{"id":866,"date":"2023-02-11T16:03:42","date_gmt":"2023-02-11T16:03:42","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=866"},"modified":"2023-02-11T16:03:47","modified_gmt":"2023-02-11T16:03:47","slug":"die-sportliche-aktivitaet-als-ausgleich-fuer-alltagsbelastungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=866","title":{"rendered":"Die sportliche Aktivit\u00e4t als Ausgleich f\u00fcr Alltagsbelastungen?!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sportliche Aktivit\u00e4ten als gesund bzw. der Gesundheit f\u00f6rdernd gelten ist ein allgemein g\u00fcltiges Narrativ und wird heute nicht mehr hinterfragt. Nat\u00fcrlich gibt es auch noch die Vertreter des \u201eKein Sport bitte&#8230;\u201c, aber sie sind der allgemeinen \u00dcberzeugung nach zu einer verschwindend kleinen und meist verborgenen bleibenden Minderheit geworden. Stimmt das? Ich denke nicht. Meiner Beobachtung nach betreiben mindestens 50% der Menschen in Deutschland keinen Sport bzw. eine (ich sage das mal einfach so&#8230;) sportliche Alibi-Aktivit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum denke ich so? Nun, ich sehe beim Spazierengehen sehr oft Menschen, die Ihre Geh-Runden, Jogging-Runden oder Radler-Runden absolvieren. Und ich sehe viele dieser Menschen ihre Aktivit\u00e4t mit einer verbissenen und physiologisch wenig hilfreichen Qualit\u00e4t ausf\u00fchren. Dazu tragen ung\u00fcnstige K\u00f6rperhaltungen, eine meist einseitige Belastung und ein wenig ausgefeilten Bewegungsspiel bei. Nun gebe ich zu, das meine Beobachtungen sicherlich auch auf einer Perspektive beruhen, die von meiner eigenen Ansicht dar\u00fcber gepr\u00e4gt ist. Allerdings sind das Beobachtungen ja immer und k\u00f6nnen auch nicht wirklich ausgeschlossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den sportlichen Bet\u00e4tigungen unserer Zeit wird h\u00e4ufig angef\u00fchrt, das unser K\u00f6rper zu den einseitigen Belastungen des Alltages einen <strong>Ausgleich<\/strong> ben\u00f6tigen w\u00fcrde. Dazu z\u00e4hlen mangelnde Bewegungsm\u00f6glichkeiten im B\u00fcro ebenso wie einseitige k\u00f6rperliche Belastungen wie zum Beispiel das Tragen von Kindern und Gegenst\u00e4nden, handwerkliches Arbeiten oder umfangreiche Laufwege. Zun\u00e4chst einmal eine nicht ganz dumme Frage: Warum ausgleichen und nicht die die Belastungen abbauen? Wenn wir aber zur \u00dcberzeugung kommen, ausgleichen m\u00fcssen, das ist ein Teil meiner Argumentation, sollte es doch so geschehen, das zur einseitigen Belastung nicht noch weitere einseitige Belastungen hinzukommen. Wenn ich also jeden Tag acht Stunden vor dem Rechner im B\u00fcro sitze, sind des Abends zehn Kilometer Jogging oder Radfahren gar kein sinnvoller Ausgleich, da hier durch die Ausdauerleistung und die Arbeit weniger Muskelgruppen nur eine weitere einseitige Last geschaffen und zudem ein extremes Gegenspiel gesetzt wird. Weiterhin k\u00f6nnen verspannte Muskelgruppen, die durch langes ruhiges Halten bereits inaktiv und meist auch schon fest geworden sind, nicht durch zus\u00e4tzliche Belastungen entspannt werden. Wie kann eine Belastung entspannen? Wie sollte das geschehen? Zus\u00e4tzlich stellt sich die Frage: Wenn ich in meinem Alltag Ausdauer, Kraft oder Beweglichkeit nicht brauche, wozu sind dann die F\u00e4higkeiten zu gro\u00dfen Ausdauerleistungen, gro\u00dfe Kraft und Beweglichkeit eigentlich f\u00fcr mein Leben gut? Sollten die Ausgleichsleistungen, die so dringend ben\u00f6tigt werden, nicht besser so gestaltet sein, das die Belastungsst\u00f6rungen des Alltags (z.B. R\u00fcckenschmerzen) abgebaut und so K\u00f6rperkonstitution geschaffen werden, die auf den Alltag abgestimmt sind und zu einem Arbeitsalltag ohne Belastungsst\u00f6rungen f\u00fchren k\u00f6nnen? Es stellt sich wieder die Frage: Wie kann das geschehen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst einmal gibt es meiner Ansicht nach keine allgemein g\u00fcltigen Rezepte daf\u00fcr. Jeder Mensch gestaltet sich anders aus, individuell eben. Und nat\u00fcrlich hat Sport auch einen Spa\u00dffaktor. Und Sport hat auch einen Suchtcharakter. Jeder Langl\u00e4ufer wei\u00df das. Nun will ich niemanden den Spa\u00df verderben, das ist selbstverst\u00e4ndlich. Spa\u00df zu haben ist eine der wirksamen Gesundheitsl\u00f6sungen. Und jeder darf\/kann\/soll auch das machen d\u00fcrfen, was Spa\u00df macht, selbstverst\u00e4ndlich. Ich sprechen hier aber nicht \u00fcber Spa\u00df, sondern einerseits \u00fcber den Suchtcharakter einerseits und besonders \u00fcber Ausgleichssport zur Erhaltung der Gesundheit, der Leistungsf\u00e4higkeit und\/oder des k\u00f6rperlichen Wohlgef\u00fchls andererseits, der als Mittel zum Zweck betrieben wird. Modern sind ja auch die neuen Vorstellungen, die mit Selbstoptimierung, Selbst-\u00dcberwachung und den Vorgaben zur Gesundheitsf\u00f6rderung einschlie\u00dflich aller Fitness-Trecker (Apps zur Gesundheits\u00fcberwachung in Uhren und Smartphones) zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst einmal sollte schon im Vorfeld der \u00dcberlegungen festgehalten werden, das wir heute in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung eine deutliche St\u00f6rung des Bewegungslebens auffinden k\u00f6nnen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig. F\u00fcr eine Analyse der L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten derselben durch einen \u00dcbungsleiter zum Beispiel sind diese aber zun\u00e4chst einmal nur zum Teil von Belang, da sie meist in Verhaltensweisen zu suchen sind, die der Freiheit des Einzelnen unterliegen. Die Lebenswirklichkeit kann nur der Betroffene selbst \u00e4ndern, ins Spiel bringen oder ein wenig modifizieren. F\u00fcr den \u00dcbungsleiter hei\u00dft es nur festzustellen, welche \u00dcbungen und Ma\u00dfnahmen sportlicherseits helfen k\u00f6nnten, das Problem zu lindern, anzusprechen, sichtbar zu machen und\/oder zu bearbeiten\/beseitigen. Das ist und bleibt ein schwieriges Unterfangen, denn meist sind die Problemfelder in den K\u00f6rpern bereits breit verstrickt und mit einem einfachen \u201eso geht es\u201c nicht zu l\u00f6sen. Betrachten wir einmal kurz einige Problemfelder, die eine Rolle spielen. Da sind zu nennen die Atmung, die Haltung, die Beweglichkeit, der Leistungswille, die Entspannungsf\u00e4higkeit, die Nat\u00fcrlichkeit in der Bewegung, die Innen- und Au\u00dfenbewegung und die Energie, die allen Genannten zugrunde liegt. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beginnen m\u00f6chte ich mit der <strong>Innen- und Au\u00dfenbewegung<\/strong>. <sup class='footnote'><a href='#fn-866-1' id='fnref-866-1' onclick='return fdfootnote_show(866)'>1<\/a><\/sup> Die Au\u00dfenbewegung ist der eine Part der menschlichen Bewegung, der sich in Gymnastik, Yoga und K\u00f6rperbildungs-Bewegungen ausdr\u00fcckt, aber auch in Arbeit und Haltungen im Alltag. Die Innenbewegung ist die autonom oder halbautonom begleitende Atem und Kreislaufbewegung sowie die erg\u00e4nzenden Organt\u00e4tigkeiten, die sowohl den K\u00f6rper als auch den Geist erst m\u00f6glich machen. Im Grunde sind beide gar nicht zu trennen, weil ohne Letztere Leben an sich gar nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Was immer ich auch tue, denke, wahrnehme oder auslebe, es wird begleitet von Innenbewegungen. Die w\u00f6rtliche Unterscheidung ist lediglich hilfreich, um beschreiben zu k\u00f6nnen, warum wir heute in Europa in der Wahrnehmung unserer Innenbewegung so erb\u00e4rmlich schwach sind und diese Schw\u00e4che in \u00fcbertriebener Au\u00dfenbewegung und\/oder Geistesarbeit zu \u00fcberdecken versuchen. Die Unterscheidung ist notwendig, um aufzuzeigen, das da noch viel mehr ist als in der Leibeserziehung und -wahrnehmung allgemein angenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beginnen wir der Reihe nach mit der <strong>Atmung<\/strong>. Die Atmung ist eine Innenbewegung und somit ein autonomes System, auch wenn der Wille bzw. Geist gezielte Vorgaben f\u00fcr das Atmen einfordern kann. Denn im Grunde k\u00f6nnen wir den Atem nur in einer groben Form geistig beeinflussen wie zum Beispiel \u201enur die Bauchatmung zu nutzen\u201c, l\u00e4nger Ein- oder Auszuatmen und\/oder Atempausen zu machen. Beim Schwimmen k\u00f6nnen wir nur dann atmen, wenn der Kopf aus dem Wasser herausragt. Andere Sportarten bevorzugen bestimmte Atemformen, um das Ergebnis einer Handlung positiv zu beeinflussen. Immer betroffen sind Rhythmus, L\u00e4nge und die gro\u00dfen Bewegungen, die der Mensch in Bezug zum Atem f\u00fchlt und sp\u00fcrt. F\u00fcr die wirklich wichtigen Atemvorg\u00e4nge aber, wie der Austausch von O<sub>2<\/sub> und CO<sub>2<\/sub> in den Bl\u00e4schen und Kapillaren und der Transport \u00fcber das Blut aber steht keine willentliche Beeinflussung zur Verf\u00fcgung. Daher sehe ich die Atmung als autonom an und bef\u00fcrworte Atemkontrolle nur in Form hilfreicher Gesten, nicht aber als Mittel zur Umerziehung. Unterschieden werden h\u00e4ufig Hautatmung, Bauchatmung, Brustatmung, R\u00fcckenatmung, Flankenatmung und so weiter. Was mir in aller Regel fehlt, ist die Anmerkung, die gleichzeitig Einschr\u00e4nkung ist, das alle dieser Arten meist individuell gemischt auftreten und daher Vorgaben als allgemeine Regel vollkommen sinnlos sind. H\u00e4ufig wird die Bauchatmung besonders hervorgehoben, aber sie allein kann doch wohl nicht das Nonplusultra sein. Ich bevorzuge, wenn ich denn gefragt werde, als optimale Atemform die \u201eindividuell ausgepr\u00e4gte Vollatmung\u201c bei der alle m\u00f6glichen Formen zusammenwirken. Sicherlich, wenn jemand eine ganz bestimmte Form der Atmung warum auch immer gar nicht vollziehen kann, sollte er diese vielleicht lernen. Aber das neu Gelernte ersetzt das Altbew\u00e4hrte nicht und sollte nur als m\u00f6gliche Erg\u00e4nzung angesehen werden. Viel wichtiger ist in meiner Vorstellung, den K\u00f6rper so zu formen und in standzuhalten, das weder Verspannungen noch Gewohnheiten sowohl die Atmung als auch andere Bereiche der Innenbewegung behindern k\u00f6nnen. Der K\u00f6rper entscheidet dann, wie er atmet, und nicht der Geist. Neben der Nahrungsaufnahme ist die Atmung die einzige Hauptfunktionalit\u00e4t, mit der ein Mensch bewusst auf seine Innenbewegung einwirken kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste gro\u00dfe Funktion bzw. Einflussfaktor auf die Innenbewegung ist die <strong>Haltung<\/strong> in dem Sinne, das der Mensch versuche solle, seine K\u00f6rperform so zu gestalten und auszurichten, das jede erw\u00fcnschte Form der Innenbewegung m\u00f6glich bleibt. Sinn dieser Forderung ist es, jede Art von Schmerz, von Verspannung und Beeintr\u00e4chtigung im K\u00f6rper des Menschen soweit zu reduzieren, wie das m\u00f6glich erscheint. Nat\u00fcrlich kann hier kein f\u00fcr alle Menschen g\u00fcltiges Programm aufgesetzt werden, das behaupten w\u00fcrde, die und die \u00dcbungen w\u00fcrden ein garantiert gesundes und langes Leben herstellen oder beg\u00fcnstigen. Das w\u00e4re absurd. Der junge Mensch ist lange bevor er seine M\u00f6glichkeiten erkennen und wahrnehmen kann bereits durch seine Umwelt derart gepr\u00e4gt, das daraus folgend nahezu immer ein individueller Status als Ausgangsposition vorausgesetzt werden muss. In Frage der Haltung muss weiterhin unterschieden werden zwischen der \u00e4u\u00dferen Ausformung der k\u00f6rperlichen Strukturen und der inneren Haltung, die ich in dem weiteren Text als \u201eMentale Einstellung\u201c bezeichnen werde. In diesem Abschnitt geht es fast ausschlie\u00dflich um den ersten Punkt der Haltung, den k\u00f6rperlichen Strukturen sozusagen, die wie bereits weiter oben erw\u00e4hnt auf die inneren Strukturen Einfluss nehmen k\u00f6nnen. \u201eWie geschieht das?\u201c ist dazu eine Frage und die zweite fragt: \u201eWas ist eine \u201agesunde\u2018 Haltung?\u201c Beginnen m\u00f6chte ich mit der Zweiten. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine \u201agesunde\u2018 Haltung ist keine ganz bestimmte K\u00f6rperform, keine ganz bestimmte Form des K\u00f6rperbaus, der Aufrichtung oder des ganz allgemeinen Bewegungsspiels oder gar der Ern\u00e4hrung. Eine gesunde Haltung ist die F\u00e4higkeit des autonomen inneren Systems, sich nahezu jederzeit auf \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde, sei es Arbeit, Sport, Ruhe oder andere Anforderungen einzustellen und die Funktionalit\u00e4t des Menschen passend zur Aufgabe einzustellen. Dazu geh\u00f6ren die genau passende Bereitstellung von Sauerstoff und der Abtransport von CO2 in Form von Atmung, die Bereitstellung von Zellennahrung \u00fcber Verdauung, Kreislauf, S\u00e4fte, Hormone und Botenstoffe, die Einstellung der K\u00f6rpertemperatur, die Fokussierungen wie Aufmerksamkeit, Gel\u00f6stheit, Konzentration und und so weiter. Dazu geh\u00f6ren selbstverst\u00e4ndlich auch die nervlich strukturierten Systeme, die ja zum Teil wie die Atmung auch bewusst angesteuert werden k\u00f6nnen. Da gibt es insgesamt gesehen ein weites Feld von Abh\u00e4ngigkeiten und Anpassungen. Haltung dr\u00fcckt sich immer aus in den genannten Fokussierungen. Der Torwart, der einen Torschuss erwartet braucht eine andere Fokussierung als ein Angestellter, der nach erfolgreicher Arbeit zu Hause in seinen Sessel sinkt und entspannen m\u00f6chte. Das Kochen in der K\u00fcche ist anders fokussiert als eine Schreinerarbeit. Ich denke mal, jeder kann das best\u00e4tigen. Die Frage aber, um die es gehen sollte, ist doch die, ob unsere K\u00f6rper zu dieser erw\u00fcnschten Anpassung \u00fcberhaupt (noch) in der Lage sind. Und da sind wir bei der zweiten Frage angelangt: \u201eWie geschieht das?\u201c. Wie viel Einfluss hat der Mensch kurzfristig auf die genannten Fokussierungen? Die Antwort ist meist einfach: \u201eKeinen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Beispiele sollen das Problem verdeutlichen:<br>A. Eine nach vorne herabh\u00e4ngende Schulter und der damit verbundene Rundr\u00fccken sind nicht nur ein Haltungsfehler, der einfach \u201eunsch\u00f6n\u201c aussieht. Diese Haltung beeintr\u00e4chtigt die Atmung in der Gestalt, das die Lungen nur (noch) in den oberen Bereichen durchl\u00fcftet wird. Die Lungenspitzen bekommen wenig bis gar nichts mehr ab. Die Folgen davon sind ein schnellerer Atemrhythmus und damit k\u00fcrzere Verweilzeiten der Luft in der Lunge. Diese Not-Anpassung wird die Qualit\u00e4t der Atmung deutlich herabsetzen. Wir atmen dann viel \u00f6fter als notwendig und haben dazu noch deutlich weniger Erfolg damit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">B. Ein nach vorne gekipptes Becken und folgend das hochgezogene\/hochgehaltene Ges\u00e4\u00df machen eine Vollatmung unm\u00f6glich. Meist fehlt die Flanke bei der Atmung v\u00f6llig, der Bauch tr\u00e4gt nur wenig bei und der Mensch ist gezwungen, fast ausschlie\u00dflich hoch zu atmen. Die falsche, meist schnell auch noch festgef\u00fcgte Beckenhaltung beeintr\u00e4chtigt das Zwerchfell beim Absenken-K\u00f6nnen, so das die Schwerkraft zum Atem wenig beitr\u00e4gt. Muskelkraft muss aufgebracht werden, um den Brustkorb zu weiten. Diese in Europa h\u00e4ufig zu sehende Fehlhaltung ist wenig effektiv und verbraucht viel Energie f\u00fcr wenig Erfolg. Kurzatmigkeit ist die Folge, schnelle Atemrhythmen schon bei kleiner Belastung und eine Minderung der Leistungsf\u00e4higkeit sind die Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">C. Eine \u00fcbertrainierte Beinmuskulatur und die Unf\u00e4higkeit, seine Beine zu strecken bewirkt durch die Anforderung, aufrecht zu sein ein nach vorne gekipptes Becken und damit die in Abschnitt zuvor bewirkten Atem-Minderungen. Gleichzeitig wird ein Bewegungs- und Haltungsbild erzeugt, das einem Menschen das gerade zu stehen, das locker zu gehen und sich leicht zu bewegen unm\u00f6glich macht. Unfunktionale Z\u00fcge durch verk\u00fcrzte Muskeln verhindern ein sich locker Ausbalancieren, n\u00f6tigen zum Feststellen und behindern damit nahezu alle so dringend gebrauchte Innenbewegungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Bewegungsschulung sollte daher immer daf\u00fcr sorgen, das die genannten Fehlhaltungen ausgeglichen werden. Ein Horchen auf die Innenbewegungen ist daf\u00fcr viel wirkungsvoller als das pure Erlernen von Technik. Es geht nicht um das \u201eWas mache ich\u201c oder das \u201eWie mache ich\u201c, sondern es geht darum, wie mein Innenleben auf meine Alltagsanforderungen reagiert und wie ich durch Gymnastik, Sport und Yoga helfen kann, dieses Spiel wieder lebendig zu bekommen. Es geht um Qualit\u00e4t und nicht um Quantit\u00e4t. \u201eViel hilft viel\u201c ist dabei vollkommen fehl am Platz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht muss noch gesagt werden, das Atem immer aus drei Bewegungen besteht: Einatem, Ausatem, Atempause, wobei die Letztgenannte eine sehr wichtige Rolle spielt. Ohne Atempause kann sich die Chemie des Atems nicht vollkommen entfalten und bewirkt Kurzatmigkeit und Leistungsminderung. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir dann zu dem Thema <strong>Beweglichkeit<\/strong>. Wie viel davon ist erforderlich? Wie komme ich damit auf ein Ma\u00df, das meinen Anspr\u00fcchen, besser noch meinen Anforderungen gen\u00fcgt und wie fange ich an, das zu erreichen? Das sind alles Fragen, die einzeln nicht ausreichend beantwortet werden k\u00f6nnen. Unsere Beweglichkeit ist im Grunde genommen bereits ein Anpassungsprozess der Innenbewegung, denn hier wird die Muskulatur nicht gezogen oder gedehnt, sondern auf ein Spannungsfenster eingestellt, das sich orientiert an den Alltagsbewegungen. Wenn ich regelm\u00e4\u00dfig und konstant bestimmte Bewegungen ausf\u00fchre, stellt sich die bewegte Muskulatur mit der Zeit auf diese L\u00e4nge nicht nur ein, sondern erg\u00e4nzt sie zus\u00e4tzlich noch mit etwas Spielraum, schon um Verletzungsgefahren zu reduzieren. Bei Arbeitsbewegungen und leichten t\u00e4nzerischen Posen ist das relativ einfach. Spannend und vielschichtig aber wird es, wenn zus\u00e4tzlich dicht an der Beweglichkeitsgrenze gro\u00dfe Krafteinwirkungen notwendig werden. Ein weit ausfallender Spreizschritt mit pl\u00f6tzlichem Halt zum Beispiel beim Tennis verbunden mit einer schleudernden K\u00f6rperbewegung in eine Drehung hinein, der Schlag mit dem Schl\u00e4ger auf den Ball, eine schnell darauf folgende Entspannung und dann der Start in die n\u00e4chste Laufbewegung hinein ist so ein Fall, der so einfach nicht zu gestalten ist. Beweglichkeit in Kombi mit gro\u00dfer Kraft und Ausdauer verlangen ein genau dosiertes regelm\u00e4\u00dfiges K\u00f6rpertraining. Einfach so auf den Platz zu gehen und zu spielen erh\u00f6ht die Verletzungsgefahr bei diesem Sport auf ein Vielfaches. Gleiches gilt f\u00fcr Laufen, Fu\u00df- und Handball, Skifahren und andere beliebte Sportarten. Auch Wandern in den Bergen zum Beispiel geh\u00f6rt dazu. Was die Beweglichkeit zus\u00e4tzlich zu steigern vermag ist eine gute Entspannungsf\u00e4higkeit. Dazu aber erst sp\u00e4ter mehr. Im Beweglichkeitstraining gen\u00fcgt es meist, einfach an seiner Beweglichkeitsgrenze gymnastisch zu arbeiten. Stellt man sich seine Beweglichkeit als ein Wiesengrundst\u00fcck vor, so arbeiten wir sinnvollerweise innerhalb der Begrenzung und somit stets dicht am Zaun. Alles Weitere besorgt die Innenbewegung in Form von autonom gesteuerten Anpassungsprozessen. Wie weitreichend die Beweglichkeit ausgeformt werden sollte ist ebenfalls eine individuelle Gr\u00f6\u00dfe. Die Anforderungen des Alltags sollten den Umfang einer Beweglichkeitsempfehlung bestimmen. Viele sportliche und freizeitliche Anforderungen wie Tanzen, Wandern, Tennis oder Ballspiele uns so weiter erfordern unterschiedliche K\u00f6rperkonstitutionen, weil sie unterschiedliche Belastungen enthalten. Ein k\u00f6rperlich arbeitender Mensch hat andere k\u00f6rperliche Bed\u00fcrfnisse als ein sitzender Mensch im B\u00fcro. F\u00fcr mich gilt daher als Norm, das jeder Teilnehmer einer Yoga- oder Gymnastikveranstaltung die \u00dcbungen machen sollte, die seinem Alltagsbed\u00fcrfnis entsprechen. Gro\u00dfe Beweglichkeit, hohe Kraftanforderungen und lange Ausdauer sind nicht zusammen in einer Ausstattung zu haben. Sie behindern sich auf die eine oder andere Weise. Sie m\u00fcssen daher individuell abgestimmt werden. Trotzdem gibt es in meiner Vorstellung eine allgemeine Regel: Die Innenbewegungen sollten durch ein Trainingskonzept nicht eingeschr\u00e4nkt werden. Bei purem Beweglichkeitstraining ist die Gefahr, sich Einschr\u00e4nkungen einzufangen, eher gering. Allerdings sollte die erreichte Beweglichkeit beim \u00dcben auf jeden Fall durch passende Ausdauer- und Kraft\u00fcbungen erg\u00e4nzt werden. Auch hohe Beweglichkeit muss stabil und leistungsf\u00e4hig ausgestaltet sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir in kurzer Form zu <strong>Kraft- und Ausdauer<\/strong>. Und ein jeder kennt wohl die Auswirkungen, die ein zu viel davon darstellen: Rein ausgeformte Muskelpakete auf der einen Seite und extrem verh\u00e4rtete Hungerhaken sind wohl im Volksmund eine beliebte satirische Bezeichnung f\u00fcr die beiden Extrempr\u00e4gungen. Beide haben ihre extremen Schattenseiten. Beide sind in der Beweglichkeit meist massiv eingeschr\u00e4nkt, die einen durch die Vergr\u00f6\u00dferung und die anderen durch die Versteifung der Muskulatur. Von diesen extremen Pr\u00e4gungen einmal abgesehen m\u00fcssen die F\u00e4higkeiten zu Kraft und Ausdauer mit der Beweglichkeit des Menschen harmonieren. Ich sagte es bereits. Unharmonische Pr\u00e4gungen belaste die Innenbewegungen und \u00fcberfordern die Leitungsf\u00e4higkeiten der inneren Organe, die den erh\u00f6hten Verbrauch von Brennmaterial, Sauerstoff und Entgiftung ja auch irgendwie schultern m\u00fcssen. Dazu kommen bei extremen sportliche Leistungen oft auch Medikamentenkonsum (Schmerzmittel) und\/oder Nahrungserg\u00e4nzungsmittel hinzu, was den Organismus zus\u00e4tzlich belastet. Mit anderen Worten: Kraft und Ausdauer ist solange gut, wie die Innenbewegungen ungehindert ihre Arbeit bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Alles Weitere wird sich auf Dauer als wenig nachhaltig herausstellen. Hier eine allgemeine Grenze oder rote Linie ziehen zu wollen ist eher ungeschickt. Hier muss von Fall zu Fall bzw. von Mensch zu Mensch gestaltet werden. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen wir weiter in den oben genannten Stichworten. Ein wirklich schwieriges Element in der sportlichen Trainingslandschaft stellt der individuelle <strong>Leistungswille<\/strong> oder anders herum formuliert der Leistungsgedanke an sich dar. Viele Menschen sind heute bereit, sowohl in der Arbeit als auch im sportlichen Training sehr hohe Leistung zu bringen, bedenken aber oft nicht die Folgen, wenn dieser Wille auf eine k\u00f6rperliche Konstitution trifft, die diesem Leistungsgedanken nicht gewachsen ist. Ich betreue seit 45 Jahren Gruppen von Menschen in Gymnastik, Sport und Yoga, und ich mache immer wieder die Erfahrung, das der Wille eines Neueinsteigers, mit den anderen mithalten zu k\u00f6nnen oder sich den notwendigen Korrekturen durch Ausweichen zu entziehen, sehr gro\u00df ist. Das ist verst\u00e4ndlich, denn wir leben ja in einer Leistungsgesellschaft, aber n\u00fctzlich und hilfreich sind diese Aktionen nicht. In der K\u00f6rper- und Bewegungsbildung hat der Leistungsgedanke wenig Sinn, denn sowohl Ausweichbewegungen in den \u00dcbungen noch \u00dcbertreibungen darin werden die allseits zu beobachtenden Schwachstellen nur verschleiern, aber nicht entfernen k\u00f6nnen. Wenn eine von mir betreute Gruppe sich etabliert hat, muss ich viel mehr Zeit damit verbringen, die Teilnehmer zu bremsen, also auf ein ihnen zutr\u00e4gliches Leistungsniveau zu setzen als damit, notwendige Korrekturen und Zwischenl\u00f6sungen anzubieten und zu etablieren. Ich verstehe sehr gut, das man sich nicht gerne in seinen Schwachstellen zeigen m\u00f6chte, aber, und das ist entscheidend, ein \u00dcbungsleiter muss\/sollte die Schwachstellen seiner Teilnehmer kennen. Wie anders kann er das Training und seine Inhalte an die Erfordernisse anpassen. Jeder Mensch hat Schwachstellen. Die Frage ist doch mehr, behindern diese die Lebensabl\u00e4ufe oder w\u00e4re ihre Abwesenheit nur \u201enett zu haben\u201c. Jeder w\u00fcrde doch wohl, um ein Beispiel zu gestalten, gerne mal einen Marathon gewinnen, aber muss das unbedingt sein und ist das den Aufwand wert, der dazu notwendig ist. In meiner Vorstellung sind Spa\u00df und Freude am Sport deutlich h\u00f6her zu bewerten als eine sichtbare Leistung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir dann zur <strong>Entspannungsf\u00e4higkeit<\/strong>. Das ist, grob gesagt und Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel, ein gro\u00dfes Problem in unserer Sport- und Lebenswelt. Die F\u00e4higkeit sich zu entspannen ist in meiner Vorstellung in der Aus\u00fcbung jeder Sportart, und da schlie\u00dfe ich auch Gymnastik und Yoga mit ein, entscheidend, denn nur ohne Spannung l\u00e4sst sich Spa\u00df und Freude am Sport verwirklichen. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, wo man nach einem Sportturnier gemeinsam mit seinen Gegnern entspannt und wohl gelaunt feiern ging. Da gab es keine traurige und verzerrte Gesichter, wenn man bei Meisterschaft oder Turnier nur Zweiter geworden war. Vorherrschend war die Freude am gemeinsamen Wettkampf. Das sieht man heute nur noch selten. Heute scheint selbst der Zweite schon ein Verlierer zu sein und fristet unbeachtet im Schatten des Siegers sein Dasein. Und das gilt sowohl f\u00fcr Zuschauer als auch f\u00fcr die Akteure. Was ich damit ausdr\u00fccken m\u00f6chte ist die f\u00fcr mich selbstverst\u00e4ndliche Beobachtung, das es ein Begleitmoment des Entspannt-Seins ist, angemessen siegen oder verlieren zu k\u00f6nnen. Ohne das ist Sport nur noch Kampf und Leistungs-Krieg. Weder Triumph noch Verzagen sollte hier einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Ausdruck finden. Es geht eben nur um Spa\u00df und Freude. Nun gibt es in Gymnastik und Yoga ja keine Wettk\u00e4mpfe, wenn man mal die Sportgymnastik als Ausnahme ansieht. Ich bin der \u00dcberzeugung, dass das Sich-Vergleichen mit anderen in diesen Bewegungs- und Trainingsformen nichts zu suchen hat. Beide lehren ein Sich-Bewegen und Sich-Entspannen k\u00f6nnen, ja mehr noch, Entspannen ist dabei das Gleiche wie die Geschwindigkeit beim Laufen oder die Torbilanz beim Ballspiel, sie ist das zentrale Trainingselement. Und dabei haben Ich-gesteuerte Emotionen keinen Platz. Diese in Mode gekommene Unsitte ist Unsinn und auch nicht nachhaltig. <br>Was, kommen wir zu eigentlichen Thema zur\u00fcck, ist eigentlich Entspannung? Schauen wir uns mal zwei typische Definitionen dazu an:<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Unter dem Begriff Entspannungsverfahren werden Techniken zusammengefasst, die k\u00f6rperliche und seelische Anspannung reduzieren sowie das allgemeine Wohlbefinden f\u00f6rdern sollen. Entspannungsverfahren werden als \u00fcbende Verfahren bezeichnet, da deren positive Effekte durch regelm\u00e4\u00dfiges \u00dcben zunehmen. <sup class='footnote'><a href='#fn-866-2' id='fnref-866-2' onclick='return fdfootnote_show(866)'>2<\/a><\/sup><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entspannung<\/strong>, psychophysischer Zustand mit einer geringen Aktivierung, subjektiv und physiologisch besonders deutlich nach einer vorausgegangenen Anspannung, die sich unter Ruhebedingungen oder durch aktive Entspannung l\u00f6st. Entspannung hat verschiedene Aspekte, wobei neben dem Erleben von emotionaler, geistiger und k\u00f6rperlicher Beruhigung und Gel\u00f6stheit typische physiologische Ver\u00e4nderungen eintreten\u2026 <sup class='footnote'><a href='#fn-866-3' id='fnref-866-3' onclick='return fdfootnote_show(866)'>3<\/a><\/sup><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die erste Definition Entspannungsf\u00e4higkeit scheinbar nur als eine Technik, also ein Mittel zum Zweck anzusehen scheint, zeigt die Zweite das ganz anders. Ein Zustand geringer Aktivierung, der scheinbar nur nach einer Anspannung als L\u00f6sung auftritt und zur Beruhigung dienen soll. Entschuldigen Sie meine Unnachgiebigkeit, aber das ist beides vollkommen verfehlt und nicht das, was Entspannung und die F\u00e4higkeit dazu zu leisten vermag. In meiner Definition ist Entspannung ein Gleichgewichtszustand, der die Innen- und Au\u00dfenwelt des Menschen in einen Gleichklang, auch gerne Einklang genannt, zu bringen vermag. Hierbei ist die mentale Einstellung (s.o.) zwar als eine Bedingung der Au\u00dfenwelt anzusehen, aber sie ist sicherlich auch ein wichtiges Bindeglied zwischen diesen Welten. Nehmen wir einmal an, die Au\u00dfenwelt verlangt eine ganz bestimmte Leistung in Form von Arbeit, Bewegung oder einer verwandten Aktion. Dann sollte doch, um Erfolg zu haben, die Innenwelt die erforderlichen Ressourcen bereitstellen, die daf\u00fcr notwendig sind. Tut sie das, wird das Projekt mit sehr guten Voraussetzungen starten k\u00f6nnen, bringt sie das nicht, ist doch wohl ein Scheitern h\u00f6chst wahrscheinlich. F\u00fcr die Bereitstellung der Ressourcen aber muss der K\u00f6rper reagieren, muss sich gestalten und ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Das ist nur m\u00f6glich, wenn ich ihn seine autonome Aufgabe vollziehen lasse und ihm dabei die Freiheit gebe, das auf seine Weise zu tun. Diese Freiheit zu haben nenne ich Entspannung, und das gilt sowohl organtechnisch, bewegungstechnisch als auch mental. In der Spezialit\u00e4t von Spannung nenne ich das auch gerne Tonus, was nicht weniger bedeutet als die F\u00e4higkeit, sofort und unmittelbar reagieren zu k\u00f6nnen, weil der K\u00f6rper bereit ist und \u00fcber die notwendigen Ressourcen (Kraft, Beweglichkeit, Spannung, Ausdauer, Atemverm\u00f6gen usw.) bereits verf\u00fcgt. Entspannungsf\u00e4higkeit ist somit in der Definition ein Prozess, der sich nur im Fenster der verf\u00fcgbaren Ressourcen bewegen kann. Dieses Fenster ist nie Nichts und auch selten Alles, was sein k\u00f6nnte. Wenn ich zum Beispiel in einer K\u00f6rperpartie beweglicher werden m\u00f6chte, also zu dehnen beabsichtige, muss ich erstens bereit sein, die zu dehnenden Muskeln zu entspannen. Dann muss ich zweitens eine M\u00f6glichkeit finden, andere K\u00f6rperpartien in mir zu finden, die es erm\u00f6glichen, diese Muskel auch zu \u00f6ffnen oder zu l\u00f6sen, weil sie deren Haltearbeit \u00fcbernehmen. Dann muss ich drittens bereit sein, die notwendige \u00d6ffnung so vorzunehmen, das die betroffene Muskulatur einen so starken Impuls erh\u00e4lt, das diese auch \u00f6ffnend reagiert und ich muss viertens darauf achten, dabei nicht zu \u00fcbertreiben, da der zu \u00f6ffnende Muskel sonst in eine sich sch\u00fctzende Verspannung zur\u00fcckf\u00e4llt. Die Erf\u00fcllung all dieser Bedingungen nenne ich Entspannung in einem Dehnvorgang. \u00c4hnliche Bedingungen finden sich auch bei der Arbeit und bei Ausdauerleistungen, wobei die angewendeten Kr\u00e4fte zur Bew\u00e4ltigung der Aufgabe auch bereit stehen und der T\u00e4tige das auch in seiner Selbstwahrnehmung auch richtig erkennen sollte. Entspannungsf\u00e4higkeit ist also bei mir nicht ein Vorgang des sich vollkommen Fallenlassens oder dient einem Zweck wie der Erholung, sondern ist ein stets aktiver begleitender Prozessparameter innerhalb der T\u00e4tigkeiten wie Gymnastik oder Yoga, Sport und Arbeit. Erst anstrengen und dann entspannen ist nicht gefragt. Entspannung und Anstrengung gehen parallel als Prozessparameter in eine T\u00e4tigkeit mit ein. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man ohne Vorkenntnisse oder Erwartungen zwei Menschen bei einer gleichen Bewegung in Arbeit oder Sport beobachtet, wird man niemals das Gleiche sehen. Jeder Mensch bewegt sich anders, verh\u00e4lt sich anders und dr\u00fcckt sich anders in seinem Involviert-Sein aus. So kommt zum Beispiel der eine L\u00e4ufer vollkommen abgehetzt und fertig durch die Ziellinie, w\u00e4hrend ein Anderer scheinbar m\u00fchelos und wie entspannt die gleiche Linie erreicht. Besonders deutlich erkennt man das am Gesichtsausdruck und der Haltung. Interessant ist, das die <strong>Nat\u00fcrlichkeit einer Bewegung<\/strong> und deren Ausdruck sich stets auch in Haltung und Gestimmt-Sein ausdr\u00fccken. Nat\u00fcrlich ist eine Bewegung dann, wenn sich die Innenbewegung und die Au\u00dfenbewegung harmonisch zueinander verhalten und innen die Ressourcen bereitstehen, die f\u00fcr die Au\u00dfenleistung gebraucht werden. Ger\u00e4t ein Sportler an seine Leistungsgrenze, sollte er eigentlich das erkennen und entsprechend seine Aktion einstellen oder unterbrechen. Nur z\u00e4hlt ja im Sport meist das Ankommen, die Quantit\u00e4t, die erfolgreiche L\u00f6sung der Aufgabe oder das Ausstechen des Gegners, z\u00e4hlt oft also nur noch der Ehrgeiz und die Leidensf\u00e4higkeit oder mit anderen Worten seine Grenzen ma\u00dflos zu \u00fcberschreiten. Ich halte das f\u00fcr einen grandiosen Fehler unseres Denkens und versuche daher, diese \u00dcberschreitungen in meinen Unterricht zu verhindern. Dies geschieht dadurch, das ich die Nat\u00fcrlichkeit im Ausdruck meiner Teilnehmer in Auge behalte und wenn notwendig einschreite. Erh\u00f6hte Atemfrequenzen, verzerrte Gesichter einerseits und Gelassenheit und freudvoller Ausdruck anderseits sind daf\u00fcr gute Bewertungsparameter. Gymnastik und Yoga kann nur gelassen und mit Freude an Bewegung erfolgreich praktiziert werden. Alles andere ist Illusion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was jetzt noch fehlt ist eine Erl\u00e4uterung des Begriffes der <strong>Energie<\/strong>. In der Bewegungslehre ist Energie immer definiert als das innere Potential, eine Bewegung ausf\u00fchren, halten oder fortsetzen zu k\u00f6nnen. Sie kommt von innen und ist letztlich betrachtet die Grundlage jeder Ver\u00e4nderung, zu der auch Bewegung, \u00d6ffnung, Dehnung, Leistung und so weiter geh\u00f6ren. Letztlich ist ein Organismus wie ein K\u00f6rper mit all seinen Funktionen auf Energie angewiesen und es ist m\u00fc\u00dfig, sich dar\u00fcber zu streiten, ob diese eine grundlegende oder abgeleitete Gr\u00f6\u00dfe darstellt. Wo immer sich etwas bewegt, ist Energie notwendig. Nun gibt es sowohl im Yoga als auch in mehr westlich gepr\u00e4gten Sportarten verschiedenste Theorien, wie, was und woher diese Energie ihren Ausgangspunkt und ihre Aktivit\u00e4t findet. Ich halte diesen Ausdruck \u201eEnergie\u201c daher lediglich f\u00fcr einen Namen, der ein eingegrenztes Feld innerhalb einer Lehre darstellt, die sich mit Ver\u00e4nderung oder Bewegung besch\u00e4ftigt. Aussagen wie \u201eAlles ist Energie\u201c oder \u201eDas ist viel Energie\u201c oder \u201eSp\u00fcre die Energie in dir\u201c sind Ausdrucksformen einer Innenbewegung, die jeder Mensch auf seine Weise in sich zu sp\u00fcren vermag. Sie sind nicht Aussagen zur Weltbeschaffenheit oder anderer philosophischer Theorien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit zun\u00e4chst einmal die Begrifflichkeiten, die ich verwende, und deren Gehalt in meiner Ansicht zum Thema. Wie sich das dann im Unterricht ausgestaltet und welche Folgerungen daraus zu ziehen sind, \u00fcberlasse ich jedem Leser\/Teilnehmer selbst. Ich selbst bem\u00fche mich im Unterricht, diese genannten Positionen so gut wie m\u00f6glich zu vertreten und f\u00fcr jeden meiner Teilnehmer ein angemessenes Programm zu gestalten, so weit das in einem Gruppenunterricht m\u00f6glich ist. Wichtig f\u00fcr mich ist, das ein Teilnehmer die Halle oder das Studio freier in der Wahrnehmung seiner Selbst verl\u00e4sst als er\/sie diese R\u00e4ume betreten hat. Und wenn dann von den Erkl\u00e4rungen, Vorschl\u00e4gen, Anweisungen und Ratschl\u00e4gen etwas h\u00e4ngen bleibt und\/oder gar zur L\u00f6sung eines Bewegungsproblems beitr\u00e4gt, habe ich meine Arbeit erfolgreich getan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielen Dank f\u00fcr Ihre Geduld \u2026 und gutes Gelingen weiterhin &#8230;<\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-866'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='fn-866-1'> Die beiden Begriffe stammen von Dore Jacobs, die schon 1985 zwei wunderbare B\u00fccher \u00fcber die menschliche Bewegung (ISBN: 3 7800 6038 8) und Bewegungslehre (ISBN: 3 7800 6039 6) geschrieben hat. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-866-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-866-2'> DocCheck Flexikon, https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/ Entspannungsverfahren <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-866-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-866-3'> Spektrum.de, https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/psychologie\/entspannung\/4161 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-866-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div><div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F866&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F866&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D866&text=Die%20sportliche%20Aktivit%C3%A4t%20als%20Ausgleich%20f%C3%BCr%20Alltagsbelastungen%3F%21\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D866\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sportliche Aktivit\u00e4ten als gesund bzw. der Gesundheit f\u00f6rdernd gelten ist ein allgemein g\u00fcltiges Narrativ und wird heute nicht mehr hinterfragt. Nat\u00fcrlich gibt es auch noch die Vertreter des \u201eKein Sport bitte&#8230;\u201c, aber sie sind der allgemeinen \u00dcberzeugung nach zu einer verschwindend kleinen und meist verborgenen bleibenden Minderheit geworden. Stimmt das? Ich denke nicht. 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