- Unter dem Begriff Entspannungsverfahren werden Techniken zusammengefasst, die körperliche und seelische Anspannung reduzieren sowie das allgemeine Wohlbefinden fördern sollen. Entspannungsverfahren werden als übende Verfahren bezeichnet, da deren positive Effekte durch regelmäßiges Üben zunehmen. 1
- Entspannung, psychophysischer Zustand mit einer geringen Aktivierung, subjektiv und physiologisch besonders deutlich nach einer vorausgegangenen Anspannung, die sich unter Ruhebedingungen oder durch aktive Entspannung löst. Entspannung hat verschiedene Aspekte, wobei neben dem Erleben von emotionaler, geistiger und körperlicher Beruhigung und Gelöstheit typische physiologische Veränderungen eintreten… 2
Während die erste Definition Entspannungsfähigkeit scheinbar nur als eine Technik, also ein Mittel zum Zweck anzusehen scheint, zeigt die Zweite das ganz anders. Ein Zustand geringer Aktivierung, der scheinbar nur nach einer Anspannung als Lösung auftritt und zur Beruhigung dienen soll. Entschuldigen Sie meine Unnachgiebigkeit, aber das ist beides vollkommen verfehlt und nicht das, was Entspannung und die Fähigkeit dazu zu leisten vermag. In meiner Definition ist Entspannung ein Gleichgewichtszustand, der die Innen- und Außenwelt des Menschen in einen Gleichklang, auch gerne Einklang genannt, zu bringen vermag. Hierbei ist die mentale Einstellung (s.o.) zwar als eine Bedingung der Außenwelt anzusehen, aber sie ist sicherlich auch ein wichtiges Bindeglied zwischen diesen Welten. Nehmen wir einmal an, die Außenwelt verlangt eine ganz bestimmte Leistung in Form von Arbeit, Bewegung oder einer verwandten Aktion. Dann sollte doch, um Erfolg zu haben, die Innenwelt die erforderlichen Ressourcen bereitstellen, die dafür notwendig sind. Tut sie das, wird das Projekt mit sehr guten Voraussetzungen starten können, bringt sie das nicht, ist doch wohl ein Scheitern höchst wahrscheinlich. Für die Bereitstellung der Ressourcen aber muss der Körper reagieren, muss sich gestalten und verändern können. Das ist nur möglich, wenn ich ihn seine autonome Aufgabe vollziehen lasse und ihm dabei die Freiheit gebe, das auf seine Weise zu tun. Diese Freiheit zu haben nenne ich Entspannung, und das gilt sowohl organtechnisch, bewegungstechnisch als auch mental. In der Spezialität von Spannung nenne ich das auch gerne Tonus, was nicht weniger bedeutet als die Fähigkeit, sofort und unmittelbar reagieren zu können, weil der Körper bereit ist und über die notwendigen Ressourcen (Kraft, Beweglichkeit, Spannung, Ausdauer, Atemvermögen usw.) bereits verfügt. Entspannungsfähigkeit ist somit in der Definition ein Prozess, der sich nur im Fenster der verfügbaren Ressourcen bewegen kann. Dieses Fenster ist nie Nichts und auch selten Alles, was sein könnte. Wenn ich zum Beispiel in einer Körperpartie beweglicher werden möchte, also zu dehnen beabsichtige, muss ich erstens bereit sein, die zu dehnenden Muskeln zu entspannen. Dann muss ich zweitens eine Möglichkeit finden, andere Körperpartien in mir zu finden, die es ermöglichen, diese Muskel auch zu öffnen oder zu lösen, weil sie deren Haltearbeit übernehmen. Dann muss ich drittens bereit sein, die notwendige Öffnung so vorzunehmen, das die betroffene Muskulatur einen so starken Impuls erhält, das diese auch öffnend reagiert und ich muss viertens darauf achten, dabei nicht zu übertreiben, da der zu öffnende Muskel sonst in eine sich schützende Verspannung zurückfällt. Die Erfüllung all dieser Bedingungen nenne ich Entspannung in einem Dehnvorgang. Ähnliche Bedingungen finden sich auch bei der Arbeit und bei Ausdauerleistungen, wobei die angewendeten Kräfte zur Bewältigung der Aufgabe auch bereit stehen und der Tätige das auch in seiner Selbstwahrnehmung auch richtig erkennen sollte. Entspannungsfähigkeit ist also bei mir nicht ein Vorgang des sich vollkommen Fallenlassens oder dient einem Zweck wie der Erholung, sondern ist ein stets aktiver begleitender Prozessparameter innerhalb der Tätigkeiten wie Gymnastik oder Yoga, Sport und Arbeit. Erst anstrengen und dann entspannen ist nicht gefragt. Entspannung und Anstrengung gehen parallel als Prozessparameter in eine Tätigkeit mit ein.