir das Leben vor der Angst n\u00e4herbringen. Mit dem <strong>Schmerz<\/strong> verh\u00e4lt es sich ebenso wie mit der Angst. Nur ist Schmerz viel offensichtlicher, bei weitem nicht so verborgen und weniger verstrickt. Schmerz zeigt an, das etwas nicht (mehr) stimmig ist, das der K\u00f6rper zum Beispiel verletzt ist oder seine Funktionen nicht wahrnehmen kann, das eine Lebenssituation psychisch-seelisch so aus den Fugen geraten ist, das das Geschehen als Schmerz (Trennungsschmerz, Heimweh, Verrat, Beleidigung) wahrgenommen wird. Ich w\u00fcrde sogar sagen, das Wut und Zorn mit Schmerz direkt verwandt sind oder gemeinsame Wurzeln haben. Darauf verweisen auch die schwachen Stimmungen, die sich aus den drei genannten starken (Schmerz, Wut, Zorn) ableiten. Wir k\u00f6nnen sie Unwohlsein, Aufbegehren und Einforderung nennen und sie somit als die zivilisiert-erlaubten Ableger der drei ansehen. Auch das gegenl\u00e4ufige Konstrukt birgt eine Stimmungen, nur geht sie in eine andere Richtung. F\u00fchlen sich Schmerz und Ableger als zunehmend nagend an, weisen aber immer noch eine Gegenreaktion auf, so sind Trauer und ihre Verwandten (Depression, Antriebslosigkeit) mehr d\u00e4mpfend und gehen vielleicht sogar unter die Linie der Wahrnehmung, die unser Lebensgef\u00fcge als normal ansieht. Sie machen hilflos, lassen kein Aufbegehren (mehr) zu <sup class='footnote'><a href='#fn-849-8' id='fnref-849-8' onclick='return fdfootnote_show(849)'>8<\/a><\/sup>. Ich glaube hier an einem Punkt zu sein, an dem ich den n\u00e4chsten Sprung wagen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen ein Leben in nahezu allen Situationen, die uns begegnen, immer als grunds\u00e4tzlich \u201eaufbegehrend\u201c beschreiben. Wir reagieren aufbegehrend auf Bed\u00fcrfnisse mit dem Ziel, diese zu stillen, also entweder \u201estill\u201c werden zu lassen oder gar zu \u201es\u00e4ttigen\u201c, was die Stimmung im ersten Fall auf Normalnull zu d\u00e4mpfen oder wie im zweiten Fall sogar \u00fcber das Normal zu heben vermag. Denken wir an den Hunger, der still wird, wenn ich etwas Essbares zu mir nehme oder der bei ausreichender und besonders angefragter Kost sogar zu einem hoch stimmigen Wohlsein f\u00fchrt. Nahrungsaufnahme, Befriedung der Sexualit\u00e4t, dazu beizutragen, sich angenommen, geliebt und gebraucht f\u00fchlen zu k\u00f6nnen, Vergn\u00fcgen empfinden, Recht gehabt zu haben, weder Angst noch Furcht haben zu m\u00fcssen und\/oder auf einem Siegertreppchen zu stehen sind solche Begebenheiten, die durch <strong>Aufbegehren<\/strong> erschlossen werden. Sogar sich zur Wehr zu setzen, sich zu entziehen, sich zu gedulden, sich zur\u00fcckzunehmen, sich zu sch\u00fctzen, sich zu produzieren, sich herauszustellen, sich zu rechtfertigen, etwas zu w\u00fcnschen, zu hoffen, zu gew\u00e4hren u.s.w. lassen alle sich als in letzter Konsequenz als Begehren erkl\u00e4ren. Begehren ist eines, wenn nicht sogar das Grundmotiv des Lebens. Dieses richtet sich nach den Gegebenheiten und M\u00f6glichkeiten, Begehren zu k\u00f6nnen und zu deren Befriedung zu gelangen. Der L\u00f6we in der Savanne begehrt das zur Nahrungsbefriedung notwendige Zebra\u2026 nur dann, wenn er Hunger hat. Satt kann er inmitten einer Zebraherde ruhig schlafen. Beim Menschen s\u00e4he das wohl anders aus, weil dieser sein Begehren auch auf Zuk\u00fcnftiges richten k\u00f6nnte. Er wei\u00df, das er auch morgen wieder Hunger haben wird und versucht daher schon heute ein Tier zu erlegen, auch wenn er sich gerade satt f\u00fchlt. Die gro\u00dfe Masse aller Lebewesen kann diese Form der Vorsorge nur begrenzt oder gar nicht betreiben. Hier ist der Mensch die gro\u00dfe Ausnahme, \u00fcberragt er in seinem Begehren-k\u00f6nnen alle anderen Lebewesen. Pflanzen begehren ebenfalls, wie jeder im Garten oder Wald erkennen kann. Ihr Begehren sucht durch Wurzelbildung nach Wasser, sucht durch Wachstum nach ausreichendem Zugang zu Sonne und Licht. Tiere verbringen den Gro\u00dfteil ihres Lebens mit der Suche nach Nahrung, jagend oder \u00e4send. Was beide Genannten vermissen lassen ist das Motiv der <strong>Sorge<\/strong>, das sich in Vermeidung, Vorsorge und Absicherung ausdr\u00fcckt. Der Mensch ist, wie die Beschreibung belegt, ein\/der Meister des Begehrens und der (Vor)Sorge. Daf\u00fcr grenzt er den ihm zug\u00e4ngliche Weltausschnitt ein, er ergreift Besitz und verteidigt diesen gegen\u00fcber allen anderen. Selbst innerhalb der Gemeinschaften, die zunehmend gr\u00f6\u00dfer werden, hat sich dieses Prinzip heute durchgesetzt. Waren fr\u00fchere Gemeinschaften noch gemeinsam agierende Kommunen, finden sich Menschen heute zunehmend als Alleinstehend in ihrer Welt wieder. Dieses Alleinsein, das keine Macht auszupr\u00e4gen in der Lage ist, wiederum erzeugt Ohnmacht und weitere Angst, die sich immer weiterf\u00fchrend in Sorge ausdr\u00fccken wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fassen wir in aller K\u00fcrze zusammen. Der Mensch kann Angst und Schmerz empfinden, und aus diesem Verm\u00f6gen heraus entwickelt er ein Begehren, das aus der Summe aller Lebewesen an Gr\u00f6\u00dfe und Umfang mehr als einzigartig herausragt. Dieses \u00fcbergro\u00dfe Begehren l\u00e4sst das entstehen, was wir in den verschiedenen Formen der Sorge wiederfinden. Diese Sorge wird vom Menschen derart aufgenommen, das er Gemeinschaften bildet, um sich besser in der Welt behaupten k\u00f6nnen. Diese Gemeinschaften wiederum erm\u00f6glichen\/erfordern Arbeitsteilung, Spezialistentum, Rollenverteilungen und bedingen Besitzverh\u00e4ltnisse. Zur Organisation derselben muss dann zwangsl\u00e4ufig ein Machtgef\u00fcge ausgebildet werden, um die vielf\u00e4ltigen und unterschiedlichen Vorg\u00e4nge steuern zu k\u00f6nnen. Aus diesem Machtgef\u00fcge heraus entwickeln sich Hackordnungen, die wiederum Angst und Schmerz auszul\u00f6sen verstehen und sich in zus\u00e4tzliche Sorgen verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der heutige Stand der Menschheit und damit das gro\u00dfe Problem unserer Welt, denn Sorge, Angst und Schmerz in der Menschheit haben ein Ausma\u00df angenommen, das die Grenzen des sich selbst regulierenden Systems namens Leben auf unserem Planeten zu sprengen vermag. Diese Spiralen aus Begehren, Zusammenarbeit, Machtaus\u00fcbung, Eingrenzung erzeugen mehr und mehr die Motive Angst und Sorge, zu deren Vermeidung diese Spiralen einst in Gang gesetzt wurden. Der Mensch hat mit seiner Zivilisation, die sich durch Ausgrenzung der Natur und Ausbeutung derselben einschlie\u00dflich des Menschen selbst durch sich selbst einen Kreislauf erzeugt, der immer weiter in die genannten Spiralen gehen muss. Die Beweisf\u00fchrung dieses Artikels sehe ich als eine\/die Lagebeschreibung an, zu deren L\u00f6sung ein Schreiben wie das Gelesene beitragen kann und soll. Zu Verstehen \u201eWas-Ist\u201c ist immer die Grundlage, \u00c4nderungsm\u00f6glichkeiten zu erforschen und zu benennen. Wir k\u00f6nnen ein Lebensgef\u00fcge nicht \u00e4ndern, wenn wir nicht verstehen, wo wir uns gerade befinden und wie das Bestehende funktioniert. Die Kreis- und Spirall\u00e4ufe m\u00fcssen durchbrochen oder angehalten werden, wenn sich etwas befrieden soll. F\u00fcr mich sind die Vorstellungen, die sich in \u201eBegehren\u201c ausdr\u00fccken, der Schl\u00fcssel dazu. Nur das Hauptmotiv selbst l\u00e4sst eine nachhaltige \u00c4nderung zu. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich beginne neu. Das bisher geschriebene steht f\u00fcr die Welt, die ich vorfinde, ja vielleicht sogar schaffe mit meiner vorgegebenen Wahrnehmung, meiner immerzu trennenden Sprache und den Setzungen einer, nein, heute sogar mehrerer Traditionen, die weit \u00fcber das mir Bekanntgewordene hinausreicht. Sie alle suggerieren mir Begehren, verschreiben mir Tun-m\u00fcssen, beschreiben mir Denken-m\u00fcssen, verpflichten mich aus einer Angst heraus zur Sorge. Aber wovor soll Angst herrschen, wovor soll Sorge sch\u00fctzen? Ist Begehren wirklich das Ma\u00df aller Dinge, leben wir, um zu begehren? Leben wir, um die Fr\u00fcchte unseres Begehrens zu ernten, zu genie\u00dfen oder zu erdulden? Oder macht unser Begehren, durch die Angst, die es erzeugt durch die M\u00f6glichkeit des Nicht-Gelingens, nicht erst das sichtbar, was in spirituellen Praktiken herausgekitzelt, hervorgebracht oder entborgen wird? Gehen wir also doch einmal davon aus, das Begehren die menschliche Neigung ist, die ihn genau zu dem bef\u00e4higt, was mit der spirituellen Praxis hervorgehoben werden soll. Muss dann nicht, um den Spiralen und Kreisen, die oben beschrieben wurden, zu entgehen, nicht noch etwas dazu kommen, noch etwas wirken, um die Wiederkehr des Ewig-Selben zu vermeiden? Was k\u00f6nnte das sein? Welche Neigung, welche F\u00e4higkeit, welche Gabe k\u00f6nnte das bewirken? Es d\u00fcrfte nichts absolut Neues sein, d\u00fcrfte die eingeschworenen Besitzt\u00fcmer und Gewohnheiten nicht allzu sehr bedrohen, d\u00fcrfte in allen Traditionen nur mit \u00fcberwiegend positiv besetzten Inhalten gef\u00fcllt sein, d\u00fcrfte aber hier und da die Negation nicht ausschlie\u00dfen. Und das Gesuchte sollte f\u00e4hig sein anzukn\u00fcpfen an die bestehenden Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse gleich welcher Art diese auch sein m\u00f6gen. Das einzige gefl\u00fcgelte Wort dazu, das mir einf\u00e4llt, ist Ma\u00df halten oder \u201ema\u00dfvoll\u201c im Sinne von moderat und\/oder \u201enicht \u00fcbertrieben\u201c. Leider hat unserer deutscher Wortschatz das Ma\u00df halten nicht mehr in seiner Liste stehen. Ich nehme daher f\u00fcr k\u00fcnftige Beschreibungen das Wort \u201e<strong>moderat<\/strong>\u201c, das im Duden f\u00fcr gem\u00e4\u00dfigt und ma\u00dfvoll steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bedeutet moderat vorgehen im oben genannte Sinne, wenn wir \u00fcber Kausalit\u00e4t, also das Ursache-Wirkung-Prinzip sprechen, wie es am Anfang im ersten Kapitel beschrieben wurde? Dementsprechend muss alles, was wir einer Wirkung zuschreiben, aus einer Ursache erwachsen. Nun gibt es aber als Ursachen meist viele M\u00f6glichkeiten und Menschen haben die Neigung, uns die uns gef\u00fcgigste herauszusuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Exkurs:<\/strong> Nehmen wir das Ergebnis einer Analyse als Beispiel. Ein Ergebnis zeigt Daten, die ungew\u00f6hnlich sind und so eigentlich nicht auftreten d\u00fcrften, wenn das gepr\u00fcfte Material \u201ein Ordnung\u201c (&#8230;spricht f\u00fcr sich\u2026) sein soll. In einer sachgerechten Analytik w\u00e4re es daher notwendig, alle M\u00f6glichkeiten durch Versuchsanordnungen zu \u00fcberpr\u00fcfen, bis der Fehler gefunden wurde. Das k\u00f6nnen in der Summe sehr viele werden. In der Regel der Wirtschaftlichkeit wird das vermieden, indem das gesamte Material entweder verworfen wird (&#8230;, da \u00fcberpr\u00fcfen meist teurer als ersetzen ist\u2026) oder aber irgend eine M\u00f6glichkeit der Pr\u00fcfmethode in einem Fehlerprotokoll einfach gesetzt wird und somit das Ergebnis aus der Reparatur\/Studie, zu der die Analyse diente, herausgel\u00f6st und ignoriert werden kann (willk\u00fcrliche Setzung). Nun wird jeder vermuten, das die erste L\u00f6sung der Standard sein sollte? Weit gefehlt, in meiner Erfahrung ist die willk\u00fcrliche Methode eher als Standard anzusehen. Wie oft, frage ich, hat man ein Ger\u00e4t zur Reparatur gebracht und nach dem erstmaligen Anschalten stellt sich heraus, das es noch immer genau so klappert wie zuvor. Ein Teil wurde zwar ersetzt, aber eben gerade das nicht, der das uns\u00e4gliche Klappern verursachte. Halten wir fest: Menschen neigen bei komplexen Probleml\u00f6sungen gerne und oft zu willk\u00fcrlichen Setzungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Des Weiteren sind\/neigen kausale Wirkungsketten, die Menschen nachzuvollziehen sich bem\u00fchen, ein hochgradig verzweigte und verwickelte Gebilde. Eine wahrgenommene Wirkung kann viele Ursachen haben, nicht nur die eine, die wir vordergr\u00fcndig als gegeben wahrnehmen. Schon kleine und eher winzige Beigaben k\u00f6nnen gro\u00dfe unvorhersehbare Wirkungen entfalten. Der mythische Schmetterlings-Fl\u00fcgelschlag, der ein Erdbeben ausl\u00f6st, ist daf\u00fcr sozusagen das narrative Maximum. Was aber w\u00e4re denn gegeben, wenn wir auf die grunds\u00e4tzliche Verwendung der Kausalit\u00e4t verzichten w\u00fcrden und sie als einen Sonderfall ansehen w\u00fcrden, der nur bei rein praktischen und technischen Dingen hier und da zu Anwendung k\u00e4me? Das Lebendige sozusagen, das Organische w\u00fcrde nur zum Teil, das psychische aber nur selten diesem Prinzip unterworfen sein. An dessen Stelle w\u00fcrde das Prinzip des Prozesses stehen, der nirgend wo und nirgend wann anfing und endet? Und Lebewesen sind Teil und Ganzes dieses Prozesses zugleich, wie das im Taoismus als g\u00fcltig angesehen wird. Dann g\u00e4be es keine Ereignisse mehr, die sich in Ursachen und Wirkungen unterteilen lie\u00dfen. Dann g\u00e4be es nur den Strom des Lebens, der Tendenzen und Neigungen zeitigt und nur dar\u00fcber beeinflusst oder gegl\u00e4ttet werden k\u00f6nnte. Und darin sollte\/m\u00fcsste sich der Mensch moderat verhalten, sollte Handlungen und Methoden meiden, die zu Ohnmacht, Hass, Ablehnung und dergleichen beitragen k\u00f6nnen und sollte sich eher im Sinne von Nicht-Tun, Nicht-Handeln oder Wu Wei bewegen, wobei dieser Begriff gekl\u00e4rt werden muss. <sup class='footnote'><a href='#fn-849-9' id='fnref-849-9' onclick='return fdfootnote_show(849)'>9<\/a><\/sup> Die Frage stellt sich, ob nicht erwogen werden sollte, das Prinzip, das Wu Wei zugrunde liegt, doch hier und da auf das menschliche Denken auch in Europa anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gemeinschaften<\/strong> bilden sich aus vielen, oftmals sehr unlogischen Gr\u00fcnden. Der gemeinsame Feind l\u00e4sst Feinde auch schon mal zu Verb\u00fcndeten werden, sagt ein Sprichwort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Exkurs:<\/strong> Oftmals verbinden sich Menschen in Familien zu einer Gemeinschaft, die eben gerade nicht auf Mitgef\u00fchl und Vertrauen beruht. Das ist kein modernes Ph\u00e4nomen, das gibt es seit den Anf\u00e4ngen der Geschichtsschreibung. Auch heute noch wird einer Freundschaft oftmals weniger Bindung zugetraut als einer Blutsverwandtschaft. Ehen wurden zum Beispiel lange Zeit aus machtpolitischen und wirtschaftlichen Motiven gestiftet. Liebe und gegenseitiges Vertrauen sind sehr modernen Ph\u00e4nomene und stehen noch nicht lange in hohem Kurs. Auch bilden sich Gemeinschaften heraus, ohne das diese irgendwie beabsichtigt oder begr\u00fcndet werden. Ehe sich der Einzelne versah, wird er einer Gemeinschaft zugeh\u00f6rig und kann sich aus dieser auch nicht mehr befreien. Viele Filme der Neuzeit befassen sich mit diesem Thema. Auch Staatsangeh\u00f6rigkeiten, Hautfarben, gemeinsames Erleben oder gemeinsame Interessen f\u00fchren zu Gemeinschaften. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage ist doch, wo beginnt Gemeinschaft und wo kann sie enden. Endet sie \u00fcberhaupt, oder sind Menschen nicht per se eine Gemeinschaft? Oder mehr noch, ist Leben auf diesem Planeten nicht per se eine Gemeinschaft? Geh\u00f6rt zu Gemeinschaft nicht auch das Prinzip \u201eLeben und Leben lassen\u201c grundlegend dazu. Wenn wir die Insekten ausrotten, wer best\u00e4ubt dann die Pflanzenbl\u00fcten, von deren Fr\u00fcchten letztlich auch Menschen leben? Wenn wir die Pflanzenwelt immer mehr einschr\u00e4nken, wer produziert dann den Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen und wie kann das CO<sub>2<\/sub> abgebaut werden, das uns ansonsten vergiften und ersticken w\u00fcrde\/wird, wenn das nicht (mehr) unsere Pflanzen \u00fcbernehmen (k\u00f6nnen)? Das Leben besteht doch aus Gleichgewichten. Lebewesen sind das Futter von Lebewesen. Die Gro\u00dfen fressen die Kleinen. Und alles Tote kehrt zur\u00fcck in die Welt den Kreislauf des Lebens. Es ist doch die Gemeinschaft des Lebens, dass wir sch\u00fctzen m\u00fcssen. Um selbst weiterleben zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen alle und alles weiterleben k\u00f6nnen. Die Entwicklungen\/Evolution sind\/ist doch niemals abgeschlossen. Das zu erkennen ist doch nicht schwer und auch nicht kompliziert. Was wir einf\u00fcgen sollten\/k\u00f6nnen ist \u201eMa\u00df halten\u201c (Moderation und\/oder Moderator <sup class='footnote'><a href='#fn-849-10' id='fnref-849-10' onclick='return fdfootnote_show(849)'>10<\/a><\/sup>) also daf\u00fcr sorgen, das sich Einzelne nicht \u00fcber alle anderen erheben und sie so ersticken. Wir Menschen aber sind untereinander und auch zu anderen schon auf dem Weg, dieser Einzelne zu werden oder sogar schon zu sein. Nur sehen wir uns selber nicht. Wir sehen nur die Anderen. Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren damit! Wir entscheiden doch heute nahezu weltweit, wer wann und wo und wie leben darf und wer nicht. Und wir beanspruchen soviel Lebensraum f\u00fcr uns allein, das sich viele Arten nicht mehr in Leben einfinden k\u00f6nnen und aussterben. Ich halte das f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte Problem der Menschheit heute. Wir m\u00fcssen entscheiden, ob wir so weitermachen wollen und wie wir unsere \u00dcbermacht z\u00fcgeln. Helmut Schmidt sagte einmal in einem Interview, das \u201edas ungebremste Wachstum der Menschheit das gr\u00f6\u00dfte Problem darstellt, das er sieht\u201c. Diese Aussage wurde \u00fcberh\u00f6rt, bereits vom Interviewer regelrecht ignoriert und in der Breite des Gespr\u00e4chs und der Diskussion dar\u00fcber niemals aufgegriffen. Wir Menschen vermeiden scheinbar gerne Erkenntnisse, deren Inhalte uns einengen, die unsere Begierden nicht zufriedenstellen oder unseren Anspr\u00fcchen die Rechtfertigung entziehen k\u00f6nnten. Wir sind blind auf den Augen der ganzheitlichen Sichtweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Halten wir einmal fest, was ausgesagt wurde auf den letzten Seiten und fassen nochmal kurz zusammen. Die Regeln von Logik und Sprache beruhen auf Setzungen, die aus dem Ganzen nur noch Teile beleuchten k\u00f6nnen. Das ist der blinde Fleck unter anderen auch der der Wissenschaften. Nicht anders sieht es aus in den gesellschaftlichen Formen, die ebenfalls auf Setzungen und weiterf\u00fchrend auf Erz\u00e4hlungen beruhen, die uns Formen vorgaukeln, die wir ohne das nie akzeptieren w\u00fcrden. Das beste Beispiel daf\u00fcr ist der Vorrang der Familie, die in nahezu allen Kulturen gepflegt wird. Weiterhin sind Gesellschaften der zur Zeit gewohnten Gr\u00f6\u00dfe nur mit Machtaus\u00fcbung und Machtstrukturen, sprich Hackordnungen aufrechtzuerhalten, die dann wiederum zu Ohnmacht und aktiven\/passivem Widerstand herausfordern, die ihrerseits Sorgen erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Exkurs<\/strong>: Morgen muss ich mich impfen lassen, nicht weil es mir Sorge bereitet, das ich an der Krankheit leiden k\u00f6nne, die die Impfung zu verhindern sucht, sondern weil ich geimpft sein muss, um an den Einrichtungen der Gesellschaft teilhaben zu k\u00f6nnen, da mir ansonsten verboten sein k\u00f6nnte, zu Sportveranstaltungen, Konzerten oder Kulturveranstaltungen zu gehen oder die verhindern k\u00f6nnten, das man seinen Urlaub antreten kann, weil die Flug- oder Reisegesellschaften mir ihre Dienste verweigern. Gleiches gilt f\u00fcr medizinische und k\u00f6rpernahe Dienstleistungen. Die Sorge wird verursacht durch eine Sorge, die als Wirkung einer Ursache zugeordnet ist, die wiederum auf einer Setzung beruht, die weder bewiesen noch belegt werden kann. \u00dcberschreite ich den einen Termin, gelte ich k\u00fcnftig als ungeimpft, obwohl ich geimpft bin und muss mich wahrscheinlich erneut sogar mehrfach impfen lassen, um wieder als geimpft zu gelten. Und so sollte\/muss ich mich f\u00fcgen, da ich einer Gesellschaft angeh\u00f6re, die das von mir verlangt und ansonsten mit Machtaus\u00fcbung droht, die mir heute wiederum Sorge bereitet. Heidegger zu lesen ist da doch deutlich einfacher im Verstehen-K\u00f6nnen. Und dabei habe ich ja noch einiges ausgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles in Allem w\u00e4re es nunmehr Zeit, ein Fazit zu ziehen. Das ist jedoch nicht so einfach, wie die 10 Seiten, die jetzt schon beschrieben sind, es vermuten lassen. Die Frage, die mich seit vielen Jahren umtreibt, ist doch die: Ist es sinnvoll, sich in Sachen Gemeinschaft\/Gesellschaft auf seiner Ansicht bez\u00fcglich Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit zu bestehen oder ist es nicht doch besser, sich den Mehrheiten und Gegebenheiten der Ordnung zu f\u00fcgen, der man sich angeschlossen hat. Meine Ansicht dazu ist zwiesp\u00e4ltig und nicht so einfach zu erkl\u00e4ren. Einerseits bestehe ich auf meinen Rechten und versuche, meinen Pflichten, die ich eingegangen bin, nachzukommen. Andererseits bin ich nicht bereit, mich einer Meinung oder Ansicht anzuschlie\u00dfen, nur weil \u00fcber Macht verf\u00fcgende Menschen und Organisationen diese mir aufzuoktroyieren versuchen. Es kann also sein, das ich mich im Gegensatz zu meiner \u00dcberzeugung dazu hinrei\u00dfen lasse, mich dem Druck der Gemeinschaft zu beugen, weil ich die Kraft nicht aufbringen m\u00f6chte, mich den Ressentiments entgegenzustellen, die mir ansonsten drohen. Allerdings w\u00fcrde ich diese Nachgiebigkeit nicht verallgemeinern und somit doch von Fall zu Fall entscheiden wollen\/m\u00fcssen. Bei den Impfungen habe ich mich dazu entschlossen, \u00fcber ein g\u00fcltiges Zertifikat verf\u00fcgen zu wollen, um einerseits reisen und auch meinen sportlichen Aktivit\u00e4ten ungest\u00f6rt nachkommen zu k\u00f6nnen. Viele m\u00f6gen das als schwach empfinden, aber dauernd gegen W\u00e4nde zu laufen ist auch nicht gerade eine gute Idee und zeugt weder von St\u00e4rke noch von Intelligenz. Menschen sind sich anpassende Wesen, an die Umgebung, an die Gemeinschaft, an Machtverh\u00e4ltnisse, an das Wetter und die Nahrungsquellen. Ich finde das weder falsch noch feige. Es ist eben doch immer genau so wie es ist. Jeder hat nur ein Leben, und man sollte sich \u00fcberlegen, wie man es gestalten und leben kann\/soll\/muss. Es gibt die ideale L\u00f6sung einfach nicht. Es gab sie noch nie, und es wird sie auch in Zukunft nicht geben (k\u00f6nnen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Machtaus\u00fcbung erzeugt Ohnmacht, die erst zu Sorge und dann zu Widerstand f\u00fchrt. Gewaltaus\u00fcbung f\u00fchrt zu Gegengewalt, die \u00fcber die Sorge zu Widerstand f\u00fchrt. Sorge f\u00fchrt zu Ma\u00dfnahmen der (Vor)Sorge, die zu Verstrickungen f\u00fchrt, die wiederum \u00fcber den so erzeugten Widerstand zu neuer Sorge verf\u00fchrt. In Ereignisketten zu denken verf\u00fchrt zur Anwendung von Kausalit\u00e4t und der Gefahr von Setzungen, die in der Komplexit\u00e4t der Gesellschaften unvermeidlich zu Ungerechtigkeit, Machtaus\u00fcbung, Sorge und Widerstand f\u00fchren. Ausbeutung zum Beispiel der Natur f\u00fchrt unweigerlich zum Zusammenbruch derselben, was Sorge bereitet, die mit Vorsorge beantwortet Machtaus\u00fcbung erfordert, die wiederum erst zu neuer Sorge und dann zu Widerstand f\u00fchrt. <\/em><em>Und diese ganze Sorgengebilde wiederum beruhen auf Setzungen, die sich aus Begehren herausbilden und deren \u00dcberma\u00df zu Ungerechtigkeit und weiterer Sorge f\u00fchrt, was wiederum Widerstand erzeugt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist dieser (Kreis)Lauf nicht mehr als eindeutig erkennbar. Er beruht auf den grundlegenden Setzungen unserer Kultur. Meine \u00dcberlegung geht dahin, diese Kreise zu \u00fcberdenken und vielleicht zu versuchen, sie gezielt zu durchbrechen. Dazu erscheint mir nur die Basis geeignet, die sich in Prozessdenken und Nicht-Handeln (Wu Wei, s.o.) ausdr\u00fcckt. Ich empfehle daher allen, die zu \u00e4hnlichen Schlussfolgerungen kommen, das Studium des Taoismus und seiner Sch\u00f6pfer Laotse, Zwangzi und anderer, aber nicht um zu ersetzen, sondern sich dar\u00fcber die Einsichten und M\u00f6glichkeiten zu erschlie\u00dfen, die in der Lage w\u00e4ren, unsere europ\u00e4ische Kultur auf eine feine und vorsichtige Art und Weise erneut zu kultivieren. Die Aufgabe w\u00e4re, Mittel und Wege zu finden, diese L\u00e4ufe zu d\u00e4mpfen, zu gl\u00e4tten oder gar einzuebnen. Wie das geht und was dazu notwendig ist, l\u00e4sst sich nicht niederschreiben. Dazu muss sich jeder Einzelne in der ihm zug\u00e4nglichen Weise mit den Grundz\u00fcgen auseinandersetzen, die seine Kultur heute pr\u00e4gen. Es gibt kein System, keine Doktrin, keine Ordnung, keine Vorgaben und keine Setzung, die das f\u00fcr alle gleich \u00fcbernehmen k\u00f6nnte. Hier ist jeder selbst gefragt und jeder f\u00fcr sich allein verantwortlich. Das ist (f\u00fcr mich) die eigentliche Aufgabe von Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-849'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='fn-849-1'> Der Terminus Monas (von altgriechisch \u03bc\u03bf\u03bd\u03ac\u03c2 mon\u00e1s \u201eEinheit, Einfachheit\u201c) oder Monade bezieht sich naturphilosophisch auf eine gedachte Einheit von zugleich physischer und psychischer Bedeutung. Die Monadenlehre unterscheidet sich von der Urstofflehre der Vorsokratiker durch die Anwendung mathematischer Methoden auf die sich ergebenden Fragen, insbesondere hinsichtlich der seit Ren\u00e9 Descartes vollzogenen begrifflichen Trennung von Res extensa und Res cogitans und erscheint damit als holistischer Aspekt des Leib-Seele-Problems. In der Geschichte der Philosophie wurden unterschiedliche Bedeutungen des Begriffs Monade entwickelt, deren Grundaspekte aber erstaunlich konstant blieben. Sie beginnen bei den Pythagoreern und entfalten sich insbesondere im Neuplatonismus, in der christlichen Mystik, der j\u00fcdischen Kabbala sowie in der hermetischen Tradition. Sp\u00e4ter b\u00fcndeln sich dann fast alle in der Leibnizschen Monadologie, bevor sie im 19. Jahrhundert in Spezialbedeutungen auseinanderfallen. Wikipedia DE <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-2'> Archetypen sind definiert als psychische (auch psychophysische) Strukturdominanten, die als unbewusste Wirkfaktoren das menschliche Verhalten und das Bewusstsein beeinflussen. Auch zum Bewusstsein selbst und zu seiner Entwicklung zeige die Kulturgeschichte archetypische Bilder, wie zum Beispiel die Himmelslichter, besonders auch die Sonne als Tagesgestirn (auch in Verbindung mit Vorstellungen von lichtbringenden, also symbolisch verstanden bewusstseinsbringenden Gottheiten). Einige Archetypen entspr\u00e4chen zentralen kollektiven Ur-Erfahrungen der Menschheit wie z. B. weiblich\/m\u00e4nnlich, Geburt, Kindheit, Pubert\u00e4t, Wandlung und Tod. Auch die Vielfalt religi\u00f6ser Erfahrung k\u00f6nne angesehen werden als nach archetypischen Mustern strukturiert, welche interreligi\u00f6s (religions\u00fcbergreifend) anzutreffen seien. Das tiefenpsychologische Konzept der Archetypen geht auf den Schweizer Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung zur\u00fcck, der die Analytische Psychologie erfand. Es ist ein offenes Konzept, das keine exklusiven Definitionen von Archetypen und keine bestimmte Anzahl derselben enth\u00e4lt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-3'> Existenzialien sind neben den Kategorien eine M\u00f6glichkeit, wie sich Sein beschreiben l\u00e4sst. Der Begriff der Existenzialien, durch Martin Heidegger gepr\u00e4gt, ist dabei dem menschlichen Sein, dem Dasein im Sprachgebrauch Heideggers, vorbehalten. Er ist wesentlich mit Heideggers Programm der Fundamentalontologie verbunden. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-4'> Klaus Heinrich (geb. 23. September 1927 in Berlin; \u2020 23. November 2020) war ein deutscher Professor f\u00fcr Religionswissenschaft auf religionsphilosophischer Grundlage. Er geh\u00f6rte zu den Mitbegr\u00fcndern der Freien Universit\u00e4t Berlin. Seine Vorlesungen gelten als Gro\u00dfversuch der Selbstaufkl\u00e4rung \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von \u00e4sthetischem und transzendentalem Subjekt. Tertium datur. Eine religionsphilosophische Einf\u00fchrung in die Logik, hrsg. v. Wolfgang Albrecht u. a., Frankfurt am Main und Basel 1981 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-5'> Transzendenz beschreibt den Bezug auf einen Gegenstandsbereich, der jenseits m\u00f6glicher Erfahrung bzw. vorfindlicher Wirklichkeit liegt. In Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft wird damit auf ein metaphysisches Wesen des Wirklichen an sich selbst Bezug genommen, das sich in der philosophisch-theologischen Tradition mit dem Begriff eines g\u00f6ttlichen, unendlichen Grundes erfahrbarer, endlicher Wirklichkeit verbindet.Wikipedia (DE) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-6'> Das Ph\u00e4nomen RAF begann zu einer Zeit, als polizeiliche Gewalt eingesetzt wurde, um politisch Andersdenkende zu unterdr\u00fccken. Erst kamen Kn\u00fcppel und Wasserwerfer, dann Tr\u00e4nengas und Pistolensch\u00fcsse\u2026, und dann wehrten sich die Ohnm\u00e4chtigen&#8230; <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-7'> siehe Drachten und Umgebung, H-ttps:\/\/www.deutschlandfunk.de\/stadt-ohne-schilder-100.html, Der Schilderwald wurde von 100 auf 4 Schilder reduziert. Es wurde Kreisverkehr eingef\u00fchrt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-7'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-8'> Daher arbeitet jede Trauerarbeit, jede Psychotherapie neben dem Verstehen auch immer wieder auf das Aufbegehren des Lebens hin, das der Patient wiedererlangen soll. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-8'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-9'> Der Begriff Wu wei, auch Wuwei, stammt aus dem Daoismus, erstmals wird er im Daodejing erw\u00e4hnt. Er wird definiert als Nichthandeln im Sinne von Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns. Der Begriff Wu Wei begr\u00fcndet sich aus der daoistischen Auffassung vom Dao, dem umfassenden Ursprung und Wirkprinzip, das die Ordnung und Wandlung der Dinge bewirkt, so dass es nicht weise w\u00e4re, in das Walten dieses Prinzips einzugreifen. Die letzte Wahrheit ist gem\u00e4\u00df dieser Lehre eins und handelt spontan, ohne dass der Geist des Menschen in sie eingreifen m\u00fcsste. Die R\u00fcckkehr zum Ursprung kann nur erfolgen, wenn das dualistische Denken aufgegeben wird und die Handlungen nat\u00fcrlich und spontan erfolgen. Wu Wei bedeutet nicht, dass man gar nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao entstehen. Dadurch wird das Notwendige leicht und m\u00fchelos getan und sowohl \u00dcbereifer als auch blinder Aktionismus (die als hinderlich betrachtet werden) vermieden. Es ist ein Zustand der inneren Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens hervortreten l\u00e4sst. Das Vollkommene wird im Daoismus als leer, weich und spontan gedacht und entsprechend sollte auch das Handeln sein, d. h. ohne ein Eingreifen des dualistischen Intellekts, sich der Situation anpassend und intuitiv. Das vollkommene Handeln erkennt intuitiv das beste Mittel und es erscheint als sinnlos, seine Energie in unfruchtbaren Handlungen um der Handlung willen zu ersch\u00f6pfen, sondern das Handeln sollte sich auf die geeigneten Umst\u00e4nde und Mittel beschr\u00e4nken. Die beste \u00dcbersetzung des Begriffes Wu Wei w\u00e4re somit \u201eNicht-Eingreifen\u201c, \u201et\u00e4tiges Nichthandeln\u201c bzw. \u201eHandeln durch Nicht-Handeln\u201c, und es handelt sich um eine Art von kreativer Passivit\u00e4t. Aus dieser Haltung des Geschehen-Lassens resultieren auch Gewaltlosigkeit und Widerstandslosigkeit als nat\u00fcrliche Folge. Wikipedia DE <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-9'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-849-10'> Ein Moderator (von demselben lateinischen Wort mit der Bedeutung \u201aM\u00e4\u00dfiger\u2018, \u201aLenker\u2018, \u201aHandhaber\u2018, \u201aRegierer\u2018; abgeleitet vom Verb moderare \u201am\u00e4\u00dfigen, in Schranken halten, regeln\u2018) ist eine Person, die ein Gespr\u00e4ch lenkt oder in einer Kommunikation vermittelt. Die T\u00e4tigkeit selbst bezeichnet man als Moderation. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-849-10'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div><div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F849&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F849&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D849&text=Angst%2C%20Sorge%2C%20Macht%2C%20Moderation%20und%20Spiritualit%C3%A4t\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D849\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Versuch einer Standortbestimmung\u2026 und ein Studienvorschlag ist der Kern dieses Artikels. 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