{"id":900,"date":"2025-04-01T13:04:56","date_gmt":"2025-04-01T13:04:56","guid":{"rendered":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=900"},"modified":"2026-10-17T14:26:02","modified_gmt":"2026-10-17T14:26:02","slug":"meine-einfachen-vorstellungen-zu-yoga-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.eu\/?p=900","title":{"rendered":"(M)eine einfache(n) Vorstellungen zu Yoga &#8211; heute"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer heute ein Yogastudio aufsucht, erwartet in der Regel, das dort rein k\u00f6rperliche \u00dcbungen praktiziert und gelehrt werden. Dazu z\u00e4hlt besonders die Sparte Asana, etwas weniger oft das Pranayama und selten die meditativen Techniken. Das Yoga viel mehr enth\u00e4lt, es theoretisch gesehen eine gesamte Weltenlehre <sup class='footnote'><a href='#fn-900-1' id='fnref-900-1' onclick='return fdfootnote_show(900)'>1<\/a><\/sup> enth\u00e4lt und zu nahezu zu allen Problemfeldern des menschlichen Lebens L\u00f6sungswege anbietet, ist weniger bekannt. Nun sind die indischen Vorstellungen zu Gesellschaft und Kultur der voreurop\u00e4ischen Zeit in Indien damals wie heute nicht einmal ann\u00e4hernd mit dem Christentum Europas kompatibel. Ich beschr\u00e4nke mich daher in diesem Artikel auf die drei erstgenannten Felder, wobei Asana einen sehr gro\u00dfen Raum, Pranayama einen kleineren Raum und Meditation nur einen kleinen Raum der Praxis, wie ich sie verstehe und unterrichte, einnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beginnen m\u00f6chte ich mit einer Beobachtung, die immer wieder kehrt. Am Beginn der Yogastunde stehe ich meist vor den Teilnehmern und frage: \u201eWas machen wir denn heute?\u201c. Die Antwort erfolgt meist z\u00f6gerlich, aber dann, nachdem jemand den Anfang gemacht hat, folgt eine Aufz\u00e4hlung der K\u00f6rperpartien, die gerade mal st\u00f6ren, Schmerzen bereiten oder sich in einer Verfassung befinden, die nicht mehr normal beweglich <sup class='footnote'><a href='#fn-900-2' id='fnref-900-2' onclick='return fdfootnote_show(900)'>2<\/a><\/sup> genannt werden kann. Ich m\u00f6chte das jetzt nicht bewerten, aber Yoga und seine Praxis beschr\u00e4nkt sich ganz und gar nicht darauf, Unp\u00e4sslichkeiten auszub\u00fcgeln. Die Yoga-Therapie <sup class='footnote'><a href='#fn-900-3' id='fnref-900-3' onclick='return fdfootnote_show(900)'>3<\/a><\/sup> ist eigentlich nur ein kollaterales Feld, das eine Sonderstellung einnehmen sollte. Vielmehr sehe ich im Yoga und seiner k\u00f6rperlichen Praxis vor allem anderen eine pr\u00e4ventive Praxis, was nichts anderes hei\u00dft als das man \u00fcbt und verinnerlicht, solange man gesund und munter ist, um bei Auftreten von bewegungsst\u00f6renden Problemen \u00dcbungen zur Verf\u00fcgung zu haben sprich die zu beherrschen, mit denen eine St\u00f6rung beseitigt werden k\u00f6nnte. Nat\u00fcrlich kann Yoga auch dazu dienen, solche Probleme erst gar nicht aufkommen zu lassen. Leider ist der letztgenannte Satz eher die Ausnahme und das gesunde Menschen mit dem Ziel der innovativen K\u00f6rpergestaltung in eine Yogastunde kommen eher eine Seltenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besch\u00e4ftigen wir uns mit <strong>Asana<\/strong>, den <strong>K\u00f6rper\u00fcbungen<\/strong>. Die Yoga-Sparte Asana enth\u00e4lt eine Sammlung von \u00dcbungen, Haltungen und Posen, die den K\u00f6rper eines Menschen in den Bereichen Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer in all seinen M\u00f6glichkeiten zu fordern in der Lage sind. Mit anderen Worten: Yoga-Asana ist ein komplett durchgestaltetes K\u00f6rpertraining, das sich je nach K\u00f6rperzustand variabel ausf\u00fchren l\u00e4sst. Das zeigt sich schon darin, das oft die Praxis zu Beginn als schwer und herausfordernd empfunden wird und mit zunehmender Erfahrung immer leichter zu werden scheint. Das gilt f\u00fcr alle Bereiche innerhalb der schon oben erw\u00e4hnten Normalbeweglichkeit. Die \u00dcbungen enthalten aber auch Praktiken, die f\u00fcr Europa zumindest eine \u00dcberbeweglichkeit als Voraussetzung haben, was, wenn z\u00fcgig angestrebt, dehnen und kr\u00e4ftigen erfordert und sicherlich nicht als entspannt ausf\u00fchrbar angesehen werden kann. Ich zum Beispiel wollte unbedingt im Lotus sitzend meine Meditationspraxis aus\u00fcben k\u00f6nnen und habe sehr fordernd ausgef\u00fchrte \u00dcbungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hindurch daf\u00fcr in Kauf genommen. Das ist aber meist nicht die normale Praxis, sondern die gr\u00f6\u00dfere Beweglichkeit von Yoga-\u00dcbenden kommt mit der Zeit und nahezu automatisch nach Jahren des \u00dcbens. Die \u00dcbungen, die in vielen B\u00fcchern dargestellt werden, sind meist schon das Ergebnis dieser jahrelangen Praxis und k\u00f6nnen daher einem Einsteiger nicht immer empfohlen werden. Ich selbst verwende im Einsteiger-Segment eher abgeschw\u00e4chte und vereinfachte Ausgestaltungen und versuche, einen \u00fcbertriebenen Ehrgeiz bei den Teilnehmern zu z\u00fcgeln. Eine angemessene \u00dcbungsgestaltung, die weder unter- noch \u00fcberfordert zeitigt meiner Erfahrung nach die besten Ergebnisse und Fortschritte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schauen wir w\u00e4hrend des Haltens in eine Asana hinein, so werden wir nach und nach die K\u00f6rperpartien (Muskeln, Gewebe, Teile) sp\u00fcren, die zur Ausf\u00fchrung derselben notwendig sind. Das allein ist das wichtigste R\u00fcstzeug, mit dem Erfahrungen in Asana gesammelt werden k\u00f6nnen. Den K\u00f6rper entdecken und seine Teile in und auswendig kennen lernen ist die wesentliche Grund-Essenz von K\u00f6rper\u00fcbungen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der, nach dem Sp\u00fcren seine M\u00f6glichkeiten in Bezug zu Bewegungen innerhalb des Haltens oder Einrichtens auszuloten. Daf\u00fcr empfehle ich Mini- und Mikrobewegungen im Umfeldes der anzusprechenden Region nahe an der Grenze der Beweglichkeit, die jetzt und hier gerade zu Verf\u00fcgung steht. Nicht jeder Tag ist gleich. Mit anderen Worten arbeiten, halten, stehen usw. tun wir immer an der Grenze unserer M\u00f6glichkeiten. Daf\u00fcr verwende ich die Begrifflichkeit \u201enoch sch\u00f6n\u201c, \u201enoch ertr\u00e4glich\u201c oder \u201enoch angenehm\u201c, und das bleibt solange bestehen, bis die \u00dcbung perfekt sprich nahezu kraftlos und leicht ausgestaltet werden kann. Tritt das letztgenannte ein, kann die \u00dcbung als ausgearbeitet angesehen werden. Bestimmt aber gibt es im Yogabuch weitere Variationen, die, falls gew\u00fcnscht, weitere Herausforderungen bieten k\u00f6nnen. Oder aber wir sind zufrieden und gl\u00fccklich mit dem Erreichten und verlassen das \u00dcben und gehen zum einfachen Tun \u00fcber, um das Erlangte zu festigen und zu sichern, auf das es lange erhalten bleibe. Das geht entspannt und ruhig und nimmt meist deutlich weniger Zeit in Anspruch als am Beginn der Praxis. Erhalten ist immer einfacher als erreichen. Auf diese Weise bleibt der K\u00f6rper ausgearbeitet. Er zeigt dann keinerlei Verspannungen mehr, ist hoch beweglich, zeichnet sich bewegungstechnisch durch Eleganz und Leichtigkeit aus und wird aus sich selbst heraus keine St\u00f6rungen mehr zulassen. Verletzungen durch Unfall und Fremdverschulden k\u00f6nnen wir aber nie ausschlie\u00dfen. Insoweit ist es sicher anzuraten, dran zu bleiben. Yoga-Asana ist eine Lebenspraxis, die bis ins hohe Alter nicht versiegen sollte. Auch Alt-Werden-K\u00f6nnen mit seinen allseits bekannten Begleiterscheinungen \u2013 die werden kommen, fr\u00fcher oder mit Yoga vielleicht auch viel sp\u00e4ter &#8211; sollte ja ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas anders gestalten sich die Atem\u00fcbungen, die im <strong>Pranayama<\/strong> ausge\u00fcbt werden. Hier geht es nicht mehr allein darum, den K\u00f6rper fit zu machen, sondern hier arbeiten wir einerseits an der wohl grundlegendsten Lebenserhaltungsvoraussetzung und andererseits beginnt hier die Arbeit an und mit der K\u00f6rperenergie. Mit anderen Worten ist hier generell zu Vorsicht anzuraten. Unser Atem geschieht meist unbewusst, gelingt seit der ersten Lebensminute und bedarf keiner gro\u00dfartigen \u00c4nderung. Was mit Atem\u00fcbungen erreicht werden kann ist im Prinzip daher schnell gesagt. Wir haben die M\u00f6glichkeit, dem Atem, so wie er ist, zu helfen, voller, langsamer und leichter seine Arbeit zu tun. Wir arbeiten daher lediglich an seiner Umgebung, also den Wegen, die manche Bewegungen im K\u00f6rper gehen m\u00fcssen, um Atem zu erm\u00f6glichen. Das hei\u00dft, das wir den Atem nicht pressen, ziehen oder blockieren, sondern auf seinen Wegen die Hindernisse zu beseitigen haben, die begleitende K\u00f6rperpartien aufweisen. Der Yogaatem soll durch den gesamten Rumpf sprich vom Schulterdach bis zum Beckenboden hinunter ohne Hindernisse oder Anstrengungen gesp\u00fcrt und gestaltet werden k\u00f6nnen. Dann n\u00e4mlich erst hat das Zwerchfell, das die Atembewegung \u00fcberwiegend bewirkt, den Raum, um die Lunge vollst\u00e4ndig bis in die untersten Spitzen f\u00fcllen lassen zu k\u00f6nnen. Die Lunge f\u00fcllt sich, wenn der Raum gegeben ist, und leert sich, wenn der Raum genommen wird. Atem\u00fcbungen werden unter dieser Pr\u00e4misse ausgef\u00fchrt. Kein Dr\u00fccken, Ziehen oder Pressen, sondern der freie Gang durch den K\u00f6rper ist das Ziel. Au\u00dferdem sind die Atemg\u00e4nge begrenzt im Durchmesser. Es ist daher sinnvoll, in den \u00dcbungen den verf\u00fcgbaren Raum mit der Durchflussm\u00f6glichkeit der Ein-und Ausg\u00e4nge zu koordinieren. Es gilt das Prinzip des Blasebalgs. Zu schnell ist daher immer weniger, nicht mehr. Ein Raum f\u00fcllt sich auch nicht besser, wenn Druck ausge\u00fcbt wird. Druck erzeugt nur wieder Enge. Also Pranayama ist entspannt und locker zu \u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Atembewegung bewegt sich auch unsere <strong>K\u00f6rperenergie<\/strong>. Sie besitzt ihr Zentrum im Unterbauch und wird von dort aus in alle K\u00f6rperregionen weitergeleitet. Das ist, wie die Pranayama-\u00dcbungen belegen, die Region, in der immerzu die Bewegungen des Atems gesp\u00fcrt werden k\u00f6nnen. Energie ben\u00f6tigt dieses andauernde Gef\u00e4lle, um sich entfalten zu k\u00f6nnen. Mehr Bewegungsraum erm\u00f6glicht die Bereitstellung von mehr Energie, und mehr Energie macht den K\u00f6rper leistungsf\u00e4higer und gibt ihm Sicherheit. Letzteres ist eine Komponente, die nicht untersch\u00e4tzt werden sollte. Unsicherheit beengt, macht klein und dr\u00fcckt. Nicht nur der Geist, auch der K\u00f6rper reagiert auf diese Weise. Wer kennt das nicht? Pranayama gestaltet so nicht nur den Atem leichter, auch die energetische Versorgung wird verbessert und das Stimmungsgewand des Menschen profitiert ebenfalls durch Sicherheit im Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir jetzt zur dritten Sparte, die mit <strong>Meditation<\/strong> zu tun hat. Meditation ist ein Wort, das heute in sehr vielen Kontexten Verwendung findet. Das geht von einfach nur Still sein bis zum Erreichen einer religi\u00f6sen Vervollkommnung sprich Erleuchtung. Dazwischen gibt es unendlich viele Praktiken, die alle ganz nett bis f\u00f6rdernd sind bzw. sein k\u00f6nnen, aber mit Meditation im yogischen Sinn nicht viel zu tun haben. Es geht darin eher darum, etwas zu erreichen, zu erhalten oder auch nur darum, sich f\u00fcr eine begrenzte Zeit gut zu f\u00fchlen. F\u00fcr mich sind nur die beiden als Extrem ausgewiesenen Deutungen stimmig, allerdings m\u00fcssen sowohl die Worte \u201eStille\u201c als auch \u201eErleuchtung\u201c genauer betrachtet sprich definiert werden. Wer sich jemals auf ein Kissen gesetzt und \u201eStille\u201c praktiziert hat, wird Stille nicht mehr allein als Abwesenheit von Ger\u00e4uschen betrachten. Stille bezieht sich hier n\u00e4mlich auf alle Sinne <sup class='footnote'><a href='#fn-900-4' id='fnref-900-4' onclick='return fdfootnote_show(900)'>4<\/a><\/sup> und hei\u00dft nicht, das diese verstummen, sondern sie werden nicht mehr in Gef\u00fchle, Stimmungen, Angst, Handlung und dergleichen umgewandelt und entsprechend gelebt. Der zweite Begriff namens Erleuchtung hat mehr religi\u00f6se Bedeutungen und ist definiert als \u201cdas Beschauen der reinen Seele\u201c, die im Nicht-Erleutungs-Zustand als verschmutzt, verunreinigt und verblendet gilt und die der religi\u00f6se Sucher zu befreien hat. Wer aber die Seele &#8211; in Indien ist das Atman &#8211; in Frage stellt bzw. diese als nicht vorhanden ansieht (im Buddhismus gilt Anatman), kann das Beschauen auch als \u201edas Begreifen der Grundlagen des Lebens\u201c ansehen. Hier ist dann aber nicht Reinigen, sondern Erkennen das Mittel der Arbeit. Im Zen-Buddhismus zum Beispiel f\u00e4llt auch jede Zielvorstellung weg, da alle Ziele, die erreicht werden k\u00f6nnten, bereits erreicht sind, nur das wir das nicht zu erkennen wagen. Es w\u00e4re daher von Vorteil, ausreichend Mut zum Erkennen aufzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im westlichen Weltbild wird wohl der Gro\u00dfteil der Praktizierenden zur Begrifflichkeit \u201e<strong>Stille<\/strong>\u201c neigen. Zu beschreiben, wie dabei Gesessen wird, wie darin dann diese Stille erreicht, gefestigt und kultiviert werden kann w\u00fcrde ganze B\u00fccherregale f\u00fcllen. Von Achtsamkeit bis Zen reichen hier die Beschreibungen aus aller Welt und allen Kulturen. In meiner Anschauung gen\u00fcgt es, das Sitzen in Stille als eine Betrachtung anzusehen. Betrachtet wird die mentale Wandlung der Sinnesinhalte und des Denkens im Bewusstsein und wirkt wie bei Asana und Pranayama \u00fcber das Lernen am eigenen Selbst. Wir lernen hier aber nicht greifbare, sondern mentale <sup class='footnote'><a href='#fn-900-5' id='fnref-900-5' onclick='return fdfootnote_show(900)'>5<\/a><\/sup> Strukturen und Gewohnheiten kennen und versuchen auf diese Weise mehr \u00fcber uns zu erfahren. Mehr zu sagen w\u00fcrde den Rahmen eines Artikel wie diesen mehr als sprengen, weil die Assoziationen dazu von Null bis Unendlich gehen k\u00f6nnen. Gelehrt werden kann eigentlich nur, wie man l\u00e4ngeres Sitzen in Stille und Unbeweglichkeit aush\u00e4lt und wie durch Konzentration und Gelassenheit die Inhalte und deren Wahrnehmung ertr\u00e4glich gestaltet werden k\u00f6nnen. Alles andere bleibt individuell unterschiedlich und ist daher nicht geeignet zu Verallgemeinerungen, die sich in Anweisungen wie \u201ewenn&#8230;, dann\u2026\u201c ausdr\u00fccken lassen. Meditation ist und bleibt eine sehr pers\u00f6nliche Praxis. Einen Rat m\u00f6chte ich aber noch anf\u00fcgen: Der Mensch befindet sich zu jeder beliebigen Zeit in einer Stimmungslage, einer Gestimmtheit. Sich einzelne <strong>Stimmungen<\/strong> anzuschauen gelingt nur dann, wenn diese Stimmung in der Zeit des Schauens auch anwesend ist. Ich kann mir meine Wut nicht anschauen, wenn ich in mir voller Freude bin. Das werden dann nur neue Vorstellungen mit keinerlei Bezug zur Realit\u00e4t. Nur zu meditieren, wenn es toll und locker ist, ist daher keine Praxis, die Erfolg verspricht. Angeschaut werden m\u00fcssen nicht nur Freude, Gelassenheit und Hochgestimmt-Sein, auch Angst, Wut, Zorn, Niedergeschlagenheit, Hass und andere heute als negativ betrachtete Stimmungen sind mit auf das Kissen zu nehmen, um sie zu beschauen. Nur was bekannt ist, kann auch kultiviert werden. Die Meditation w\u00e4hlt nicht, sondern nimmt, was gerade da ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit geht meine Vorstellung zu dem, was ich heute in 2025 Yoga nenne. Ich m\u00f6chte das bisher gesagte nochmal in einer etwas einfacheren Sprache zusammenfassen. Yoga heute im westlichen Kulturkreis hat viele Facetten. Das geht von eine nahezu religi\u00f6sen Glaubenspraxis \u00fcber Verehrungskulte (gro\u00dfe Meister) bis hin zur einfachen K\u00f6rper- und Bewusstseinsarbeit im Dienste der k\u00f6rperlichen und geistigen Gesundheit. Yoga wirkt mehr pr\u00e4ventiv und ist in meinem Verst\u00e4ndnis kein Allheilmittel gegen das Unbill der Welt. Das auch therapeutischen M\u00f6glichkeiten bestehen, mit Yoga heilend oder heilungsf\u00f6rdernd zu arbeiten beschr\u00e4nkt sich in meinem Verst\u00e4ndnis auf Therapien, die mit Bewegung arbeiten (Asana) und\/oder die eine beruhigende (Meditation) und\/oder belebende (Pranayama) Wirkung zum Ziel haben. All das jedoch ersetzt weder den Arzt, den Heilpraktiker noch den Therapeuten gleich welcher Richtung. Ich bemerke allerdings, das die Praxis des Yoga oftmals den beunruhigenden Gang zum Heilberuf-Aus\u00fcbenden \u00fcberfl\u00fcssig macht, weil intensiv \u00fcbende Menschen \u2013 Ich kenne da schon eine gro\u00dfe Schar &#8211; nicht mehr so schnell und oft von massiven Krankheiten heimgesucht werden, weil das aufkommende gesundheitliche Unbill sehr fr\u00fch erkannt wird und in dieser Phase oft schon einfache Hausmittel reichen, um es abzuwenden. Aber diese Beobachtung eines \u00dcbenden ist sicherlich auch schon ein wenig vorgef\u00e4rbt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Yoga zu arbeiten hei\u00dft auch <strong>\u201esich einzulassen\u201c<\/strong>, einzulassen auf Neues, auf Entspannen, auf Ausprobieren und \u201ein Frage stellen\u201c. Aber auch das sollte mit Vernunft, Vorsicht und dem notwendigen Respekt vor dem Unbekannten \u2013 das uns \u00fcberall begegnet &#8211; begangen werden. Man kann Narrative \u2013 das sind stimmungserzeugende Geschichten, denen nachgeeifert werden soll &#8211; nicht hinter sich lassen, indem man diese durch andere Narrative sprich Stimmungen ersetzt. Es ist zun\u00e4chst der Eifer &#8211; das zielgerichtete vorhersehene Handeln -, der fallen muss, dann fallen die Narrative und dann erst ist der Mensch frei. Frei sein bedeutet, von Stimmungen frei zu sein. Und wohin er\/sie sich dann wendet, bleibt offen, ist also weder vorbestimmt noch kann es in irgend einer Weise eingefordert werden. Das kann rational sein, irrational oder auch wieder einem oder mehreren gew\u00e4hlten Narrativen folgen. Frei ist frei, sonst nichts. Da gibt es keine Vorgaben. Auch eine frei erw\u00e4hlte Unfreiheit ist immer noch frei. Es gilt: \u201eNichts muss\u2026, alles kann\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Patanjali schreibt im zweiten Satz seiner Sutra: Yoga\u015b citta-vritti nirodhah. Das \u00fcbersetzt und erl\u00e4utert Iyengar mit den Worten: Yoga ist das Unterbinden von Schwankungen im Bewusstsein. Dazu muss das Verhalten des Bewusstseins studiert werden\u2026 <sup class='footnote'><a href='#fn-900-6' id='fnref-900-6' onclick='return fdfootnote_show(900)'>6<\/a><\/sup> So erkl\u00e4rt sich der Inhalt des obigen wortreichen Textes in einem einzigen Satz. Wahrnehmungen des K\u00f6rper, des Atems, des Kreislaufes und des Geistes sind der Inhalt des Bewusstseins, der von sich selbst handelt. Sie sind Schwankungen und Stimmungen unterworfen. Um sie zu genie\u00dfen, zu z\u00fcgeln und\/oder zu kultivieren, muss der \u00dcbende sie im ersten Schritt zun\u00e4chst einmal kennen lernen. Die weiteren Schritte ergeben sich daraufhin nahezu von selbst.<\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-900'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='fn-900-1'> Unter Weltenlehren verstehe ich die gro\u00dfen Zivilisations-pr\u00e4genden Gedankengeb\u00e4ude, wie zum Beispiel das Christentum, den Islam, den Buddhismus oder der Hinduismus einnehmen, die es heute jeweils in mehreren Auspr\u00e4gungen gibt, die aber innerhalb dieser im Kern eine gemeinsame Grundlage haben. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-900-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-900-2'> Die zur Normalbeweglichkeit geh\u00f6renden \u00dcbungen k\u00f6nnen bequem gemeistert werden, zum Beispiel in der Vorw\u00e4rtsbeuge im Sitzen die Zusammenf\u00fchrung von Handgelenk und Zehenspitzen bei gestreckten Beinen. N\u00e4heres siehe Intensivstreching und Ausgleichsgymnastik von Gerd Schnack (ISBN 3-7692-0239-8). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-900-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-900-3'> Die Behandlung von St\u00f6rungen durch gezielte Bewegungsintension\u2026 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-900-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-900-4'> In der yogischen Tradition gibt es sechs Sinne: H\u00f6ren, Sehen Sp\u00fcren, Riechen, Schmecken und Denken. Einschlie\u00dflich aller Querverbindungen wie wahrnehmen, bedauern, ersehnen usw. einschlie\u00dflich Angst und Zielstrebigkeit. Sie werden alle im Wort Cit oder Citta zusammengefasst. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-900-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-900-5'> Zustandsform des Geists einer Person <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-900-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-900-6'> BKS Iyengar \u2013 Der Urquell des Yoga \u2013 ISBN 3-502-61238-1, Seite 83 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-900-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div><div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F900&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F900&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.eu\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D900&text=%28M%29eine%20einfache%28n%29%20Vorstellungen%20zu%20Yoga%20%E2%80%93%20heute\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.eu%2F%3Fp%3D900\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer heute ein Yogastudio aufsucht, erwartet in der Regel, das dort rein k\u00f6rperliche \u00dcbungen praktiziert und gelehrt werden. Dazu z\u00e4hlt besonders die Sparte Asana, etwas weniger oft das Pranayama und selten die meditativen Techniken. Das Yoga viel mehr enth\u00e4lt, es theoretisch gesehen eine gesamte Weltenlehre enth\u00e4lt und zu nahezu zu allen Problemfeldern des menschlichen Lebens L\u00f6sungswege anbietet, ist weniger bekannt. Nun sind die indischen Vorstellungen zu Gesellschaft und Kultur der voreurop\u00e4ischen Zeit in Indien damals wie heute nicht einmal ann\u00e4hernd mit dem Christentum Europas kompatibel. Ich beschr\u00e4nke mich daher in diesem Artikel auf die drei erstgenannten Felder, wobei Asana einen sehr gro\u00dfen Raum, Pranayama einen kleineren Raum und Meditation nur einen kleinen Raum der Praxis, wie ich sie verstehe und unterrichte, einnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":901,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[10,7,1,227,19,2],"tags":[170,364,124,73,163,11,117,128],"class_list":["post-900","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-definitionen","category-erlaeuterungen","category-uncategorized","category-yoga","category-yoga-und-meditation","category-yoga-wirkt","tag-asana","tag-einfach","tag-energie","tag-meditation","tag-religion","tag-spiritualitaet","tag-yoga","tag-zen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=900"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/900\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":944,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/900\/revisions\/944"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperzelhp.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}