Für jeden Yogaübenden kommt irgendwann der Punkt des „Nicht mehr zurück Könnens“, oder auf neudeutsch ausgedrückt: „The point of no return“. Es ist wie ein langer Aufstieg an einem Berg. Irgendwann sind wir schon sehr weit oben und Nebel zieht auf, und um weiterzugehen, müssen wir nur einen weiteren Schritt tun, aber dieser Schritt geht ins Nichts. Dieses Nichts ist nicht Leere, Raumlosigkeit oder „da gibt es nichts mehr“, sondern dieses Nichts ist das Unbekannte, das, was nicht mehr voraussehbar ist. Und diesen Schritt weiterzugehen muss der Übende wollen, wirklich wollen. Da gibt es keinen Halt mehr, kein Sicherungsseil und kein Führer. Ab hier geht er allein auf unbekannten Wegen. Leben und Konsumieren weiterlesen
Einsamkeit, Allein-sein und Kommunikation
Über Einsam-Sein und Allein-Sein-Wollen zu schreiben wird oft so verstanden wie eine Sitzung beim Psychotherapeuten, weil in einer Informations- und Eventgesellschaft der Wunsch, hier und da einmal allein zu sein, einsam zu sein schon als Krankheit (Depression) oder zumindest als Störung (Sonderling) verstanden wird. Das mag auch aus der Sichtweise eines gesellschaftlich-aktiven Menschen auch so erscheinen, aber aus der Sicht eines Menschen, der es gewohnt ist, oftmals allein zu sein, erscheint das wie eine Beleidigung und motiviert mehr dazu, sich weit mehr als gewollt zurückzuziehen. Einsamkeit, Allein-sein und Kommunikation weiterlesen
Bandhas
Während die traditionellen Schriften und Anschauungen ein Bandha als einen energetischen Verschluss beschreiben, durch den Energie im Körper festgehalten werden soll und überwiegend im Pranayama Anwendung findet, betrachte ich diese Motive mehr als Siegel und verwende sie auch in der Asana-Praxis. Für mich wirken Bandhas nicht wie Verschlüsse, sondern stellen vielmehr ein energetisches Siegel über Reglern dar, die den Energiefluss in einer vorgegebenen Weise aufrecht erhalten, auch wenn sich die Pose in und während der Übungsausführung und Haltung sowohl im Bezug zur Schwerkraftausrichtung (prana-apana-Ausrichtung) als auch zum Anspannungspegel hin ändert. Dabei wirken die großen Drei grundsätzlich immer zusammen. Während in der Einrichtung einer Haltung gestaltet der Übende seinen Energiefluss meist durch angemessene Muskelanspannung nahezu automatisch in der Weise, wie die Übung dies erfordert. Soll nun die Haltung länger gehalten werden und Mühelosigkeit und Leichtigkeit entstehen, muss diese Anspannung aufgegeben werden. Damit der Energiefluss trotzdem erhalten werden kann, werden die Bandhas vor der Lösung der Anspannung in sinnvoller Weise gesetzt. Diese wirken dabei wie ein Siegel auf einem Regler, das keine Änderung der Einstellung zulässt. Gespeist werden die Bandhas von den Muskulatur-Anteilen, die ständig unter Anspannung stehen müssen. Dazu gehört der Beckenboden (mulabandha, gespeist vom Verschluss der Ausscheidungsorgane), der Unterbauch (uddiyanabandha, gespeist durch die autonome Anspannung am Ende der vollständigen Yogaatmung) und der Nacken (yalandharabandha, gespeist durch die ständige Ausrichtung des Kopfes als zentrale Spitze der Wirbelsäule). Weitere Bandhas (Sie werden im Yoga oftmals Marmas genannt) sind wirksam durch Einstellung der Hand- und Fußgelenke sowie durch Rotationsbewegungen von Beinen und Armen. Da jedes Pranayama und jede Meditation ebenfalls eine Haltung erfordern, ist die Verwendung von Bandhas bei diesen Praktiken gut verständlich. Allerdings richten nicht die Bandhas eine Übung ein, sondern selbiges erfolgt in der Einrichtungsphase durch Muskelkraft in eine energetische Öffnung, die nur durch ein Siegel, eben die Bandhas, festgelegt bleibt. Da die Bandhas immer zusammenwirken, genügt die Setzung eines dieser Siegel, um alle anderen ebenfalls zu aktivieren. Der Übende wählt dabei das Bandha als Initiation, dass in der Haltung am zugänglichsten ist und/oder leicht verfügbar erscheint.
Asana
Asana, richtig ausgeführt und gestaltet, ist ein vollständiges Trainingssystem, dass gerade in der modernen bewegungsarmen Arbeitswelt einen guten Ausgleich ermöglicht. Asana als Übungspraxis begründet sich durch die Motive der nachfolgende Aufzählung, die niemals vollständig sein kann:
Asana wirkt wohltuend und begünstigend auf unsere Gesundheit.
Wie jeder Körper auf diesem Planeten ist auch der menschliche Körper verschiedenen Kräften ausgeliefert, die zum Teil von außen auf selbigen einwirken als auch aus der Verfasstheit des Körpers selbst stammen. Als größte äußere Kraft wirkt die Schwerkraft auf den Körper ein. Diese Kraft, wie physikalische Experimente und Gesetze belegen, ist zwar riesig, wird aber in der Regel nicht wahrgenommen. Trotzdem ist sie vorhanden und jeder lebendige Körper agiert auf verschiedenste Weisen, um diese Kraft zu neutralisieren oder zu kompensieren. Dazu öffnet sich der Körper permanent in eine für ihn günstige Ausdehnung, in der die Möglichkeit für den Transport von Gasen und Flüssigkeiten gegeben ist. Weiterhin wird die Schwerkraft als Gegenkraft benutzt, um feinste Regulierungen auszuzuführen. Ist die Muskulatur und das Gewebe verkürzt oder nicht elastisch genug, werden einerseits diese Regulierungen erschwert oder sogar unmöglich und andererseits ist die Ernährung der Zellen durch Einschränkungen der Leitungskapazität der Blutgefäße eingeschränkt. Asana verfolgt daher aus gesundheitlicher Sicht das Ziel, den Körper soweit in Form zu halten, dass eine uneingeschränkte Versorgung und Regulierung aller Körperfunktionen und -zellen gewahrt bleibt.
Asana in Verbindung mit Konzentration sorgt für eine funktionale Wahrnehmung innerer Gegebenheiten.
Wie alle autonomen Lebewesen verfügt auch der Mensch über Systeme und Mechanismen, um den Körper zu schützen, zu heilen und zu verteidigen. Diese sensorischen Systeme agieren nur dann vollkommen, wenn die körperliche Funktionalität voll zu Verfügung steht. Werden Alarmsignale, die sich überwiegend nur im Fühlen zeigen (Schmerz, Unwohlsein, Intuition), übertönt und daher nicht wahrgenommen, werden die erforderlichen Maßnahmen nicht oder zu spät eingeleitet und der Körper erleidet Schaden (Krankheit, Tod). Fühlen ist als älteste Sinnestätigkeit das Sprachrohr des Körpers. Während fehlende Konzentrationsfähigkeit nach innen die feinen sensorischen Anregungen nur nicht findet, macht verhärtete und verkrampfte Muskulatur und Gewebeanteile schon die Aussendungen dieser Impulse unmöglich. Asana schafft, entwickelt und verbessert durch Konzentration und Öffnung die Vorbedingungen für das Fühlen innerer Vorgänge.
Zeit und spirituelle Praxis
Das Wort Zeit ist heute in aller Munde. Nicht nur der fast schon antiquarische Spruch „Zeit ist Geld“ ist damit angesprochen, sondern Zeit wird heute gemanagt, entschleunigt, Prozesse werden effizient gestaltet, Abläufe werden optimiert, die Zahl der Mitarbeiter wird entsprechend angepasst und es werden die schlanke Produktion, der effiziente Geschäftsprozess und vielfältige Feedbackprozesse eingeführt. Zeit und spirituelle Praxis weiterlesen
Geht Gedankenfreiheit in Yogaübungen?
Immer, wenn wir uns in einer Yogahaltung bewegen oder verharren, wird das Problem erkennbar, wie wir mit der zu verweilenden Zeit umgehen können. Wie jedes nahezu System ist auch unser Geist mit einer installierten oder gehaltenen Unbeweglichkeit massiv überfordert und wird, die Zeit nutzend, in Gedankengebäude hineinfallen. Diese Tatsache ist verständlich, erklärbar und auch vollkommen normal, und daher sollten wir uns als Übende auch darüber bewusst sein, das dieses so geschieht. Wenn wir zusätzlich zum Yoga auch Meditation praktizieren, wissen wir weiterhin, dass in optimaler Weise ein Zustand anzustreben ist, den man grob beschrieben als Gedankenfrei bezeichnen kann. In der Gedankenfreiheit aber, und das wird mit zunehmender Sicherheit zum Problem, verändert sich die Wahrnehmung der Zeit. Das Problem entsteht dadurch, dass wir, solange die Gedankenfreiheit andauert, kein Zeitempfinden haben, nur die Zeit der Gedanken registrieren und somit häufig zu kurz oder zu lang in der Übung verweilen.
Geht Gedankenfreiheit in Yogaübungen? weiterlesen
Fragen, Freiheit und der bevorstehende Lebensabend
Mich haben seit meiner Jugend viele Fragen beschäftigt, von denen einige zu den grundlegenden Fragen der Philosophie gehören. Allerdings war meine Ausgestaltung dieser Fragen nicht auf einen theoretischen Ablauf ausgerichtet, sondern meist durchaus praktischer Natur. Trotzdem heißt „praktisch“ nicht immer auch oberflächlich, denn auch Praxis verlangt in letzter Konsequenz gedankliche Tiefe und Gründlichkeit. Über einige dieser Tiefenfragen möchte ich jetzt in diesen Zeilen für mich eine Frage beantworten, die seit einiger Zeit mein Denken beherrscht: Was mache ich mit und in meinem Ruhestand, der mit jedem vergangenen Tag immer näher heranrückt. Wo befinde ich mich dann, was wird sein und was wird mich dann noch erfüllen? Das ist die Fragestellung dieser Zeilen.
Fragen, Freiheit und der bevorstehende Lebensabend weiterlesen
Der Karma-Gedanke in der Verdrängung
Die Idee vom Karma, wie sie allgemein üblich vertreten wird, ist etwa folgende: Wenn du im Leben gutes tust, dann wirst du dafür belohnt, wenn du böses tust, dann wirst du dafür bestraft. Und damit all das auch in aller Gerechtigkeit von statten geht, sitzt da irgendwo ein allmächtiger Buchhalter und macht Kreuze und Stiche, führt also ein Konto über seine Schäfchen.
Der Karma-Gedanke in der Verdrängung weiterlesen
Ursache-Wirkung-Prinzip in der Meditation
Das Prinzip von Ursache und Wirkung ist ein Grundprinzip der Wissenschaften westlicher Prägung. In allen Theorien und allen Arbeiten wird damit festgestellt, dass die Wirkung nicht vor ihrer Ursache, sondern nur und im Maximum zeitgleich auftreten kann. Dieses Prinzip bildet die Grundlage unseres Denkens, unserer Fähigkeiten zu Schlussfolgerungen zu gelangen, unserer Hoffnung, so die Zukunft schon jetzt sehen zu können und somit Unheil zu vermeiden.
Ursache-Wirkung-Prinzip in der Meditation weiterlesen
Philosophie in der spirituellen Praxis
Wir alle kennen, zumindest aus der Begrifflichkeit, die Philosophie als eine Geisteswissenschaft, die sich überwiegend mit sich selbst beschäftigt. Trotzdem waren einige großen Philosophen nicht nur gut in Disput und der Technik des Hinterfragens (was eigentlich die Grundaufgabe der Philosophie ist), sondern begründeten auch bedeutende spirituelle Traditionen oder trugen maßgebliche Teile dazu bei. Nimmt man Nagarjuna als Beispiel, lassen seine philosophischen und seine spirituellen Arbeiten den Schluss zu, hier würde es sich um zwei Menschen gleichen Namens handeln. Einerseits versuchte er, die sich in seiner Zeit zersplitternden Schulen des Buddhismus mit sich zum Teil konträr widersprechenden Lehrmeinungen zurück auf den mittleren Weg zu führen, auf der anderen Seite benutzte er dazu knallhart philosophische Werkzeuge und Hinterfragungstechniken, um in den in seiner Zeit beliebten Disputen die Lehrgebäuden seiner Gegner zum Einsturz zu bringen.

